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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Für mich stand schon zu Beginn des Masters fest, dass ich ein Auslandssemester absolvieren möchte, da ich auch schon im Bachelor im Ausland war und es mir gut gefallen hat (allerdings nicht mit Erasmus+, daher war der konkrete Ablauf für mich auch neu). Ich habe mich zuerst auf den Internetseiten des International Office (IO) der Uni Potsdam umgeschaut und dann im November in der International Week des IO weiter informiert. Die Bewerbungsfrist für Erasmus+ ist Ende Januar für das nächste akademische Jahr, sodass man sich im Master wirklich direkt im 1. Semester damit auseinandersetzen muss, wenn man im 3. oder 4. Semester ins Ausland möchte. Über die Bewerbungsunterlagen wurde ich in der International Week gut informiert, vor allem auch, worauf man beim Motivationsschreiben achten sollte. Ich kann daher nur empfehlen, daran teilzunehmen! Zu den Bewerbungsunterlagen zählten außerdem noch ein Bewerbungsformular, Nachweis über ehrenamtliches Engagement (wenn vorhanden) und ein Sprachnachweis für Englisch (Niederländisch ist nicht erforderlich).


Studienfach: Wirtschaftsinformatik und Digitale Transformation (M.Sc.)

Aufenthaltsdauer: 09/2021 - 02/22

Gastuniversität: Universiteit Gent

Gastland: Belgien

Man konnte drei Wünsche angeben für das Auslandssemester und Mitte Februar habe ich dann schon die Zusage für meinen Erstwunsch Gent bekommen. Als nächstes muss man eine Annahmeerklärung ausfüllen, wird von der UP an der Gastuni nominiert und dann hat sich die Universiteit Gent auch direkt bei mir gemeldet und mich über weitere Schritte informiert. Im März fand noch eine weitere Infoveranstaltung des IO statt, zu der man auch per Mail eingeladen wird. Beim IO habe ich mich vor allem auf dieser Seite informiert: www.uni-potsdam.de/de/international/outgoing/studium/erasmus/schritte und bei der UGent im Bewerbungsprozess hier: www.ugent.be/eb/en/exchange-students/prospect-incoming-exchange-students.htm und sobald alles fix war hier: www.ugent.be/eb/en/exchange-students/incoming-exchange-students/selected-incoming-exchange-students. Insgesamt kann ich sagen, dass man sowohl von der UP als auch der UGent gut durch den Prozess geleitet wird. Wenn man sich die Emails durchliest, kann nichts schiefgehen und ansonsten sind auch die Ansprechpartner:innen auf beiden Seiten sehr nett und antworten schnell!

Studium an der Gastuniversität

Ich habe mich für die UGent vor allem wegen der Stadt und des Landes entschieden, und weil das Kursangebot interessant war. Erst später wurde mir bewusst, dass das Niveau der UGent als anspruchsvoll gilt und sehr gute Noten nicht leicht zu erreichen sind. Ich würde aber sagen, dass man sich davon nicht abhalten lassen sollte. Es kommt wie immer auf die/den Dozierenden an und ist auf jeden Fall machbar! Zum Ablauf ist es so, dass man anfangs das Learning Agreement BEFORE the mobility ausfüllt, in welchem man die Kurse angibt, die man belegen möchte. Jedoch wird der tatsächliche Stundenplan erst zu Beginn des Semesters veröffentlicht, wodurch sich viele Überschneidungen von Kursen ergeben. Das ist aber bei allen so und dadurch bekannt und man hat die ersten zwei Wochen Zeit, verschiedene Kurse zu besuchen und sich dann auf die endgültige Kurswahl im Learning Agreement DURING the mobility festzulegen. Wie genau das funktioniert, wird in Emails erklärt und ist auch auf oben erwähnter Seite zu den Selected incoming exchange students nachzulesen. Die meisten Lehrveranstaltungen sind größere Kurse, mit daher wenig mündlicher Beteiligung und häufig muss eine Gruppenarbeit im Laufe des Semesters angefertigt und am Ende eine Klausur geschrieben werden. Die Anforderungen und Bewertung werden zu Anfang des Kurses klar kommuniziert. Die Kurse finden in der Regel einmal pro Woche statt und dauern drei Stunden, wobei zwischendurch nur eine kleine 10 Minuten Pause gemacht wird, was anfangs eine echte Umstellung ist. Ich habe die Kurse Enterprise Architecture, Project Management, Environmental and Energy Policy und Development Economics sowie Dutch for Exchange Students belegt. Ich kann grundsätzlich alle Kurse davon empfehlen, fand es aber schwierig, passende Wirtschaftsinformatikkurse zu finden. Das BWL/VWL-Angebot ist um einiges größer. Den Niederländisch-Kurs kann ich auch sehr empfehlen, da es einfach Spaß macht, die Sprache vor Ort genauer kennenzulernen und mit Deutsch im Hinterkopf wirklich nicht schwer ist. Der Kurs hat allerdings von 19-22 Uhr stattgefunden, was ich wirklich spät fand. Die Veranstaltungen laufen von Ende September bis Weihnachten und im Januar beginnt dann die Klausurenphase, die bis Anfang Februar dauert. Die UGent hat auch während Corona versucht, viel am Campus stattfinden zu lassen (je nach Lage mit Abstand und Masken) und meistens wurden die Vorlesungen auch aufgezeichnet und hochgeladen oder alternative Videos zur Verfügung gestellt. Auch Bibliotheken bzw. Räume zum Lernen gibt es reichlich, da die Universitätsgebäude über die ganze Stadt verteilt sind und es an jedem Standort Räume gibt. Besonders empfehlen kann ich den Raum im Campus Boekentoren und die Study area in der Stadtbibliothek De Krook.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Zu Beginn werden sowohl von der Fakultät, wie auch von VEK (die Verbindung der Fakultät) und von ESN (Erasmus Student Network) quasi täglich Veranstaltungen organisiert, sodass man ganz automatisch Leute kennenlernt, vor allem natürlich andere Erasmus-Studierende. Auch während des Semesters finden weiterhin Events statt, bspw. auch Ausflüge in andere belgische Städte oder wöchentliche Karaoke-Abende. Außerdem ist im Univiertel die Partymeile Overpoort auf der Overpoortstraat gelegen, auf der man v.a. unter der Woche jeden Tag feiern gehen kann, besonders viel ist am Donnerstag los. An Kontakt zu ausländischen Studierenden mangelt es also definitiv nicht! Es gibt auch sehr viele andere Deutsche vor Ort. Der Kontakt zu einheimischen Studierenden ist weniger selbstverständlich. Grundsätzlich wechseln alle schnell zu Englisch und sprechen es auch sehr gut. In Gruppenarbeiten in der Uni kann man belgische Studierende treffen und beim Feiern sind Belgier:innen auch kontaktfreudig. Die Mitglieder von ESN natürlich auch, aber insgesamt hatte ich am meisten Kontakt zu anderen Erasmus-Studierenden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor und nach dem Auslandsaufenthalt absolviert man online den obligatorischen OLS-Sprachtest, zu dem man per Mail eingeladen wird. Ich habe dort nach dem Auslandssemester besser abgeschnitten als vorher. Insgesamt habe ich mich aber auch schon vorher sicher im Englischen gefühlt, da ich schon im Bachelor ein Auslandssemester in Kanada absolviert habe. Trotzdem ist es natürlich hilfreich, die Sprache weiter anzuwenden und zu trainieren. Neu gewonnen habe ich außerdem die Niederländisch-Sprachkenntnisse, das ich allerdings außerhalb des Kurses kaum gesprochen habe, da alle gut Englisch sprechen können.

Wohn- und Lebenssituation

Wohnen

Die Suche nach einer Unterkunft hat sich bei mir sehr schwierig gestaltet. Ich kann euch wirklich nur raten, damit so früh es geht anzufangen! Ich habe mich wenige Tage nach der Zusage der UGent fürs Wohnheim beworben, aber bin dort auf der Warteliste gelandet, da es nicht ausreichend Plätze gibt. Außerdem gibt es verschiedene private Wohnheime, z.B. Xior (https://www.xior.be/nl/stad/gent) oder Upkot (https://upkot.be). Dort muss man aber auch schnell sein, denn Ende Juli waren diese auch schon komplett ausgebucht. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach einem WG-Zimmer gemacht. Es gibt dort keine vergleichbaren Seiten wie wggesucht.de, sondern die Suche spielt sich fast ausschließlich in verschiedenen Facebook-Gruppen ab (Facebook wird dort generell noch viel mehr genutzt als hier, z.B. auch zur Kommunikation in Gruppenarbeiten). Empfehlen kann ich folgende Gruppen: Samenhuizen/ Co-housing Gent, Te huur: Kot in Gent, Rooms in Ghent for erasmus students. Es sind jedoch viele Betrüger unterwegs, also sollte man nichts für ein Zimmer bezahlen, das man noch nicht besichtigt hat! Ich habe Anfang August intensiv angefangen, in diesen Gruppen zu suchen, für ein Zimmer ab Ende September/Anfang Oktober und war schon spät dran. Letztlich war ich dort nicht erfolgreich und habe mein Zimmer stattdessen über eine Liste des Housing Office der UGent gefunden, die man auf Anfrage erhalten kann. Anfang September hatte ich dann nach mehrfachem Kontaktieren einiger Leute auf dieser Liste eine Zusage für ein Zimmer, in einem Haus im Stadtteil Brugse Poort mit einer belgischen Frau Ende vierzig und einer weiteren Erasmus-Studentin. Die Zimmerknappheit war in diesem Jahr aber wohl schlimmer als sonst, also hoffentlich habt ihr früher Glück als ich!

Lebenshaltungskosten

Für mein Zimmer habe ich 300€ bezahlt, was eher günstig war. Preise von 400-500€ sind häufiger. Lebensmittel sind etwas teuer als in Deutschland und vor allem die Preise beim Essen gehen und für Getränke beim Ausgehen sind höher. Ein Hauptgericht kostet ca. 15-20€ und ein großes Bier kann schon mal 8€ kosten. Bei den Veranstaltungen von ESN gibt es aber häufig besondere Angebote. Es lohnt sich daher, die ESN Card einmalig für 15€ zu kaufen, durch die man viele Rabatte bekommt, auch bei Partnergeschäften und -restaurants.

Öffentliche Verkehrsmittel

Meine Lage war nicht sehr nah bei der Uni, aber da die Stadt nicht so groß ist, ist man mit dem Fahrrad überall recht schnell. Es wird sehr viel Fahrrad gefahren und die Innenstadt ist autofrei. Gut ausgebaute Fahrradwege gibt es daher überall und ich würde empfehlen, ein Fahrrad leihen (bei Swapfiets oder bei der Fietsambassade Gent). In Gent gibt es auch Busse und Straßenbahnen, die ich allerdings wenig genutzt habe und für die man auch kein Semesterticket wie an der UP bekommt. Ansonsten erreicht man alle belgischen Städte (z.B. Brügge, Brüssel, Antwerpen Kortrijk, Leuven) und auch die Küste (Oostende, De Haan) sehr gut und günstig mit Zügen und auch Ziele in Frankreich (Lille, Paris) und den Niederlanden. Teilweise bietet sich Flixbus mehr an, z.B. nach Amsterdam oder Paris. Es gibt definitiv viel zu sehen, die Lage von Gent ist wirklich super!

Bezahlung

Bezahlt wird am liebsten bargeldlos mit EC-Karte. Kreditkarten werden in Belgien häufig nicht genommen, aber mit meiner deutschen EC-Karte bin ich überall gut zurechtgekommen.

Krankenversicherung

Bezüglich der Krankenversicherung hatte ich noch eine spezielle Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, die ich aber nicht benötigt habe. Ich würde sagen, man kommt auch gut ohne aus. Auf den Einführungstagen der UGent wird geraten, sich bei einem belgischen Health Fond zu registrieren, weil dann die Kostenerstattung leichter ist, wenn man zum Arzt geht. Eine Vertreterin von Partena (heißt jetzt Helan) war vor Ort und dort habe ich mich dann auch registriert, was sich gelohnt hat! Man erhält dann auch eine belgische BIS-Nummer, die für Arztbesuche sehr hilfreich ist. Empfehlen kann ich auch den Medical Service der UGent, wo man sich sehr leicht online einen zeitnahen Termin buchen kann und die Ärztinnen dort sind auch sehr nett!

Studienfach: Wirtschaftsinformatik und Digitale Transformation (M.Sc.)

Aufenthaltsdauer: 09/2021 - 02/22

Gastuniversität: Universiteit Gent

Gastland: Belgien


Rückblick

Insgesamt hatte ich eine tolle Zeit in Gent, die natürlich durch Corona teilweise etwas eingeschränkt war. Die Stadt ist aber wirklich wunderschön, es macht Spaß Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen und Ausflüge zusammen zu unternehmen. Besonders cool fand ich am Anfang des Semesters das Student Kick-Off Festival, das gratis zum Semesterstart organisiert wurde. Auch immer ganz besonders war es, wenn sich im Winter mal die Sonne hat blicken lassen. Die Stadt hat auch eine wunderbare Größe, man findet sich schnell zurecht, es ist klein genug um zufällig mal Leute wiederzutreffen, aber groß genug um immer wieder verschiedene Orte auszuprobieren und kennenzulernen. Ich kann ein Auslandssemester in Gent definitiv weiterempfehlen!

Belgien

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