Unter dem Motto „Let’s Talk About Science in Class!“ besuchten Forschende und Studierende der Universität Potsdam weiterführende Schulen und Oberstufenzentren in Brandenburg, um Jugendlichen wissenschaftliche Themen praxisnah näherzubringen und sie dazu anzuregen, sich aktiv mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit Studierenden hatten die Forschenden dafür interaktive Workshops entwickelt. So diskutierte der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Bastian Halecker mit einer 10. Klasse der Torhorst-Gesamtschule Oranienburg über gesellschaftliche Verantwortung, unternehmerisches Denken und die Chancen sowie Herausforderungen neuer Technologien. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben – und was können wir heute dafür tun?
Bastian Halecker vermittelte nicht nur Wissen über technologische Entwicklungen und Künstliche Intelligenz, sondern machte vor allem Mut, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Angesichts der rasanten technologischen Entwicklung brauche es Neugier und AI Literacy – also die Fähigkeit, Künstliche Intelligenz kompetent und kritisch zu nutzen, so der Professor. Wer offen auf die Welt blicke, Fragen stelle, den Austausch mit anderen suche und bereit sei, ein Leben lang dazuzulernen, schafft die besten Voraussetzungen, an zukünftigen Entwicklungen mitzuwirken, gab er den Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg. Statt einer klassischen Vorlesung standen der Austausch, gemeinsame Reflexion und unterschiedliche Perspektiven im Mittelpunkt. Prof. Halecker nahm sich Zeit für die Fragen der Schülerinnen und Schüler und zeigte, dass Wissenschaft vom gegenseitigen Lernen und vom offenen Dialog lebt.
Der Staatswissenschaftler Dr. Christoph M. Abels und die Lehramtsstudentin Pia Lucas waren in Schulklassen am Hennigsdorfer Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum und an der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule Potsdam zu Gast. Sein Workshop „Demokratie verstehen. Mitreden. Mitgestalten.“ beschäftigte sich unter anderem mit der Frage, warum immer mehr Demokratien autokratische Züge annehmen. Nach einem Impulsvortrag zur Rolle von Normen und Normverletzungen für die Stabilität demokratischer Systeme nahmen die Schülerinnen und Schüler an einem Rollenspiel teil. Dabei wurden die Teilnehmenden mit zwei Szenarien konfrontiert, in denen fiktive Parteien nach und nach demokratische Normen verletzten und so die Demokratie destabilisierten. Die Schülerinnen und Schüler wählten dazu „Charaktere“ – etwa eine Journalistin, eine Influencerin oder einen Kirchenvertreter – und verfolgten anhand fiktiver Social-Media-Beiträge, an Zeitungsartikeln und aus Sicht ihres Charakters die Entwicklungen nach. So erlebten sie „live“ mit, wie sich die Situation zuspitzt und welche Folgen das für unterschiedliche gesellschaftliche Akteure hat.
Neben den Schulen in Hennigsdorf und Potsdam erhielt die Barbara-Zürner-Oberschule Velten Besuch von der Kulturwissenschaftlerin Rebecca Hoffmann und Studierenden des Studiengangs Angewandte Kulturwissenschaft und Kultursemiotik von Prof. Dr. Marie Schröer.
Der Workshop „Wir und Die: Populismus auseinandernehmen“ war als interaktive Schnitzeljagd konzipiert. Im Mittelpunkt standen die wesentlichen Strategien von Populismus als Kommunikationsform: starke Vereinfachungen, emotionale Zuspitzungen, Wir-/Sie-Unterscheidungen, Feindbilder oder das Zusammenspiel von Sprache, Bild und Gefühl. In Bewerbungsspielen, TikTok-Analysen, eigenem Content-Creating und Gruppendiskussionen konnten sich die Jugendlichen wichtigen Fragen nähern: Was kann der Begriff „Volk“ bedeuten und wie hängt er mit Gemeinschaft zusammen? Wie entsteht Personenkult? Und warum ist es einfacher, für Probleme Schuldige statt Lösungen zu finden? Der Workshop wurde von einem jungen studentischen Team durchgeführt und bot Raum, populistische Botschaften zu analysieren und Ambiguitätstoleranz zu erproben.
Weitere Informationen: https://www.uni-potsdam.de/de/potsdam-transfer