„Ich würde meine Verteidigung auch lieber live durchführen“ – Luise Krompholz macht ihren Abschluss an der Uni fern der Uni

Krisenbewältigung und Innovation – Die digitale Universität in Zeiten der Pandemie
Luise Theresa Krompholz | Foto: privat
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Luise Theresa Krompholz

Wenn das Studium dem Ende zugeht, saugen viele noch einmal alles auf, was die Uni zu bieten hat: Auslanderfahrung, intensive Diskussionen in Masterkolloquien, Campusleben in vollen Zügen. Doch die Corona-Pandemie hat auch das weitgehend verhindert. So auch für Luise Krompholz. Statt eines Auslandssemesters gab es alte Heimat, statt gemeinsamem Schreiben in der Bibo einsames Ackern am Schreibtisch. Matthias Zimmermann sprach mit über die Anstrengung, sich Tage, Wochen und Monate selbst zu strukturieren, die besonderen Herausforderungen einer Masterarbeit aus der Ferne und Dinge, die bleiben dürfen.

Wie heißt das Semester bei Ihnen: Corona- oder Digitalsemester?

Wenn ich mich entscheiden müsste, wohl eher Coronasemester. Das Semester ist für mich das letzte volle Unisemester und ich arbeite zurzeit an meiner Masterarbeit, die ich im Mai abgeben werde. Dabei merke ich besonders die negativen Auswirkungen von Corona, bspw. dass Bibliotheken geschlossen sind oder Sprechstunden zur Arbeit telefonisch und nicht vor Ort stattfinden. Vor allem fehlt mir aber der Austausch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, bspw. in der Mensa oder bei einem Kaffee. Man kann sich zwar virtuell verabreden, aber das ist dann doch nicht dasselbe.

Erleben Sie die Corona-Semester als Zeit der Krise oder der Innovation?

Ich persönlich erlebe das Semester nicht besonders innovativ. Als absolute Zeit der Krise würde ich es aber auch nicht beschreiben wollen. Ich glaube, dass es an vielen Lehrstühlen große Bemühungen gibt, die digitale Lehre gut umzusetzen und zu gestalten, ob dies tatsächlich immer gelingt, kann ich für dieses Semester schlecht einschätzen, da ich nur das Master-Kolloquium besucht habe. Allerdings kann ich die Zeit nicht als besonders innovativ empfinden, wenn erst jetzt wegen der Pandemie ein Office-Paket durch die Uni zur Verfügung gestellt wird. Das ist an den meisten Universitäten der Standard.

Wie haben Sie den Übergang zum digitalen Studium gemeistert?

Der Übergang zum digitalen Studium erfolgte bei mir unter ganz besonderen Bedingungen. Für das Sommersemester 2020 hatte ich ein Auslandssemester geplant, das aufgrund der Pandemie abgesagt wurde. Allerdings hatte ich mein WG-Zimmer in Berlin bereits untervermietet, weshalb ich das Semester größtenteils bei meinen Eltern auf dem Land in Thüringen verbrachte. Vor allem das Internet war hier oft ein Problem. Denn schnelles Internet ist nur begrenzt verfügbar. Für meine Umstände war es jedoch praktisch, dass ich nicht vor Ort sein musste. Prinzipiell finde ich digitale Lehre gut, wenn sie gut geplant und umgesetzt wird. Besonders ansprechend finde ich, wenn man den Lernstoff vorab durcharbeitet und dann in der Gruppe darüber spricht und diskutiert. Während das aktuell nur virtuell stattfinden kann, fände ich es aber gut, diese Diskussionsrunden nach der Pandemie vor Ort durchzuführen. Außerdem glaube ich, dass digitale Lehre ein hohes Maß an Selbstdisziplin verlangt. Ich weiß ich nicht, ob ich so diszipliniert die digitalen Inhalte abgearbeitet hätte, wenn ich nicht bei meinen Eltern „gestrandet“ wäre.

Ist das Online-Studium zeitaufwendiger als das Präsenzstudium?

Es fühlt sich auf alle Fälle aufwendiger an. Auch wenn man Fahrtwege etc. spart, muss man mehr Zeit für das Studium investieren, um alle Inhalte wie Texte, Videos, Quizze etc. durchzuarbeiten. Viele Dozentinnen und Dozenten haben außerdem das Pensum an zu erbringenden Nebenleistungen (bspw. Forumsbeiträge auf Moodle etc.) deutlich erhöht. Hinzu kommt, dass Videokonferenzen deutlich anstrengender sind, als live in einer Vorlesung zu sitzen, was es definitiv anstrengender macht.

Sie schreiben gerade Ihre Abschlussarbeit. Mussten Sie sich dafür umorganisieren?

Prinzipiell geht das natürlich, da man sich ja theoretisch zum Lesen und Schreiben überall hinsetzten kann. Ich kann allerdings viel konzentrierter und effizienter arbeiten, wenn ich in der Bibliothek sitze. Es motiviert mich schon allein, dass da andere Studis um mich sind, die auch produktiv sein müssen. Außerdem ist es angenehm still. Neben dem Haus, in dem ich wohne, ist aktuell eine Großbaustelle und der tägliche konstante Lärm ist schon sehr belastend. Außerdem wohne ich in einer WG, was in Zeiten von Social Distancing zwar super ist, da man nie alleine ist und wir uns allgemein super verstehen, aber natürlich lenkt man sich auch gegenseitig immer mal wieder ab.

Wie kommen Sie an Literatur?

Auch die Beschaffung von Literatur ist manchmal schwierig, da der Online-Bestand der UP in manchen Bereichen sehr begrenzt und auch der Zugriff auf Fach-Magazine oft nicht möglich ist. Da hilft mir allerdings mein Mitbewohner oft aus, der an einer Uni in Berlin studiert. Prinzipiell hat man aber mit der VPN-Verbindung schon Zugriff auf einige Literatur.

Wie funktioniert die Betreuung Ihrer Abschlussarbeit auf Distanz?

Die Konsultationen mit meiner Betreuerin finden theoretisch per Zoom statt, in der Praxis aber bisher eher telefonisch. Auch wenn man Wesentliches besprechen kann, würde ich den persönlichen Kontakt und Austausch vor Ort besser finden. Dann kann man intensiver diskutieren, Dinge (Variablen der Arbeit) auch einfach mal zur Veranschaulichung skizzieren o.ä. Ich habe das große Glück, dass ich am Lehrstuhl, an dem ich meine Abschlussarbeit schreibe, schon als HiWi gearbeitet habe und deshalb u.a. mit den Anforderungen, Erwartungen meiner Betreuerin vertrauter bin. Für Studierende, die diese Erfahrung nicht haben, stelle ich es mir besonders schwierig vor, „aus der Ferne“ betreut zu werden.

Werden Sie online verteidigen (müssen)? Was erwarten Sie davon?

Davon gehe ich fest aus. Ich präsentiere sehr gerne und würde meine Verteidigung auch lieber live durchführen. Ich denke aber, dass man das technisch via Zoom auch gut machen kann, und mit der Erfahrung aus Online-Lehre und Home-Office im Studijob aus dem letzten Jahr bin ich mittlerweile routiniert in virtuellen Präsentationen. Vielleicht sinkt die Aufregung dadurch auch etwas und zitternde Hände kann man so gut verstecken

 

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