Aus der Forschung in die Praxis – FöWiTec unterstützt Transferprojekte

Prof. Dr. Amitabh Banerji präsentiert seine Lehr-Lernbox zu organischen LEDs und Solarzellen | Foto: Dr. Franziska Pruin
Prof. Mutti bei der Vergabe der FöWiTec-Förderungen. | Foto: Dr. Franziska Pruin
Die Lehr-Lernbox von Prof. Banerji | Foto: UP Transfer GmbH
Source: Dr. Franziska Pruin
Prof. Dr. Amitabh Banerji präsentiert seine Lehr-Lernbox zu organischen LEDs und Solarzellen
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Prof. Mutti bei der Vergabe der FöWiTec-Förderungen
Source: UP Transfer GmbH
Die Lehr-Lernbox von Prof. Banerji

Ein Experimentierkoffer für den Chemieunterricht, ein Test zur Früherkennung von Sprachentwicklungsstörungen und ein Sensor, der Ammonium in Klärwerksabwässern aufspürt: Das sind drei von insgesamt sieben Neuheiten, die jetzt mithilfe der UP Transfer GmbH in die Praxis überführt werden sollen. Anlässlich des 20-jährigen Firmenjubiläums ihrer Tochtergesellschaft hatte die Universität Potsdam insgesamt 100.000 Euro zur weiteren Förderung des Wissens- und Technologietransfers (FöWiTec) ausgelobt. Unterstützt werden längerfristige und nachhaltige Entwicklungen und innovative Weiterbildungen, die künftig möglichst in Kooperation mit der UP Transfer GmbH realisiert werden.

„Science in a Box“ ist ein Projekt des Chemiedidaktikers Prof. Dr. Amitabh Banerji, der innovative Lern- und Experimentiermaterialien für Schulen, Schülerlabore und naturwissenschaftliche Ausstellungen bereitstellen will. Einsatzbereit ist schon jetzt eine Lehr-Lernbox zu organischen LEDs und Solarzellen, für die jetzt eine Online-Marketing-Strategie und eine Plattform für den Direktvertrieb etabliert werden sollen. Um die Vermittlung des Lernstoffes zusätzlich zu erleichtern, können Lehrkräfte an Weiterbildungen teilnehmen.

Die Psychlinguistin Prof. Dr. Natalie Boll-Avetisyan arbeitet an einem Testsystem, mit dem bereits im ersten Lebensjahr bestimmt werden kann, ob ein Kind das Risiko einer Sprachentwicklungsstörung in sich trägt. Schätzungen zufolge leiden bis zu 19 Prozent aller Kinder an solchen Störungen: Sie sprechen weniger oder weniger verständlich, als es ihrem Alter angemessen wäre, haben Schwierigkeiten mit Satzstrukturen und besitzen einen viel kleineren Wortschatz als ihre Altersgenossen. Therapeutische Interventionen sind umso wirksamer, je jünger das Kind ist. Ziel des Projekts ist es deshalb, eine zuverlässige Testmethode zur Früherkennung zu entwickeln und patentieren zu lassen. Die Methode wäre einerseits leicht in die kinderärztliche U6-Untersuchung integrierbar, andererseits könnte sie für therapeutische Zwecke genutzt werden.

Gefördert wird auch die Entwicklung eines faseroptischen Sensors für die kontinuierliche ionenselektive Detektion von Ammonium in Klärwerksabwässern, eingereicht von der Materialwissenschaftlerin Dr. Claudia Pacholski. Aufgrund seiner Toxizität und hohen Löslichkeit gilt Ammoniak als der häufigste Schadstoff in Wasserströmen. Die Ammoniumionenkonzentration ist daher ein wichtiger Parameter für die Überwachung der Abwässer von Kläranlagen. Der neue faseroptische Sensor soll in Kooperation mit der BASF Schwarzheide GmbH entwickelt werden und letztendlich eine datengetriebene Modellierung und optimierte Steuerung einer industriellen Kläranlage ermöglichen.

Die Sport- und Gesundheitssoziologin Prof. Dr. Pia-Maria Wippert kann mit der FöWiTeC-Unterstützung eine innovative Weiterbildung für Psycho-, Ergo- und Physiotherapeuten zur Behandlung von Schmerzen vorbereiten. Die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung geplante neue Vereinbarung zur interdisziplinären schmerzmedizinischen Versorgung erfordert die kontinuierliche Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen in der Schmerztherapie. Bundesweit gibt es jedoch nur sehr wenige Angebote dafür. Mit diesem Projekt wird der aktuelle Zertifikatsstudiengang „Spezielle Schmerzpsychotherapie“ entsprechend der neuen Regelung ausgeweitet und ab 2021 von der UP Transfer GmbH angeboten.

Mit der „Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung“ befasst sich ein modularisiertes Training, das von Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Julia Fleischer entwickelt wird. Es richtet sich an Führungskräfte und Beschäftigte in Bund, Ländern und Gemeinden. Im Zuge der digitalen Transformation des öffentlichen Sektors werden etablierte Strukturen und Prozesse zum Teil grundlegend verändert. Auf die Bedarfe der öffentlichen Verwaltung abgestimmte Trainings sollen ein tieferes Verständnis für die technischen und organisatorischen Zusammenhänge dieser Entwicklungen schaffen und ihre erfolgreiche Umsetzung erleichtern.

Zur Nutzung in optischen Schnelltests für biologische oder medizinische Proben entwickelt der Physikochemiker Prof. Dr. Michael Kumke eine transportable, kostengünstige Miniatur-Ausleseeinheit auf Basis von NIR-Strahlung und Frequenz-aufkonvertierenden Nanopartikeln (UCNP). Die zu entwickelnde kostengünstige, tragbare Plattform wird die Vorteile von UCNP – große Stabilität und Skalierbarkeit sowie kein Ausbleichen und keine Toxizität –  und aktuelle Entwicklungen in der optischen Instrumentierung vereinen.

Die Geologen Prof. Dr. Maria Mutti und Dr. Gerd Winterleitner planen Kursmodule, in denen Konzepte und Arbeitsabläufe für die Vorhersage von Eigenschaften unterirdischer Lagerstätten vermittelt werden. Basis dieser Module sind Untergrund- und Reservoirmodelle, die als Lehr- und Forschungsmodelle angeboten werden sollen. Geologische 3D-Modelle bilden dabei die Grundlage zur Quantifizierung der Ressourcen und Speicherhorizonte und dienen als Basis für dynamische Simulationen des Strömungsverhaltens von Ölen, Gasen und thermischen Fluiden. Die Kurse sollen Unternehmen der Erdöl- und der Erdgasindustrie sowie der Geothermiebranche ansprechen.

Auch im kommenden Jahr sollen wieder anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit einem klaren Bezug zu wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Bedarfen gefördert werden. Die Universität stellt hierfür Mittel in Höhe von 50.000 Euro zur Verfügung. Bei der Realisierung der Ideen unterstützen die UP Transfer GmbH und Potsdam Transfer, die zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Potsdam für Gründung, Innovation, Wissens- und Technologietransfer.

Weitere Informationen zur Ausschreibung: https://www.uni-potsdam.de/de/potsdam-transfer/transferservice/foewitec