„Die Betreuung der internationalen Studierenden an der Uni Potsdam ist exzellent“ – Computerlinguistik-Studentin Olha Zolotarenko erzählt vom Studium im ersten Online-Semester

Zur Corona-Pandemie – Beiträge aus der Universität Potsdam
Computerlinguistik-Studentin Olha Zolotarenko | Foto: Oleg Gritsenko
Quelle: Oleg Gritsenko
Computerlinguistik-Studentin Olha Zolotarenko

Seit März 2020 ist alles etwas anders, auch an der Universität Potsdam. Prüfungen mit Abstand, Vorlesungen online, Seminare via Zoom. Wie gelingt die Umstellung auf das erste Online-Semester der Hochschulgeschichte eigentlich denen, für die ein Studium an der Uni Potsdam ohnehin schon ein Abenteuer in der Fremde ist: junge Menschen aus aller Welt, die ihre Heimat hinter sich lassen, um an der Universität Potsdam zu studieren. Olha Zolotarenko studiert Computerlinguistik und berichtet davon, wie sich Elternschaft und Studium in Deutschland während der Corona-Pandemie vereinbaren lassen.

Seit Anfang März hat die Corona-Pandemie auch Deutschland fest im Griff. Wie erleben Sie diese außergewöhnliche, herausfordernde Zeit?

Die Corona-Krise hat einen etwas paradoxen Einfluss auf mich und meine Familie. Einerseits hat sich kaum etwas an dem Alltag verändert, da ich momentan in der Elternzeit bin. Nach wie vor gibt es jeden Tag viele Spaziergänge im Park, Kuscheln zu Hause und etwas Haushaltssorgen. Andererseits kamen natürlich gewisse Zukunftsängste dazu, die in der Isolation psychologisch nicht so leicht sind.

Haben die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus Sie persönlich eher eingeschränkt oder sogar Freiräume geschaffen?

Wie erwähnt bin ich vor Kurzem Mutter geworden. Die Elternschaft bedingt (zumindest am Anfang) durchaus eine gewisse Veränderung der Lebensweise, wo man für das Wohl des Kindes oft auf Manches verzichtet. Daher brachten die Corona-Maßnahmen mir eher eine gewonnene Zeit für alles, was auf Eis gelegt war. Außerdem hat das digitale Semester eine große Erleichterung für mein Studium gebracht, da die Präsenzveranstaltungen mit einem kleinen Kind sehr schwer zu vereinbaren sind.

Worunter leiden Sie am meisten?

Unter den Grenzschließungen und der Ungewissheit. Das war für meine Familie und mich immer die größte Freude, unsere Eltern und Verwandten hier in Potsdam willkommen zu heißen. Jetzt können die Großeltern ihr Enkelkind nur per WhatsApp sehen und das Traurigste ist, dass man momentan gar nicht sagen kann, wann die Welt wieder zur Normalität zurückkehrt.

Was war unverhofft gut?

Definitiv das digitale Semester. Ich kann natürlich verstehen, dass es höchstwahrscheinlich mit meinem Fach (Computerlinguistik) zu tun hat und diejenigen, die in ihrem Studium komplett von den Präsenzveranstaltungen abhängig sind, werden mir nicht zustimmen. Immerhin hat das Semester für mich sehr bequem angefangen und ich hoffe, dass es so bleibt.

Sie sind weit weg von Ihrer Heimat – haben Sie in den vergangenen Wochen überlegt, vorzeitig nach Hause zurückzukehren?

Auf keinen Fall, da ich hier in Europa meine Zukunft aufbauen möchte. Wenn man allein ist, ist es ziemlich leicht, das Leben rasant zu ändern. Wenn man aber eine Familie hat, gibt es viel zu bedenken, bevor man eine Entscheidung trifft. Ich muss erkennen, dass es auch schwierig sein kann, sich an einem neuen Ort zurechtzufinden und ein Netzwerk aufzubauen. Man läuft immer Gefahr, etwas fremd zu bleiben.

Wie ist die Situation in Ihrer Heimat?

In der Ukraine hat man ziemlich früh und rasch viele drastische Maßnahmen unternommen und deshalb die Ausbreitung des Corona-Virus derzeit scheinbar im Griff. Die Frage lautet aber oft, wie gut die vorhandenen Zahlen die Pandemie widerspiegeln, da man nicht genug testet und die Corona-Infizierten anscheinend oft keine Symptome aufweisen.

Fühlen Sie sich als International an der Uni gut betreut und informiert? Was könnte besser sein?

Die Betreuung der internationalen Studierenden an der Uni Potsdam ist exzellent. Ich habe im International Office immer Hilfe in allen Fragen bekommen und zwar nicht nur was mein Studium betrifft, sondern auch bei Fragen zu meiner Familie. Ich kann mir nur vorstellen, dass man in der Zukunft mehr digitale Angebote hat, wodurch man das Team des International Office entlasten und gleichzeitig flexible Auskunft zu vielen Fragen 24/7 anbieten könnte.

Seit einigen Wochen läuft nun das erste digitale Semester an der Uni Potsdam. Ist es für Sie eine große Umstellung?

Für mich als junge Mutter war das digitale Semester eine große Erleichterung und Hilfe. Ich musste mir endlich keine Sorgen um die Vereinbarkeit von Familie und Studium machen. Andererseits fehlt mir die Möglichkeit, meine Kommilitonen vor dem Studienabschluss nochmal wie früher zu treffen. Auch in der Bibliothek eine Literaturrecherche für meine Bachelorarbeit zu machen, ist derzeit nicht möglich. Generell ist das digitale Semester eine wichtige organisatorische Lösung für mich, auch wenn es mich immer wieder daran erinnert, dass die Welt eine Krise erlebt.

Wie fällt Ihr Fazit nach den ersten Wochen Online-Lehre aus?

In meinem Fach läuft alles äußerst gelungen und gut organisiert. Mein ganz persönlicher Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Selbstdisziplin zum Lernen aufzubringen, und mit der verlockend großen Menge Freizeit bewusst umzugehen.

Sollte das nächste Semester wieder großteils normal verlaufen – was würden Sie gern aus diesem Semester dorthin mitnehmen?

Ich glaube, auf jeden Fall die Flexibilität mit der Online-Lehre. So haben Studierende etwa die Möglichkeit, die Vorlesung zu jeder Zeit von Zuhause zu schauen und bei Bedarf später zu wiederholen, was für die Klausurvorbereitung sehr nützlich sein kann. Außerdem beginnen die Studierenden in meinem Fach frühzeitig damit, neben dem Studium zu arbeiten. Dann schafft man es manchmal nicht, regelmäßig zum Zeitpunkt einer Veranstaltung in der Uni zu sein. In diesem Fall ist die Online-Lehre auch ein großer Schritt, um Studium sowie berufliches und privates Leben miteinander zu vereinbaren.

Und was auf keinen Fall?

Den Mangel an persönlichem Kontakt zu den Lehrenden und Kommilitonen. Ich finde die Flexibilität gut und wirklich sehr wichtig, aber ich würde das digitale Semester komplett ohne Präsenzlehre, so wie es jetzt läuft, nicht übernehmen. An einer Übungsgruppe teilnehmen, ins Labor gehen oder einfach eine Sprechstunde bei einem Professor besuchen zu können, ist meines Erachtens äußerst wichtig. Es lässt sich heutzutage vieles durch die soziale Medien und Videokonferenzen machen, aber man darf darüber das Bedürfnis zum Austausch und die sozialen Kontakten nicht vernachlässigen.

Wie wird ist in den kommenden Monaten für Sie weitergehen?

In den nächsten Monaten möchte ich meine Bachelorarbeit fertigschreiben und vor allem alles für das Ende meiner Elternzeit und des Studiums vorbereiten. Außerdem bin ich gespannt auf meine Rückkehr zum Max-Planck-Institut und mein Berufsleben nach dem Bachelor. Ich plane, eine Weile nicht weiterzustudieren und meine Berufserfahrung zu erweitern. Vor allem aber hoffe ich sehr, dass die Corona-Krise uns bald verlässt und wir alle wieder unsere Familien und Freunde treffen können.

 

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