Dr. Walter Düsing, fluxtec

Walter Düsing auf einem Feld während einer Messkampagne in Tschechien
Foto: Walter Düsing

Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?

Ich arbeite als Datenanalyst und App Devoloper für das Spinn-off Programm fluxtec eng mit Anna Jentsch und Egbert Jolie, am GeoforschungsZentrum (GFZ) in Potsdam zusammen. Fluxtec ist auf Exploration für geothermische Reservoire spezialisiert, sowie die kontinuierliche Überwachung durch Bodengasmessungen. Im Rahmen eines Spinn-off Programms werden am GFZ innerhalb von verschiedenen Finanzierungsrunden Gelder für innovative Geschäftsideen vergeben, die es ermöglichen sollen, aus der Forschung als Gründer in die freie Wirtschaft zu wechseln.

Welches waren deine vorherigen beruflichen Stationen?

Ich habe zuvor an der Uni Potsdam promoviert und hatte eine Stelle als wissensschaftlicher Mitarbeiter. Zwischen meinem Master und der Promotion habe ich ein Praktikum am Geophysikalischen Institut in San Juan, Argentinien, absolviert. Nach längerer Selbstfindungsphase in Süd Amerika, habe ich einen Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter für ein paar Monate am GFZ bekommen, der mich im Rahmen einer aufwendigen Feldarbeitskampagne nach Argentinien brachte.

Wie bist du zu deinem jetzigen Job gekommen?

In das Projekt bin ich zunächst über ein Zeitreihenanalyse-Problem meiner Kommilitonin und Freundin Anna Jentsch gekommen, die wie ich 2020 noch an der Universität Potsdam promovierte, allerdings nicht zum Thema Paläoklimadynamik, wie ich, sondern zum Thema Exploration in der Geothermie. Sie bat mich damals, ihr bei der Auswertung einer Zeitreihe, die stündliche Gasmessungen eines Geothermischen Reservoir beinhalteten, zu helfen. Die Zusammenarbeit entwickelte sich gut und mündete letztendlich in einer interessanten Publikation. Als fluxtec eine weitere Finanzierungsrunde des GFZ Spinn-off Programms gewann, fragte Anna mich, ob ich mir vorstellen könnte, ein Programm zur Visualisierung und Auswertung von Messdaten schreiben zu können, welches dem fluxtec Team Egbert Jolie und Anna Jentsch bei der Feldarbeit erheblich die Arbeit erleichtern sollte. Als wir auch dieses Projekt, welches zunächst nur auf drei Monate und einer halben Stelle angelegt war, gemeinsam erfolgreich begingen, war klar, dass ich bei der nächsten Finanzierungsrunde eine volle Stelle bekommen werde, und so kam es dann auch.

Was hat dich da an dem Job gereizt?

Der Job hat mich gereizt, da er für mich die folgenden Elemente enthält, die - wie ich gelernt habe - für mich wichtig sind, um in einem Beruf langfristig erfolgreich und glücklich zu sein:

  1. Ein Beruf, der die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft unterstützt
  2. Ein Team, dass mir vertraut
  3. Die Möglichkeit, Neues zu lernen und mich weiter zu entwickeln
  4. Teil eines Start-ups zu sein.
  5. Ein Beruf, der es mir ermöglicht, die Welt zu bereisen.  

Welche sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?

Ich glaube man braucht vor allem Durchhaltevermögen und die Fähigkeit jetzt vor allem in der Anfangsphase auf sich aufmerksam zu machen, auf potentielle Kunden zuzugehen. In meinem speziellen Fall muss man auch Spaß am Programmieren haben.

Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?

Es gibt eigentlich keine typische Arbeitswoche. Ich organisiere mich komplett selber. In der Regel gibt es einmal die Woche ein Team-Meeting, bei dem wir alles Neue besprechen und man kurz erzählt, wo man gerade dran sitzt. Ich beschäftige mich viel damit, neue Programmiersprachen zu lernen. Ich schreibe Algorithmen, die die Datenauswertung vereinfachen sollen. Wenn wir einen Explorationsjob haben, sieht ein Arbeitstag natürlich ganz anders aus. Exploration kann überall auf der Welt stattfinden, aber auch innerhalb von Europa oder sogar Deutschland. Man kann dann wochenlang in ziemlich einsamen Gebieten unterwegs sein. Einmal im Explorationsgebiet angekommen sind wir in der Regel von morgens bis abends damit beschäftigt zu messen, was auch mal eintönig sein kann. Aber draußen zu sein, an der frischen Luft, macht es dann eigentlich alles wieder wett!

Was gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?

Mir gefällt, dass man viel rum kommt, die Welt sieht. Außerdem kann ich meinen Job - wenn wir nicht gerade auf Exploration sind - von überall aus machen. Man ist also nicht unbedingt ortsgebunden. Weil wir noch nicht so viele Explorationen gemacht haben, kann ich es noch nicht so genau sagen, aber ich glaube, wenn man dann sehr viel unterwegs ist, kann das sicherlich auch mal zu viel werden.

Wie viel von dem erlernten Wissen aus deinem Studium brauchst du in deinem Job?

Das hört sich vielleicht unglaubwürdig an, aber man braucht so gut wie alles immer wieder. Es ist gut, eine breite Ausbildung in den Geowissenschaften zu haben. Ich persönlich halte nicht viel davon, sich früh zu spezialisieren, um sich dann in einem Fachbereich sehr gut auszukennen. Wenn man als Geowissenschaftler arbeitet, braucht man meiner Meinung nach, ein sehr umfangreiches Wissen über alle Teildisziplinen. Das bedeutet natürlich nicht, dass man wie ein Lexikon alles Wissen ständig abrufbar haben muss, aber man sollte eben schon mal dieses Wissen angewandt haben, oder zumindest davon gehört haben, dann ist man in der Lage, Zusammenhänge zu knüpfen und tatsächlich bessere geowissenschaftliche Hypothesen zu entwickeln. Im Studium habe ich mich immer darauf konzentriert, von allem etwas mitzunehmen. Obwohl ich auch Datenanalyse gemieden habe, was allerdings während der Promotion ausführlich nachgeholt wurde.

Wie denkst du rückblickend über dein Geowissenschaftenstudium an der Uni Potsdam?

Das Master-Studium an der Universität Potsdam hat mich inspiriert und mir immer wieder neue interessante Türen geöffnet. Das Institut ist sehr gut ausgestattet und bietet optimale Vorrausetzungen, in verschiedenste Teilbereiche der Geowissenschaften einzutauchen. Die Dozenten sind sehr hilfsbereit und verfügen über ausgezeichnete Netzwerke zu den außeruniversitären Forschungsinstituten in Potsdam, wie z. B. dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), oder dem Deutschen  GeoForschungsZentrum (GFZ). Die relative Abgeschiedenheit des Instituts ist natürlich etwas ungünstig, vor allem wenn man nicht so gerne früh aufsteht, aber ist man einmal dort, bietet der Campus alles, was man als Student braucht, eine Bibliothek und eine Mensa, sowie Sportmöglichkeiten.

Hast du Tipps für unsere Absolvent*innen für einen erfolgreichen Berufseinstieg?

Nach dem Master-Studium haben sich für mich nicht sofort die tollsten Jobmöglichkeiten ergeben, was zunächst frustrierend war. Geowissenschaften ist eben ein Studium, welches nicht gleich ein fertiges Berufsbild mitliefert, wie vielleicht Jura oder Medizin. Den richtigen Job zu finden, kann etwas dauern. Man sollte aber nicht aufgeben und falls sich die Gelegenheit ergibt zu promovieren, kann das den Methodenbaukasten vielleicht um das entscheidende Werkzeug erweitern.

Walter Düsing auf einem Feld während einer Messkampagne in Tschechien
Foto: Walter Düsing