Abgeschlossene Dissertationen


Benedetta Mannino

Benedetta Mannino (Potsdam/Palermo)

Titel der Dissertation: Per una inter-letteratura degli italiani in Germania (1964-2009).

Abschluss des Promotionsverfahrens: 5. Juli 2010

Abstract:
Die von Italienern in Deutschland zwischen 1964 und 2009 produzierte Literatur ist nicht nur auf Gastarbeiterliteratur bzw. Migrantenliteratur zu reduzieren; sie wurde seit den 1980er Jahren in ganz unterschiedlicher Art und Weise von Kritikern und den Autoren selbst beschrieben, entfaltet sich in vielfältigen und unterschiedlichen Formen und Gattungen und verfügt über ein reiches Repertoire an Themen.
Fast von Anfang an haben die italienischen Schriftsteller in Deutschland dazu beigetragen, einen Prozess der kulturellen Annäherung in Gang zu setzen, indem sie auf kreative Weise die statischen Begriffe einer sprachlichen und kulturellen Identität in Frage gestellt haben.
Die Tatsache, dass die untersuchten Texte der Autoren (das Korpus besteht aus 30 Autorinnen und Autoren) allesamt mehr oder minder explizite Spuren interkultureller Aspekte aufweisen, berechtigt dazu, diese literarische Produktion als ‘Inter-Literatur’ zu bezeichnen.
Auf inhaltlicher Ebene wandten die Literaten sich zunächst historischen Themen zu und präludierten damit die Tendenz zu autobiographischer Prosa und historischen Romanen. In der Lyrik strebt man zu den Bereichen Erinnerung, Gefühlswelt und Selbstreflexion, aber auch zur Gesellschaftskritik. Daraus ergibt sich ein vielfarbiges Kaleidoskop von Themen, die mit Hilfe der Verfahren der Kontrastierung, der Personifizierung, der landschaftlichen Entmaterialisierung bis hin zur traumähnlichen Perspektivierung immer wieder variiert werden. Die Themenvielfalt ist weiterhin im Bezug auf die verschiedenen Entwicklungsphasen zu betrachten, durch die diese Literatur hingegangen ist.

Publikation: Benedetta Mannino, Per una inter-letteratura degliitaliani in Germania (1964-2009). Berlin 2012 (Sanssouci – Forschungen zur Romanistik; Bd. 1).

Benedetta Mannino

Sven Thorsten Kilian

Sven Thorsten Kilian (Potsdam)

Titel der Dissertation: Die Szene des Erzählens. Ereignishaftes Sprechen in Bagatelles pour un massacre, Guignol’s band und Féerie pour une autre fois von Louis-Ferdinand Céline.

Abschluss des Promotionsverfahrens: 10. Februar 2011

Abstract:
Die Dissertation stellt drei Texte aus Louis-Ferdinand Célines ,mittlerer‘ Schaffensperiode – unmittelbar vor und nach dem Zweiten Weltkrieg – in den Mittelpunkt: das komplexeste der sogenannten Pamphlete Bagatelles pour un massacre (1937) und die beiden während und in der unmittelbaren Folge des Krieges entstandenen Doppelromane Guignol’s band (1944/ 1964) und Féerie pour une autre fois (1952/ 1954). Diese Zusammensetzung des Corpus eröffnet eine neue Perspektive auf Célines Erzählen, in der nicht nur die genannten, sonst wenig beachteten Romane in einem innovativen, für das Gesamtwerk relevanten Licht erscheinen, sondern in der sich auch die bis heute übliche Roman/ Pamphlet-Dichotomie aufheben läßt. Pamphlet und Roman, so die zentrale These, sind als ,univok‘ zu verstehen, weil sie fortlaufend und differentiell dieselbe ,Szene des Erzählens‘ modellieren. Damit verschiebt die Arbeit den Akzent von der reflexhaften Fixierung auf den politischen Inhalt auf die teils politische, teils ästhetische Instrumentalisierung narrativer, rhetorischer und inszenatorischer Strategien. Das Gemeinsame von Pamphlet und Roman erweist sich so als auch im Roman problematische ästhetische Strategie.
Ausgehend von der kritischen Auseinandersetzung mit der umfangreichen Sekundärliteratur entwirft die Arbeit eine Theorie ereignishaften Erzählens, indem sie auf diskursgeschichtlicher Basis – von Aristoteles bis Klossowski und Deleuze – die für die Analyse der Texte Célines zentralen Begriffe Univozität, Ereignis, Phantasma, Inszenierung und Kommunikation vorstellt und auf das ästhetische Textphänomen ,Szene des Erzählens‘ hin perspektiviert.

Publikation: Sven Thorsten Kilian, Die Szene des Erzählens. Ereignishaftes Sprechen in Bagatelles pour un massacre, Guignol’s band und Féerie pour une autre fois von Louis-Ferdinand Céline. München 2012. Weitere Informationen hier.

Sven Thorsten Kilian

André Weber

André Weber (Potsdam)

Titel der Dissertation:Die Wolke als Dispositiv der Literatur im Wandel des Wissenshorizontes – Studien zu Wolkenkodierungen bei Hugo, Baudelaire und Maupassant.

Das Forschungsprojekt wurde durch ein Promotionsstipendium der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam sowie ein weiteres des Graduiertenförderungsprogramms des Landes Brandenburg gefördert.

Abschluss des Promotionsverfahrens: 09. Juli 2012

Abstract:
Im Kontext zunehmender Globalisierung und befördert durch poststrukturalistische wie chaostheoretische Denkansätze ist die Wolke zu einem Modell avanciert, das der Komplexität und Dynamik gegenwärtiger Lebensweltverhältnisse einen diskursiven Raum verleiht. In ihrer unbestimmten Mannigfaltigkeit als Konsequenz des Verwandlungsspiels im Zwischenraum von Himmel und Erde regt die Wolke den Menschen seit jeher dazu an, seine Wünsche, Begierden, Hoffnungen und Ängste als Projektionen der Imagination in sie einzuschreiben. In der Literatur wird sie damit systematisch als ein Dispositiv lesbar, in dem wie in einem Depot bestimmte menschliche Willens- und Gefühlsenergien gespeichert sind. Dabei verhält sich die Qualität dieser Projektionen in Relation zum Wandel epistemologischer Konzepte und zum Fortschritt des Wissens.
Vor dem Hintergrund des sich wandelnden Wissenshorizontes von der Aufklärung bis zur Chaostheorie unter besonderer Berücksichtigung der Entstehung und Entwicklung der nephologisch spezialisierten Meteorologie des 19. Jahrhunderts werden anhand ausgewählter Texte von Victor Hugo, Charles Baudelaire und Guy de Maupassant exemplarisch Strategien der Fiktionalisierung der Wolke in der französischen Literatur untersucht und auf ihr besonderes poetisches Potential im Horizont der jeweiligen ästhetischen Programmatik hin befragt.

Publikation: André Weber, Wolkenkodierungen bei Hugo, Baudelaire und Maupassant im Spiegel des sich wandelnden Wissenshorizontes von der Aufklärung bis zur Chaostheorie – Studien zur Wolke als Dispositiv der Literatur. Berlin 2012 (Sanssouci – Forschungen zur Romanistik; Bd. 2). Siehe unter Schriftenreihe Sanssouci

André Weber

Antonella Ippolito

Antonella Ippolito (Potsdam)

Titel der Dissertation: Ökokritik als Endzeitmythos in La stella Assenzio von Livia De Stefani.

Abschluss des Promotionsverfahrens: 19. Februar 2015

Abstract:
Der letzte Roman der italienischen Schriftstellerin Livia De Stefani (Palermo 1913-Rom 1991), La stella Assenzio (1985), konfrontiert den Leser mit bis heute brisanten Fragen zu Umwelt und nachhaltiger Entwicklung und scheint hierbei für die Menschheit einen apokalyptischen Zukunftshorizont zu entwerfen: Auf der Folie der biblischen Johannes-Offenbarung schafft die Autorin ein kunstvolles intertextuelles Geflecht, in dessen Rahmen sie die globale Umweltkrise als Vorstufe einer Endzeit inszeniert. Gerade aus der Spannung zu seinen zahlreichen Prätexten gewinnt jedoch der Roman ein textkommunikatives Potential, das weit über eine Funktion als literarisches Plädoyer für die Umwelt hinaus reicht.
La stella Assenzio wird hier zum ersten Mal aus literaturwissenschaftlicher Perspektive und im Kontext des umfangreichen Œuvres von Livia De Stefani untersucht: Der Blick auf die literarischen Strategien, welche dem komplexen Erzählgefüge zugrunde liegen, eröffnet eine neue Sicht auf die multiplen Dimensionen eines kaleidoskopartig wirkenden Textes, der als postmoderner Mythenroman jede auf Eindeutigkeit zielende Lektüre herausfordert und zu einer Vielfalt von Interpretationen verführt.

Publikation: Antonella Ippolito, La stella Assenzio von Livia De Stefani – Ökokritik als Endzeitmythos. Berlin 2015 (Sanssouci – Forschungen zur Romanistik; Bd. 8).

Antonella Ippolito

Sophie Ratschow

Sophie Ratschow (Potsdam)

Titel der Dissertation:Fragmente der Unruhe als simulakres Schreiben: Federigo Tozzis Bestie (1917).

Das Forschungsprojekt wurde durch ein Promotionsstipendium sowie durch ein Teaching Professionals Stipendium der Universität Potsdam gefördert.

Abschluss des Promotionsverfahrens: 16. Dezember 2015

Abstract:
Die Kurzprosasammlung Bestie (1917) von Federigo Tozzi ist von der Forschung als Meisterwerk der europäischen Moderne in ihrem literarischen Potential bisher verkannt worden. Ihrer vielbeschworenen Rätselhaftigkeit geht Sophie Ratschow nun erstmals seit Erscheinen umfassend und systematisch auf den Grund. Der Band stellt damit nicht nur die erste Ganzschrift zu Bestie, sondern darüber hinaus die erste Monographie in deutscher Sprache zu Federigo Tozzi dar. Der simulationsästhetische Analyseansatz führt unter Berücksichtigung philosophischer Konzepte von Nietzsche, Derrida u.a. sowie durch die neuartige Auswahl intertextueller Bezüge zur Lyrik Baudelaires und zum Buch der Unruhe von Fernando Pessoa zu vollkommen neuen Erkenntnissen über die Funktions- und Wirkungsmechanismen dieser prismenhaft angelegten, geheimnisvollen Fragmente der Unruhe.

Publikation: Sophie Ratschow, Fragmente der Unruhe – Simulierte Seelenzustände in Bestie von Federigo Tozzi. Berlin 2016 (Sanssouci – Forschungen zur Romanistik; Bd. 11).

Sophie Ratschow

Luca Viglialoro

Luca Viglialoro (Potsdam)

Titel der Dissertation: Ästhetische Erfahrung im Werk von Andrea Zanzotto – Versuch einer Textästhetik am Beispiel von Microfilm.

Das Forschungsprojekt wurde durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes und ein Forschungsstipendium der Sapienza – Università di Roma gefördert.

Abschluss des Promotionsverfahrens: 3. Februar 2016

Abstract:
Microfilm (1971) von Andrea Zanzotto ist ein hoch komplexes, intermediales Gebilde, das seit seiner erstmaligen Veröffentlichung der Zanzotto-Forschung große interpretative Schwierigkeiten bereitet hat. Die vorliegende Arbeit ist die erste umfassende Monographie zu Microfilm.
Nach Zanzottos eigener Aussage entstand Microfilm als künstlerische Reaktion auf die Katastrophe von Vajont vom 9. Oktober 1963, als ein Bergrutsch eine gewaltige Flutwelle auslöste, die über den Vajont-Staudamm hinweg ins Tal von Longarone stürzte. Der Hintergrund des Werkes gibt dem Autor den Anlass zu einer simulierten Hinterfragung des tragischen Ereignisses und zugleich seines eigenen Schaffens, welche sich in der Form einer trugbildhaften bildschriftlichen Komposition vollzieht. Die Sinnlosigkeit der Katastrophe wiederholt sich in der diskontinuierlichen, hermetischen Form von Zanzottos Text.

Publikation: Luca Viglialoro, Ästhetische Erfahrung und Textästhetik in Microfilm von Andrea Zanzotto. Berlin 2016 (Sanssouci – Forschungen zur Romanistik; Bd. 10).

Luca Viglialoro

Sarah Haase

Sarah Haase (Potsdam/Paris)

Titel der Dissertation: Zivilgesellschaftliches Engagement im Wandel – Deutsch-französische Vereine (1989-2013) als soziales Kapital und ihr Nutzen im transnationalen Raum.

Cotutelle mit der Sorbonne Nouvelle (Paris III), gefördert durch ein Stipendium der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH).

Abschluss des Promotionsverfahrens: 11. April 2018

Abstract: Die vorliegende Studie untersucht das zivilgesellschaftliche Engagement in den deutsch-französischen Beziehungen zwischen 1989 und 2013 mit einem Ausblick bis 2018. Dabei konzentriert sie sich auf die Rolle, die Organisation und den transnationalen Charakter von sechs deutsch-französischen Initiativen, vier Kulturvereinen und zwei Wirtschaftsclubs im Zeitalter der europäischen Integration und Globalisierung. Es wird hinterfragt, welchen Platz die deutsch-französische Beziehung in unseren heutigen Gesellschaften noch einnimmt und gleichzeitig die Wichtigkeit des zivilgesellschaftlichen Engagements aufgezeigt.

Durch die vier Analysekategorien (1) Kommunikation, (2) Programmgestaltung/thematische Schwerpunktlegung, (3) Vernetzung und (4) Professionalisierung/Innovation werden heutige Herausforderungen, wie die Überalterung der Mitglieder, aufgedeckt. Weiterhin werden das soziale Kapital und der soziale Nutzen der Vereine betrachtet, wobei die Konzepte von Pierre Bourdieu, Robert Putnam und Jean Gadrey als Grundlage dienen. Nicht nur die Beziehungen, die die Vereine innerhalb des deutsch-französischen Raumes pflegen, sondern auch die Bindungen, die von Schlüsselpersonen mit Akteuren außerhalb des binationalen Raumes gepflegt werden, sind wichtig für die Sichtbarkeit, das Gewicht und den sozialen Nutzen der Initiativen. Es wird darüber hinaus die Frage gestellt, ob die Vereine als Foucaultsche Heterotopie betrachtet werden können, die einen bestimmten Habitus unter den Mitgliedern und ein deutsch-französisches Selbstverständnis fördert. Anliegen ist es, die Wichtigkeit eines transnationalen Vereinsnetzwerkes herauszustellen. 

Publikation: Sarah Haase, Zivilgesellschaftliches Engagement im Wandel – Deutsch-französische Vereine (1989-2013) als soziales Kapital und ihr Nutzen im transnationalen Raum. Berlin 2019 (Sanssouci – Forschungen zur Romanistik; Bd. 17).

Sarah Haase
Erfolgreiche Verteidigung der Arbeit von Sarah Haase am 11. April vor einer deutsch-französischen Kommission
Foto: Lars Klauke

Erfolgreiche Verteidigung der Arbeit am 11. April vor einer deutsch-französischen Kommission. Von links nach rechts: Prof. Dr. Cornelia Klettke (Potsdam), Prof. Dr. Andreas Köstler (Potsdam), Prof. Dr. Ralf Pröve (Potsdam), Prof. Dr. Jean-Louis Georget (Paris), Dr. des. Sarah Haase (Potsdam/Paris), Prof. Dr. Jürgen Ritte (Paris), Prof. Dr. Corine Defrance (Paris) und Prof. Dr. Margarete Zimmermann (Berlin).