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Februar: „Populismus"

In den Sozialwissenschaften ist Populismus eine umstrittene Kategorie politischer Phänomene. Unabhängig davon, ob es sich um eine „dünne“ Ideologie oder um ein diskursives Mittel anderer Ideologien handelt, lässt sich als zentrales Element des modernen Populismus die vertikale, dichotome Trennung zwischen Volk (lat. populus) und Elite bzw. dem „Establishment“/„denen da oben“ feststellen. Diese identitätsstiftende Differenzierung bildet eine Schnittstelle mit verschwörungsideologischen Vorstellungen des Weltgeschehens. Auf der horizontalen Ebene erfolgen weitere Abgrenzungen zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Besonders im rechten Populismus wird auf diese Unterscheidung ein besonderer Stellenwert gelegt, da die Trennung des Fremden an die essentialistischen ideologischen Grundpfeiler anschließt. Die Fremden werden als wesenhaft verschieden verklärt. Individuen wären demnach maßgeblich und unveränderbar von vermeintlich natürlichen Eigenschaften, wie ihrer „Rasse“ oder Kultur, bestimmt, was eine Unmöglichkeit des Zusammenlebens unterschiedlicher „Rassen“ oder Kulturen zur Folge haben soll.

Moderner Populismus richtet sich gegen die negativen Seiten und Widersprüche sich modernisierender und moderner Gesellschaften. Anstatt eine Analyse der abstrakten Vermittlungsprozesse gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse vorzunehmen reduzieren Populistinnen und Populisten diese auf eine Identifikation vermeintlicher Schuldiger. Die Vorstellungen eines homogenen Volkes und „Volkswillens“ haben antipluralistische und antiliberale Gesellschaftsvorstellungen zur Folge: Den Individuen wird keine von der Mehrheit abweichende Position zugestanden. Die konkreten Ausformungen des Populismus sind abhängig von den historischen und gesellschaftlichen Umständen.

 

(Jan Rathje)