Auf den Spuren der Antike – Tag 3: Von Cagliari nach Sant’Antioco

Studien- und Forschungsreise nach Sardinien
Das Bild zeigt die Potsdamer Studierenden bei ihrem Besuch im archäologischen Park der antiken Stadt Nora. Vor ihnen steht ein Guide und erklärt etwas. Foto: Juliane Seip
Ruinenfeld im archäologischen Park der antiken Stadt Nora. Foto: Juliane Seip
Das Bild zeigt die Potsdamer Studierenden bei einer Wanderung auf dem meernahen Hügel südöstlich von Sarroch. Foto: Juliane Seip
Das Bild zeigt die Stadt Sant’Antioco auf Sardinien. Foto: Juliane Seip
Photo : Juliane Seip
Die Potsdamer Studierenden bei ihrem Besuch im archäologischen Park der antiken Stadt Nora.
Photo : Juliane Seip
Ruinenfeld im archäologischen Park der antiken Stadt Nora
Photo : Juliane Seip
Kleine Wanderung auf dem meernahen Hügel südöstlich von Sarroch
Photo : Juliane Seip
Sant’Antioco auf Sardinien

Mit vier voll bepackten Leihwagen geht unsere Exkursion weiter Richtung Sant’Antioco, einer vorgelagerten Insel bei Carbonia-Igelesias am südwestlichen Zipfel Sardiniens. Der Weg führt uns zunächst vorbei an zahlreichen Flamingos, die in den Teichen in der Nähe des Stadtzentrums von Cagliari ihre Nistplätze haben.
Etwa 30 Autominuten von Cagliari entfernt möchten wir die Nuraghe Sa Domu ’e s’Orku besichtigen. Touristisch ist die Ausgrabungsstätte noch nicht besonders erschlossen, daher schickt uns das Navigationssystem mehrmals im Kreis herum, bis wir endlich den Weg finden, der uns auf einem kleinen Trampelpfad, umsäumt von duftendem Ginster, den Hügel hinaufführt. Der Ausblick könnte schöner sein, schauen wir doch direkt auf ein großes Industriegebiet, das vom danebenliegenden Strand, den tobenden Wellen und der weißen Gischt ablenkt. Auch heute haben wir wieder Pech mit unserem Plan. Die Nuraghe Sa Domu ’e s’Orku wird restauriert und wir werden von den Baustellenarbeitern sehr energisch des Geländes verwiesen. Bei Nuraghen handelt es sich um stumpfkonische Turmbauten aus Feldblöcken. Es gibt sie in großer baulicher Vielfalt, ihr Zweck ist aber umstritten: Diskutiert wird eine Nutzung als Versammlungsort für öffentliche Aktivitäten, als Wohn- und Befestigungskomplex oder als religiöse Stätte. Der Name der Nuraghe bedeutet nämlich so viel wie „Haus des Orku“, worin eine Verbindung zu Orkus, dem Gott der Unterwelt, gesehen werden kann.
Es geht weiter Richtung Süden, zum archäologischen Park der antiken Stadt Nora. Diese im 9. Jahrhundert v. Chr. gegründete Stadt ist eine der ältesten auf Sardinien. Errichtet von den Phöniziern wurde sie später von den Puniern und Römern bewohnt. Unser Guide Andrea führt uns bei kaltem, stürmischem Wetter mit unglaublich ansteckender Begeisterung und Witz durch die Anlage. Aus der Zeit der Römer stammen die am besten erhaltenen Monumente, wozu auch vier verschiedene Thermen zählen. Noch heute lässt sich anhand der imposanten Reste erahnen, welchen Reichtum diese Stadt einst hatte. Auch können wir uns vorstellen, wie die Bewohner während ihres Wellness-Programms mit direktem Blick auf das Meer ihre Versammlungen abhielten. Das berühmteste Zeugnis in diesem Areal ist die Stele von Nora, die wir bereits gestern im Nationalmuseum von Cagliari anschauen konnten. Neben den vielen sichtbaren Überresten der Stadt bleibt heute jedoch ein großer Teil Noras und des Hafens unter der Wasseroberfläche verborgen.
Zufrieden und mit viel neuem Wissen ausgestattet ziehen wir weiter. Über eine Brücke gelangen wir auf die Insel Sant’Antioco, die seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bewohnt wurde. Mit dem Auto geht es zunächst die Serpentinen der Insel rauf und runter, bevor wir in der gleichnamigen Stadt Sant’Antioco, wo etwa 11.000 Menschen leben, in unsere neue Unterkunft einchecken. Nach einer kleinen Verschnaufpause laufen wir durch die Stadt, bis wir am archäologischen Museum und dem sogenannten Tophet ankommen, einer besonderen Art von phönizisch-punischem Heiligtum. Der Tophet von Sulky ist ein Ort, den die Legende mit Kinderopfern in Zusammenhang bringt. Lange Zeit hat man nämlichen der anti-karthagischen Stimmung der griechisch-römischen Quellen geglaubt, wonach die Karthager ihre Kinder – insbesondere Erstgeborene – Göttern geopfert haben. Die Wissenschaft hat diesen Glauben mittlerweile widerlegt, indem die Knochenreste analysiert wurden. Die Untersuchungen der mit Asche und Knochen gefüllten Urnen zeigten, dass sie von Föten oder Kinder stammten, die schon vor oder unmittelbar nach der Geburt sowie in den ersten beiden Lebensjahren verstorben waren. Damit war klar, dass es sich bei dem Tophet nicht um eine grausame Opferstätte, sondern um eine heilige Kinder-Bestattungsstätte handeln muss. Die heute noch sichtbaren Urnen auf dem Gelände sind allerdings Rekonstruktionen, die Originale schauen wir uns im Museum an.
Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu. Ein letzter Spaziergang führt am Hafen entlang, bevor wir den Abend bei Pizza, Wein und mit einem Mirto, dem bekannten sardischen Myrthenlikör, abschließen.