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Klimabilder

Eine Typologie der Visualisierung des Klimas und seiner Wandlungen seit 1800. Forschungsprojekt am Institut für Künste und Medien im Rahmen eines Dilthey-Fellowships (Birgit Schneider)

Der Klimawandel stellt eine zentrale Herausforderung für die öffentliche Kommunikation auf allen Ebenen dar. Das Themenfeld ist in seinen wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden einerseits höchst komplex, global und abstrakt. Gleichzeitig ist es von höchster gesellschaftspolitischer Bedeutung, denn die Erwärmung der Erde verändert die Welt, wie wir sie kannten in vielerlei Hinsicht und für jeden Einzelnen auf unterschiedliche Art und Weise.

Wissenschaftsinstitutionen der Klimaforschung, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, Bildungsträger wie Schulen oder Museen, Presseagenturen und Agenturdienstleister stehen vor der Aufgabe, die komplexen wissenschaftlichen Zusammenhänge einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen ohne diese zu überfordern. Die unterschiedlichen Akteure suchen nach Wegen, wissenschaftliche Begründungen sowie ihre möglichen Konsequenzen plastisch und überzeugend, aber auch so konkret wie möglich zu vermitteln. Gestalterische Akteure experimentieren hierzu mit einer Vielzahl verschiedener Formate und Medien wie Datenvisualisierungen, Photos, Filme, Installationen und interaktive Medien. Die visuellen Medien sind hierbei eine Form, auf die in dem Bereich besonders große Erwartungen gesetzt werden. Es sind diese Themenkomplexe, mit denen sich das Forschungsprojekt "Klimabilder" aus einer Perspektive der Medien- und Bildwissenschaften befasst.

Denn Bilder des Klimas stellen einen kulturellen Faktor ersten Ranges dar, gleichzeitig wurden sie bislang aber an keinem Ort gesammelt, geschweige denn historisch eingeordnet und analysiert. Aus diesem Grund hatte sich Birgit Schneider bereits bei der Beantragung des Dilthey-Fellows 2009 entschieden, eine umfassende Bilddatenbank, die Klimathek, zum Thema anzulegen. Der Zweck dieser gezielten und kontinuierlichen Sammeltätigkeit besteht seither darin, die Bilder im interdisziplinären Kontext hinsichtlich ihrer visuellen Formen und ihrer Analysekraft sowie ihrer Überzeugungsstrategien in der Breite zu untersuchen. Neben zahlreichen Aufsätzen auf Deutsch und Englisch gibt es inzwischen die Monografie "Klimabilder", die die Forschungen der letzten Jahre zusammenfasst.

Das Forschungsvorhaben ist am Institut für Kunst und Medien in Potsdam institutionell angesiedelt. Gefördert wird das Forschungsprojekt seit dem Jahr 2009 von der Fritz-Thyssen-Stiftung. Zudem wird das Projekt durch das ebenfalls in Potsdam ansässige Institut für Klimafolgenforschung (PIK) das Projekt inhaltlich unterstützt.

Eine methodische Erweiterung erfährt das Forschungsprojekt seit 2017 durch das geförderte Forschungsprojekt „Digitale Analyse vernetzter (Klima)Bilder“, gemeinsam mit PIK und dem Interaction Design Lab der Fachhochschule Potsdam. Die Verankerung in den Geistes- und Naturwissenschaften sowie im Interface Design trägt dem Disziplinen überschreitenden Charakter des Vorhabens Rechnung, welches in Potsdam zudem an einem wichtigen historischen und aktuellen Ort der Beobachtung und Modellbildung zu Klimafragen aufgestellt ist.

Humboldt Bonpland Geographie der Pflanzen in den tropischen Ländern, 1807 / Weltklimarat IPCC Scheme of observed variations, 2001

Humboldt/Bonpland: Geographie der Pflanzen in den tropischen Ländern, 1807; Weltklimarat IPCC: Scheme of observed variations oft he hydrological and storm-related indicators, 2001. Quelle: Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz; IPCC.

Bücher, Artikel zum Thema (Auswahl)

 

Klimabilder. Eine Genealogie globaler Bildpolitiken von Klima und Klimawandel, Birgit Schneider (2018)

Berlin: Matthes & Seitz, Juli 2018 (464 Seiten, 100 Abbildungen)

„Unsere Vorstellungen von Klima und Klimawandel stammen aus Bildern – Bildern, mit denen Wissenschaften ihre Erkenntnisse sichtbar machen. Diese Bilder müssen gedeutet und kritisiert werden, um ihre Aussagekraft und Intentionen offenzulegen. Genau dies unternimmt Birgit Schneider in dieser politisch brisanten medienkritischen Untersuchung, die sie ausgehend von Alexander von Humboldts Wetterwissen zum heutigen Begriff des Klimas führt. Sie untersucht, wie die mit wissenschaftlichen Methoden erhobenen Daten um ihrer Operationalisierbarkeit willen vor allem in Kurven-Grafiken visuell aufbereitet werden. Die Kenntnis dieser und anderer Darstellungsmittel ist nicht zuletzt wichtig, um die Argumentationen derjenigen zu entkräften, die Klimawandel vorsätzlich und fälschlich noch immer als »offene Frage« inszenieren.“ (Klappentext)

Sachbuch-Bestenliste September 2018 von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT

»Mit ihrem Buch ist Birgit Schneider ein glänzender kulturwissenschaftlicher Beitrag zur aktuellen Klimadebatte gelungen, der zugleich Aufklärung in der einzig sinnvollen Weise bietet, indem nicht nur Kriterien für die Unterscheidung von Vernunft und Obskurantismus an die Hand gegeben werden, sondern auch die Vernunft über ihre eigenen Bedingungen und Konsequenzen aufgeklärt wird.«
– Michael Hagner, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Foto: Birgit Schneider
Twitternde Kiefer im Waldlabor Britz mit WLAN-Anschluss.

Neue Formen der Klimakrisenwahrnehmung? Sprechende Bäume im Netz der Dritten Natur

Der Körper einer Kiefer im Forschungswald des Thynen Instituts wird medial abgetastet, um spürbar zu machen, was aufgrund medialer Einrüstung nicht mehr spürbar ist. Der Artikel hinterfragt die Hoffnung oder Sehnsucht, durch einen Anschluss an eine Baum-App einen neuen Zugang zu den Urmythologien der Bäume zu legen, also ein neues Narrativ zu finden, das Menschen erfahren lässt, was die Störungen des Klimawandels kulturell bedeuten werden.

In: Dritte Natur. Technik Kapital Umwelt, No. 1, Sommer 2018, Matthes & Seitz, Berlin.

Foto: Birgit Schneider
Twitternde Kiefer im Waldlabor Britz mit WLAN-Anschluss.
Bild: Collage von Birgit Schneider
Atmosphären im Computerspiel. Collage aus dem Spiel Zelda und dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich.

Klima – Spiel – Welten. Eine medienästhetische Untersuchung der Darstellung und Funktion von Klima im Computerspiel, Sebastian Möring, Birgit Schneider (2018)

In Anbetracht einer verstärkten Beschäftigung mit Computerspielen aus der Perspektive des Ecocriticism („Green Game Studies“), bietet der Artikel ein kritisches Analyseschema zur Repräsentation und Wahrnehmung von Klima und Wetter in Computerspielen an. Der Artikel baut hierzu auf einer medienästhetischen und medienökologischen sowie einer existenzial-ludologischen Perspektive auf; verbunden werden die methodischen Zugänge mit Begriffen der Klimatologie. Durch den Methodenmix können die Autor_innen Vorschläge machen, wie durch einen Blick auf das Klima als Akteur im Spiel für die Computerspielforschung neue Analyseebenen in verschiedenen populären Computerspielen gewonnen werden. Erprobt wird das Betrachtungsschema an Spielen wie No Man’s Sky, Zelda: Breath of the Wild, das Artgame Walden und die Serious Games Block’hood und Stadtklima Architekt.

Bild: Collage von Birgit Schneider
Atmosphären im Computerspiel. Collage aus dem Spiel Zelda und dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich.

The feeling of red and blue – a constructive critique of color mapping in visual climate change communication, Birgit Schneider, Thomas Nocke (2018)

This article is guided by the thesis that color is both – a rational way to structure and encode data visually, and a place where emotions like concern, fear and alarm can connect – and thus cultural readings can start from. This becomes particularly clear in visual climate communication where the colors blue and red are used in global future temperature maps and scenario graphs. Here, red colors are used to mark maximum values, temperature increases, great risk, anomalies and worst case scenarios like the RCP8.5 scenario, whereas blue colors denote cold temperatures but also illustrate best case scenarios. Testing six different color schemes the authors investigated how the perception, emotional reaction and understanding is altered if the scheme employing blue, bright red and purple is replaced by other color schemes. Besides the original IPCC color scheme, the team tested blue-grey-black, green-purple and purple-green as well as less dazzling shades of red. With their study, the authors are able to indicate how the understanding and credibility of climate change visualization is influenced by color, and how different color spectrums significantly change the emotional and associative reaction of the visualization in relation to the recipient group. The outcome of the research provides a guidance to estimate the impact of color in respect to the aim of visually communicating the risks of climate change and convincing different recipient groups about the gravity of the issue. Published in: Handbook of Climate Change Communication, Springer, 2018


Burning worlds of cartography: a critical approach to climate cosmograms of the Anthropocene, Birgit Schneider (2016)

Climate science today makes use of a variety of red globes to explore and communicate findings. These transform the iconography which informs this image: the idealised, even mythical vision of the blue, vulnerable and perfect marble is impaired by the application of the colours yellow and red. Since only predictions that employ a lot of red seem to exist, spectators are confronted with the message that the future Earth that might turn out as envisaged here is undesirable. Here intuitively powerful narrations of the end of the world may connect. By employing methods of art history and visual analysis, and building on examples from current Intergovernmental Panel on Climate Change reports and future scenario maps, this article explores how burning world images bear intentionally or not elements of horror and shock. My question explored here is as follows: should burning worldimages be understood as a new and powerful cosmology?

Image Politics of Climate Change. Visualizations, Imaginations, Documentations, Birgit Schneider / Thomas Nocke (eds.) (2014)

 

Scientific research on climate change has given rise to a variety of images picturing climate change. These range from colorful expert graphics, model visualizations, photographs of extreme weather events like floods, droughts or melting ice, symbols like polar bears, to animated and interactive visualizations. Climate change graphics have not only increased knowledge about the subject, they have begun to influence popular awareness of global weather events. The status of climate pictures today is particularly crucial, as global climate change as a long-term process cannot be seen. When images are widely distributed, they are able to shape how the world is thought about and seen. It is this implicit basic assumption of the power of images to influence reality that this book addresses: today's images might become the blueprint for tomorrow's realities. „Image Politics of Climate Change“ combines a wide interdisciplinary range of perspectives and questions, treated here in sixteen interdisciplinary case studies. The author's specializations include both visual practice and theory: in the fields of climate sciences, computer graphics, art, curating, art history and visual studies, communication and cultural science, environmental and science & technology studies. The close interlinking of these viewpoints promotes in-depth insights into issues of production and analysis of climate visualization.