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Januar: „Begriff"

Ein Begriff ist eine semantische Deutungseinheit und damit Bestandteil einer gedanklichen Überlegung. Insofern unterscheidet er sich vom reinen Bezeichnen wahrgenommener Dinge oder Vorgänge, also dem Wort. Die wortgeschichtliche Verbindung mit dem Verb „begreifen“ verweist auf diesen, von sinnlicher Wahrnehmung von Objekten und Vorgängen abgeleiteten Prozess der Verallgemeinerung und Abstraktion einer Beobachtung. Der Bezug zum Bezeichneten ist daher ein übergeordneter; er resultiert aus Schlussfolgerung und Stellungnahme zu einem wahrgenommen Gegenstand oder Zusammenhang. Begriffe verdichten insofern die mehr oder weniger gemeinsam vereinbarten Vorstellungen einer Gesellschaft von Mensch und Welt. Im Rahmen der sich wandelnden Welt- und Menschenbilder werden die Inhalte und Kontexte von Begriffen verschoben. Daher ist es umso wichtiger ihren Ursprung, ihre Bildfelder und die Geschichte ihrer Anpassungen zu kennen, denn sie verdichten keineswegs objektive Gegebenheiten, sondern den mehr oder weniger akzeptierten Stand der jeweiligen Vorstellung gesellschaftlich konstruierter Wirklichkeiten.



(Prof. Dr. Eva Kimminich)