Arbeiten mit Kindern während der Pandemie & Office@home

Kind läuft an der Hand eines Erwachsenen. Das Foto ist von AdobeStock/InsideCreativeHouse.
Grafische Darstellung einer Person, die mit Kind am Arbeitsplatz im Homeoffice sitzt. Die Grafik ist von AdobeStock/Visual Generation.
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Fast 60 Prozent der Beschäftigten fühlten sich in der Pandemie sehr viel stärker belastet. Die Belastung war umso größer, je mehr Kinder im Haushalt lebten.
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Die neuen Regelungen zum Homeoffice an der Uni Potsdam in der Übersicht.

Zwei Umfragen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements geben Auskunft über die besonderen Belastungen von Beschäftigten mit Kindern während der Corona-Pandemie.

Homeoffice, Homekita und Homeschooling zugleich – seit Beginn der Covid-19-Pandemie war das über Monate Lebensrealität für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kindern. Wie groß war die Belastung in dieser Zeit? Um dies herauszufinden, befragte das Betriebliche Gesundheitsmanagement im August/September 2020 zunächst Beschäftigte in Technik und Verwaltung. Im Fokus stand die Arbeitssituation im Homeoffice – für die meisten von ihnen ein neuer Zustand. Im Mai/Juni 2021 folgte eine Befragung der Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hier lag der Schwerpunkt neben der veränderten Arbeitssituation auf den Auswirkungen auf die berufliche Perspektive. Soviel vorab: Die Ergebnisse bestätigen die vermuteten besonderen Belastungen, die sich vor allem in einer veränderten Arbeitsorganisation niederschlugen.

Von den 440 befragten Beschäftigten aus Technik und Verwaltung gaben 44 Prozent an, Kinder zu haben. Von den 284 befragten akademisch Beschäftigten waren es 34 Prozent – im Durchschnitt hatten die Befragten 1,7 Kinder. Auf die Frage, wie belastet sich die Teilnehmenden in der Pandemie durch ihre Betreuungsaufgaben fühlen, antworteten 33 bzw. 28 Prozent, dass sie sich (etwas) stärker und 56 bzw. 58 Prozent, dass sie sich sehr viel stärker belastet fühlten. In beiden Befragungen zeigte sich, dass die wahrgenommene zusätzliche Belastung umso größer war, je mehr Kinder im Haushalt lebten. Als weiterer Befund ergab sich: Besonders Frauen leisteten die Betreuungsarbeit. Während weibliche Personen Betreuungsaufgaben überwiegend oder komplett übernommen haben, hat der Großteil der männlichen Befragten die Betreuungsaufgaben gleichverteilt abgeben können. Auch hinsichtlich der Arbeitsgestaltung zeigten sich besondere Arbeitssituationen für Beschäftigte mit Kindern. Sie gaben in beiden Befragungen an, flexibler (d.h. zu anderen Zeiten oder in einem anderen Rhythmus) als im Büro zu arbeiten. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kindern gaben häufiger als Forschende ohne Kinder an, abends oder sogar nachts zu arbeiten. Zudem haben wissenschaftlich Beschäftigte mit Kindern im Durchschnitt weniger Zeit für die eigene Forschung, Fort- und Weiterbildungen und die Beantragung von Forschungsmitteln aufbringen können als Beschäftigte ohne Kinder. Besonders in der Qualifikationsphase kann sich dies mittel- und langfristig negativ auf die Karriereentwicklung in der Wissenschaft auswirken – obgleich wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kindern ihre berufliche Perspektive nicht als schlechter einschätzten als kinderlose Forschende.

Gesundheitlich haben sich die besonderen Herausforderungen von Beschäftigten mit Kindern erfreulicherweise nur bedingt niedergeschlagen. Zwar fühlten sich Personen mit Kindern in beiden Befragungen körperlich erschöpfter. Doch hinsichtlich anderer gesundheitlicher Belastungssymptome gab es keine Unterschiede zu kinderlosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Weitere Ergebnisse der Umfragen finden Sie hier: www.uni-potsdam.de/de/gesundheitsmanagement/befragungen

Office@home?

Die Universität Potsdam hat während der Corona-Pandemie ihre Homeoffice-Regelungen überarbeitet und deutlich ausgeweitet. Sowohl den jeweiligen Beschäftigten wie auch der Uni soll ein Vorteil aus der Nutzung der neuen Homeoffice-Möglichkeiten erwachsen. Hier eine Übersicht.

Homeoffice für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Für den Arbeitsort und die Arbeitszeit der akademischen und künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen grundsätzlich flexible Regelungen gelten, um ihren Aufgaben in Lehre und Forschung nachzukommen. Ob es sich um digitale Lehrveranstaltungen, das Korrigieren von Prüfungsleistungen, das Auswerten von Daten oder das Schreiben wissenschaftlicher Publikationen handelt: Vieles davon kann orts- und oft auch zeitflexibel erledigt werden. Aber natürlich gibt es auch weiterhin Aufgaben, die nur vor Ort an der Uni wahrgenommen werden können, zum Beispiel Präsenzlehre und -sprechstunden, Arbeitsbesprechungen, Teilnahme in der universitären Selbstverwaltung, bestimmte Tätigkeiten im Labor oder die Betreuung von Geräten und anderer Forschungsinfrastruktur. In den meisten wissenschaftlichen Arbeitsgruppen und Einrichtungen der Universität wurde diese flexible Arbeitsweise schon immer ganz ungezwungen praktiziert. Doch im Einzelfall gab es hin und wieder Probleme und offene Fragen – oder einfach den Wunsch nach einer verbindlichen Absprache. In solchen Fällen können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihren Vorgesetzten nun formal beantragen, von der Möglichkeit des mobilen Arbeitens, wie das Homeoffice auch genannt wird, Gebrauch zu machen. Das Ergebnis der Vereinbarung kann schriftlich fixiert werden. Die zugehörigen Leitlinien und ein Formularmuster finden sich auf den Universitäts-Webseiten. Kann dem Antrag nicht oder nur eingeschränkt entsprochen werden, sind die Gründe den betroffenen Beschäftigten mitzuteilen.

Homeoffice für Beschäftigte in Technik und Verwaltung

Auch für Beschäftigte in Technik und Verwaltung gab es vor der Pandemie bereits die Möglichkeit zur Heimarbeit, vor allem bei familiären Verpflichtungen, zur Pflege von Angehörigen oder aufgrund anderer persönlicher Belange. Dies hatte zahlenmäßig aber keine so große Bedeutung wie jetzt das Homeoffice. Außerdem muss Homeoffice nicht regelmäßig oder an einem festen Wochentag wahrgenommen werden. Aufgrund der vielfältigen Arbeitsaufgaben in diesem Bereich, von der Laborbetreuung bis zu Verwaltungsaufgaben, von handwerklichen Arbeiten bis zur Betreuung von IT-Systemen, sind einige Arbeitsplätze vollständig, andere nur teilweise oder manche auch gar nicht für das Homeoffice geeignet. Deshalb gibt es keine uniweite „one fits all“-Lösung, sondern jeder Bereich, in dem Homeoffice genutzt werden soll, hat ein eigenes Konzept vorzuweisen, in dem die Arbeitsorganisation und ggf. spezifische Regelungen dokumentiert sind. Die Erreichbarkeit des Bereichs muss gesichert sein und es muss ein Arbeitszeitnachweis geführt werden. Die Beschäftigten beantragen Homeoffice jeweils bei ihren Vorgesetzten. Das ausführliche Eckpunktepapier findet sich auf den Uni-Webseiten.

Evaluation im nächsten Jahr

In Konfliktfällen können sich Beschäftigte an die nächsthöheren Vorgesetzten, die Ansprechpartner für das Konfliktmanagement oder den zuständigen Personalrat wenden. Mitte/Ende 2022 will die Universitätsleitung die Erfahrungen gemeinsam mit den Personalräten auswerten.

www.uni-potsdam.de/de/presse/aktuelles/coronavirus-infos-beschaeftigte

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Zwei 2021 „Familie und Beruf“ (PDF).