30 Jahre Uni Potsdam – 4 Studierende erzählen: Kathrin Wosch

„Den Mut haben, Fragen zu stellen“
Kathrin Wosch | Foto: Schuster/RBB
Foto : Schuster/RBB
Kathrin Wosch
Vier Mensch, vier Jahrzehnte, vier Studienfächer und alle haben etwas gemeinsam: Sie waren oder sind Studierende der Universität Potsdam. Sie schauen auf die Vergangenheit ihrer Universität und wagen einen Blick in die Zukunft. Hier stellen wir hier die vier Persönlichkeiten – stellvertretend für die Tausenden, die seit ihrer Gründung an der Uni Potsdam studiert haben – mit ihren ganz individuellen Geschichten vor…

Kathrin Wosch ist heute beim rbb für radioeins als Moderatorin tätig. Sie studierte ab 2001 an der UP Linguistik, Medienwissenschaften und Soziologie und plädiert dafür, dass man nach einer falschen Entscheidung den Mut haben sollte, das Studienfach zu wechseln …

Sie haben 2001 ihr Studium der Linguistik, Soziologie und Medienwissenschaften begonnen. Warum sollte es damals die Uni Potsdam sein?

Dafür gab es keinen richtigen Grund. Meine Eltern und ich waren eigentlich eher überfordert – ich stamme nicht aus einem Akademikerhaushalt. Im Berufsinformationszentrum (BIZ) wurde mir Germanistik vorgeschlagen, und dann bekam ich die Zusagen von der Uni Potsdam. Ich fand die Nähe zu Berlin gut und dass ich am Wochenende ohne Probleme zu meinen Eltern pendeln konnte.

Als Sie begonnen haben, war die UP gerade 10 Jahre alt. Hat man das gemerkt?

Nein, ich war zu sehr damit beschäftigt, mich im Studienalltag zurechtfinden. Die Vorlesungen in Germanistik waren überfüllt – es gab also schon damals viele Studierende. Die Medienwissenschaften waren hingegen neu im Studienangebot Ich weiß nicht, ob es was damit zu tun hatte, dass die Uni recht jung war. Ich dachte mir jedenfalls: Die Zeit ist reif für Medienwissenschaften.

Seit zwei Semestern wird in Potsdam vor allem online/digital studiert - Wie lief das Studium zu Ihrer Zeit ab?

Es war gar nicht digital! Die Hausarbeiten mussten abgetippt abgeben werden – also in Papierform. Ich hatte keinen eigenen Computer und schrieb meine Hausarbeiten in einem Computerraum in Golm. Dann speicherte ich sie auf Diskette und druckte sie in einem Copyshop in Golm aus.

Wie sah Ihr Studienalltag aus, den Sie ja noch mit einem Job als Moderatorin bei Radio Fritz unter einen Hut bringen mussten?

Anfangs habe ich sehr straff studiert und nach dem Grundstudium bei Radio Fritz angefangen, dem Jugendsender vom rbb. Zuerst als Praktikantin und dann als Reporterin. Das ließ sich gut mit meinem Studium vereinbaren, zumal ich 2007 scheinfrei war und direkt meine erste eigene Sendung bekam. Damals ging es noch nicht um Punkte, sondern man machte Scheine. Den Abschluss habe ich dann später im Jahr 2011 gemacht. Dafür habe ich mir extra drei Monate frei genommen. Ich war mir gar nicht sicher, ob ich die Arbeit schreiben möchte – aber ein Kollege hat mich ermutigt. Mir fehlte da einfach auch Motivation, weil ich mit der Linguistik das falsche Hauptfach gewählt hatte und mir die Praxis mehr Spaß machte als das Studium, vor allem der Linguistik. Medienwissenschaften und Soziologie fand ich spannender!

Was ist Ihnen aus Ihrer Zeit an der Uni Potsdam besonders in Erinnerung geblieben?

Prof. Hartmuth Salzwedel aus der Soziologie. Er war ein Intellektueller, sehr intelligent und eloquent, aber nie abgehoben – auch nicht in seiner Sprache, die er sehr klar verwendete. Von ihm habe ich gelernt, dass man sich trauen muss, Fragen zu stellen. Das ist auch heute in meinem Job als Moderatorin wichtig.

Als Redakteurin bei radioeins zu arbeiten - hätte das auch ohne Studium klappen können?

Es hätte ohne Studienabschluss geklappt, weil ich die Berufserfahrung hatte – aber nicht ohne Herrn Salzwedel! Ich bin durch ihn mutig geworden, traue mich Sachen auszusprechen, wie sie sind. Und ich traue mich Fragen zu stellen, die ich stellen möchte. Außerdem war die Zeit des Studiums für mich wichtig, weil ich mich in dieser Zeit noch orientieren und auch ein Stück weit selbst finden konnte. Generell bin ich eher ein Praxismensch. Die Linguistik war viel zu mathematisch für mich. Dennoch ist ein Studienabschluss im Medienbereich mittlerweile ziemlich wichtig.

Was würden Sie heutigen Studierenden mit auf den Weg geben? Was sollten Sie in Ihrem Studium beherzigen?

Wenn man die falsche Studienrichtung gewählt hat, sollte man den Mut haben, sich das einzugestehen und nochmal auf ein Fach setzen, das einem mehr Freude bereitet. Man weiß ja vor dem Studium oft nicht, was einen erwartet. Es ist besser, getroffene Entscheidungen zu revidieren, statt sich in dieser Lebensphase zu quälen.

Kathrin Wosch

Geboren: 1981
Herkunft: Seehausen in der Altmark (Sachsen-Anhalt)
Studienfächer an der UP: Magister in Linguistik, Medienwissenschaft und Soziologie
Studienzeit: 2001 bis 2011
Wohnte während des Studiums: In WGs in Potsdam und Berlin
Lieblingsort an der UP: Park Babelsberg und Griebnitzsee
Heutige Tätigkeit: Moderatorin bei radioeins vom rbb

 

Als nächstes kommt ein Romanist zu Wort, der mittlerweile an der Universität Wien arbeitet.
... zum Artikel mit Benjamin Loy

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2021 „30 Jahre Uni Potsdam“ (PDF).