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Zehn Fragen für ein Buch – Die relative Autonomie der Zentralbank

Dr. des. Ulaş Şener. Foto: C. Liebelt

Dr. Ulaş Şener. Foto: C. Liebelt

Zehn Fragen für ein Buch – gestellt an Dr. Ulaş Şener, Autor von „Die relative Autonomie der Zentralbank: Eine politökonomische Analyse der türkischen Geldpolitik nach 2001“. Universitätsverlag Potsdam, 2016. Die Dissertation von Ulaş Şener wurde mit dem Jörg-Huffschmid-Preis 2017 ausgezeichnet.

Was steht in Ihrem Buch – in drei Sätzen?

Mein Buch untersucht theoretische und empirische Fragestellungen zur Politik der Zentralbankunabhängigkeit, die ich anhand des Fallbeispiels der türkischen Geldpolitik diskutiere. Die Hauptthese lautet, dass die formelle Unabhängigkeit einer Zentralbank entgegen der gängigen Meinung keine Entpolitisierung der Geldpolitik bedeutet. Als Alternative schlage ich vor, den institutionellen Status der Zentralbank als einen der relativen Autonomie zu untersuchen.

Hat Ihr Buch eine Geschichte? (Wie ist es entstanden: aus einer Tagung, einem Projekt, einer Dissertation?)

Das Buch ist eine überarbeitete Fassung meiner Dissertationsarbeit, die ich letztes Jahr an der Universität Potsdam abgeschlossen habe.

Warum hat die Welt auf Ihr Buch gewartet bzw. warum ist es wie kein anderes?

Das Thema Zentralbankunabhängigkeit ist nicht neu. Seit langer Zeit ist man sich in der Mainstreamökonomik darüber einig, dass Zentralbanken unabhängig sein müssen. Über die genaue Bedeutung und Reichweite dieser Paradigmas herrschen aber unterschiedliche Auffassungen. Spätestens seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 hat diese Frage an politischer und ökonomischer Brisanz gewonnen. Die Reaktionen auf die Krise haben gezeigt, dass politisch mächtige Akteure prinzipiell immer Einfluss auf die Geldpolitik nehmen können, wenn es darauf ankommt. Gleichzeitig haben wir gesehen, wie Zentralbanken als politische Akteure auftreten können. Meine Studie zeigt: Es gibt keine entpolitisierbare Geldpolitik.

Sie veröffentlichen im Universitätsverlag Potsdam - und damit open access. Warum?

Ich bin kein Befürworter des Prinzips des privaten Besitzindividualismus in der wissenschaftlichen Forschung. Der Zugang zu Informationen und Erkenntnissen sollte so frei wie möglich sein. Aus meiner eigenen Erfahrung und Forschungstätigkeit heraus weiß ich, dass ein einfacher und schneller Zugang zur Literatur nicht nur Zeit spart, sondern auch Neugier und kritisches Wissen fördert und somit positiv zur Vertiefung von Kenntnissen beiträgt. Forschung bedeutet gleichzeitig aber auch Arbeit, und die kann nicht kostenlos daherkommen. Es müssen also Formen der kollektiven Finanzierung und Würdigung von Forschung entwickelt werden. Dass Studierende über Universitätsaccounts an Literatur - in diesem Fall auch meine Publikation - gelangen, ist für mich ein Beispiel dafür, wie ein solch kollektivierter Zugang zu Wissen funktionieren kann. Ich halte sehr viel davon, dieses Prinzip über die Universitäten hinaus auf die Gesellschaft auszuweiten.

Wer sollte Ihr Buch lesen - und wann?

Das Buch beschäftigt sich mit aktuellen Fragen und Problemen der politischen Ökonomie. Es ist deshalb in erster Linie für ÖkonomInnen und PolitikwissenschaftlerInnen interessant. Studierende der Wirtschafts- und Politikwissenschaften, die sich mit geld- und währungspolitischen Fragen beschäftigen und deren wissenschaftliche Neugier über Mainstreamtheorien hinausgeht, bietet es einen Einstieg in eine der wichtigsten Diskussionen rund um die Finanzkrisen der letzten Jahre. Ich habe das Buch so geschrieben, dass auch Fachlaien, die ein allgemeines Interesse an konkreten Fragen der politischen Ökonomie haben, darin nicht verloren gehen. Wer beispielsweise die Le Monde Diplomatique aufgrund ihres breiten Themenspektrums und heterodoxen Blicks zu schätzen weiß, den wird vielleicht auch mein Buch interessieren.

Was lesen Sie selbst?

Seit Fertigstellung meiner Dissertation und der Publikation lese ich neben der Fachliteratur zur Eurokrise und Finanzialisierung glücklicherweise zunehmend wieder mehr Romane. Das kam in den vergangenen Jahren deutlich zu kurz. Zuletzt habe ich die historischen Romane "Q" und "Altai" des Autorenkollektivs Luther Blissett/Wu Ming gelesen. Derzeit lese ich "Ruhm und Ruin" von Imran Ayata.

Was hat Spaß gemacht beim "Buchmachen" - und was eher nicht?

Die Publikation im Universitätsverlag war ein Vorteil. Ich konnte einfach Rücksprache halten und in verschiedenen Etappen der Druckvorbereitung immer schnell eingebunden werden. Das ist wichtig, weil im Endspurt sehr viele zu klärende Kleinigkeiten auftauchten, die man zunächst nicht so im Blick hat. Die MitarbeiterInnen des Universitätsverlags Potsdam machen eine exzellente Arbeit. Die positive Erfahrung geht so weit, dass ich Formallektorat und Fragen zum Layout nicht als Belastung empfand. Im Gegenteil: Der Endspurt war spannend und hat Spaß gemacht.

Auf einer Skala von 1 bis 10: wie gut ist Ihr Buch?

Ich bin mit dem Buch sehr zufrieden.

Wenn Sie könnten: Würden Sie sich für das Buch einen Preis verleihen - und wenn ja, welchen?

Es steht mir nicht an, darauf zu antworten. Breite Resonanz wünscht sich natürlich jede Autorin und jeder Autor.

Und nun noch 3 Sätze zu Ihnen ...

Ich lebe in Berlin und habe eine vierjährige Tochter. Mein Blick auf das Leben ist von vielen Orten geprägt. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen, in Istanbul aufs Gymnasium gegangen und habe in Frankfurt Volkswirtschaft, Politologie und Philosophie studiert. Seit 2009 arbeite ich an der Universität Potsdam am Lehrstuhl für internationale Wirtschaftsbeziehungen und entwickle derzeit ein neues Forschungsprojekt.

"Zehn Fragen für ein Buch" öffnet die Tür zum Potsdamer Universitätsverlag und stellt regelmäßig Neuerscheinungen vor. "Die relative Autonomie der Zentralbank: Eine politökonomische Analyse der türkischen Geldpolitik nach 2001" ist hier (http://verlag.ub.uni-potsdam.de/cgi-bin/publika/view.pl?id=891) online verfügbar. Weitere Neuerscheinungen aus dem Universitätsverlag hier (http://verlag.ub.uni-potsdam.de/aktuell.php).

Text/Fragen: Matthias Zimmermann
Online gestellt: Agnetha Lang
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde

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