Das Projekt RehaLeb

Rückenschmerz: Risikoprofile in der Standardrehabilitation bei konservativer Behandlung.

(Abgeschlossen)

Chronische Schmerzen sind häufig Ursache langfristiger Beeinträchtigungen in der Erwerbsfähigkeit sowie einer Erhöhung der Arbeitsunfähigkeitstage. Schmerzen und Skelettbeschwerden liegen an vorderer Stelle zu Fehlzeiten, Krankschreibungen und Frühberentungen. Die Kosten medizinischer Leistungen sowie dauerhafter oder vorübergehender Arbeitsausfälle werden in Deutschland auf rund 20-30 Mrd. € pro Jahr geschätzt. 2008 wurden allein für die Behandlung von Erkrankungen des Muskel-, Skelett- und Bindegewebes in Vorsorge- und Reha-Einrichtungen laut Bundesgesundheitsberichterstattung (Statistisches Bundesamt, 2010) insgesamt 2.2 Mrd. Euro ausgegeben. Ein wichtiges Ziel ist daher die Reduktion der Auftretenshäufigkeit oder Chronifizierung nach erstmaligem Krankheitseintritt.

Innerhalb dieses Projekts wurde untersucht, welche Risiko- und Schutzfaktoren bei Rückenschmerzpatienten das zukünftige Ausmaß der Beschwerden durch Schmerzen und des Schmerzerlebens beeinflussen können. Dazu wurden 160 Patienten aus zwei Rehabilitationsfachkliniken für Orthopädie in Interviews und anhand von Fragebögen zu zwei Messzeitpunkten innerhalb eines halben Jahres befragt und auch einem Teil der Teilnehmer Blut abgenommen. Es wurde eine Analyse der zum Eintritt in die Rehaklinik vorliegenden Risikofaktoren und deren prädiktive Kraft in der Vorhersage der Rückenbeschwerden bezogen auf ein halbes Jahr nach der Rehamaßnahme durchgeführt. Verschiedene Faktoren erwiesen sich als ausschlaggebend für die Entwicklung oder Prävention von Rückenschmerzen. Je höher der Stress, je körperlich belastender die Arbeit und je höher die Überzeugung, durch die Arbeit Schmerzen zu bekommen, desto höher war die Schmerzbeeinträchtigung der Probanden. Das Schmerzerleben stieg mit der Stärke der Belastung durch lebensverändernde Ereignisse, Stress, Depression, körperlich belastende Arbeit, Rauchen, Überengagement in der Arbeit und durch die Überzeugung, durch die Arbeit Schmerzen zu bekommen. Dahingegen wirkte sich ein hohes Einkommen, hohe wahrgenommene Belohnung im Arbeitsleben, guter Schlaf und gute emotionale Unterstützung durch das Umfeld positiv auf die Beeinträchtigung und das Schmerzerleben aus. Diese Ergebnisse unterstützen die These eines Kumulationsmodells zur Entstehung von chronischen Erkrankungen, wonach frühere Belastungen (Lebensereignisse) einen Einfluss auf den Verlauf von Erkrankungen im späteren Leben haben. Ein weiteres wichtiges Projektergebnis ist, dass sich Risiko- und Schutzfaktoren auch ausgleichen können und dass Risikofaktoren über die Lebensspanne nicht gleichermaßen schwerwiegend einzuschätzen sind, sondern es vielmehr Altersbereiche gibt, in denen ihr Auftreten problematischer einzuschätzen ist. So zeigte die eigene Einschätzung inwiefern die Arbeit wiederaufgenommen werden kann erst ab einem mittleren Lebensalter (40+) einen signifikanten Einfluss auf das zukünftige Schmerzerleben.

Neben der Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren sowie kritischen Altersbereichen wurde in dem Projekt auch eine Rohversion für ein kurzes Screeninginventar entwickelt, das final 4 biologische und 22 Items zur Prädiktion der Stärke der Beeinträchtigung durch Schmerzen enthält. Das Tool könnte sowohl für die Anwendung in der schmerztherapeutischen als auch medizinischen Praxis für die Einstufung von Patienten und eine stark individualisierbare Therapie interessant sein. Dies soll in weiteren Studien überprüft werden.

Finanzierung:DRV Berlin-Brandenburg

Laufzeit: 2012-2014

Kooperationspartner:

  • Median Klinik Hoppegarten
  • Median Klinik Kladow