„Auch in Europa können wir die Freiheit der Wissenschaft weder als gegeben noch als unantastbar begreifen“ – Prof. Dr. Jürgen Mackert über die Philipp Schwartz-Initiative

Prof. Dr. Jürgen Mackert hat bereits mehrere Forschende aufgenommen, die als Fellow der Philipp Schwartz-Initiative nach Deutschland gekommen sind. | Foto: Karla Fritze
Quelle: Karla Fritze
Prof. Dr. Jürgen Mackert hat bereits mehrere Forschende aufgenommen, die als Fellow der Philipp Schwartz-Initiative nach Deutschland gekommen sind.

Seit 2015 besteht für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ihrer Heimat nicht mehr arbeiten können, weil sie bedroht oder verfolgt werden, die Möglichkeit, ihre Arbeit an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen fortzusetzen – mit einem Stipendium der Philipp Schwartz-Initiative, die vom Auswärtigen Amt und der Alexander von Humboldt-Stiftung ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile geht das Programm in die zehnte Runde. Der Soziologe Prof. Dr. Jürgen Mackert hat bereits mehrere PSI-Fellows als Mentor an der Universität Potsdam aufgenommen und betreut. Matthias Zimmermann sprach mit ihm über den Wert der Initiative, was sie für die Fellows leisten kann und was nicht, wie Forschende und Studierende der Uni Potsdam von ihnen profitieren – und warum die Wissenschaftsfreiheit mitnichten nur dort gefährdet, wo wir es gemeinhin vermuten.

Warum braucht es die Philipp Schwartz-Initiative (PSI)?

Ein inzwischen etabliertes und sehr gut funktionierendes Programm wie die Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung ist in den vergangenen Jahren zu einem unverzichtbaren Instrument der Unterstützung ausländischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geworden, die ins Fadenkreuz ihrer jeweiligen Herrschenden geraten sind. Sei es, weil sie an Themen arbeiten, die diesen ein Dorn im Auge sind, oder weil sie ihre Verantwortung ernst nehmen und sich zu gesellschaftlichen Missständen äußern. Kritik an den Zuständen, die aus der Wissenschaft heraus, ganz egal in welcher Art von Regime sie formuliert wird, ist nicht gern gesehen.

Man kann hier aber eine ganz prinzipielle Entwicklung sehen, auf die die PSI reagiert hat und die sehr deutlich macht, was der Wissenschaft relativ schnell passieren kann. Ob es die Verfolgung türkischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist, die gegen den Krieg der Türkei in Kurdistan aufbegehrt haben, oder die nur anscheinend so harmlosen Anfragen der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag nach den Lehrinhalten insbesondere der Geschlechterforschung – all das verdeutlicht eine Entwicklung, die die Wissenschaft ins Visier genommen hat und ihre Autonomie bekämpft, auch in vermeintlich liberal-demokratischen Gesellschaften. Man muss nicht immer nur die bereits bestehenden Extreme anschauen, sondern auch Entwicklungen in Ländern wie Österreich, Polen, Ungarn und anderen Mitgliedsländern der EU beobachten. Auch in Europa können wir die Freiheit der Wissenschaft weder als gegeben noch als unantastbar begreifen. Es kann schon nach den nächsten Landtagswahlen hier in Brandenburg viel ungemütlicher werden.

Ist die PSI der richtige Weg, die (Freiheit der) Wissenschaft zu schützen?

Wenn man die Frage so stellt, dann kann die Antwort nur notwendig ein klares Nein sein, denn das kann sie gar nicht leisten. Als ein Schutz- und Förderinstrument für eine Vielzahl verfolgter und bedrohter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dient es nicht nur dazu, ihnen eine Perspektive in der Wissenschaft offen zu halten oder auch wieder zu eröffnen, sondern auch dazu, viele von ihnen vor Repression, Inhaftierung oder Folter zu schützen. In diesem Sinne leistet die PSI einen herausragenden Beitrag dazu, die Betroffenen zu verteidigen, sie zu unterstützen und zu fördern. Und das ist sehr viel, wenn man sich die Bedrohung der geflüchteten Personen in ihren Heimatländern anschaut.

Wenn wir tatsächlich über den Schutz der Freiheit der Wissenschaft reden, dann geht es um ganz andere Probleme, die eine solche Initiative unmöglich bearbeiten, geschweige denn beheben kann. Dann geht es auch nicht nur um die Verfolgung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – was wir ja immer mit der Beeinträchtigung der Freiheit von Forschung assoziieren. Das erfolgt auch viel subtiler, denn es geht hier auch darum, wie Wissenschaft, die eigentlich an Neuem, Interessantem und damit auch Riskantem interessiert ist, zunehmend von neoliberalen Regulierungsinstrumenten, Kennziffern, Indexen etc. abhängig gemacht wird. So sehen die ganzen gepriesenen Forschungsinitiativen der EU, die dann auch noch unter dem Label „Horizon“ laufen, aus. Man fragt sich, was das für ein Horizont sein soll, in dem Denken normiert, begrenzt und eingeengt wird, bis die, die tatsächlich neue Ideen haben, einfach aussortiert sind. Schluss mit Wissenschaftsfreiheit. Die Betriebswirte und Controller der neoliberalen Rationalität diktieren, was interessant ist, nicht die Forschenden. Und in dieselbe Richtung geht es, wenn, wie etwa im Fall der Sozialanthropologie in Polen, Fächer einfach kaltgestellt werden, weil sie zum einen zu kritisch sind und sich mit Problemen wie Gender, Religion und Rassismus beschäftigen und damit dem linken politische Spektrum zugeordnet werden, und weil es eben zum anderen diese ganzen Kontrollinstrumente gibt, von denen sie erdrückt und marginalisiert werden – all das aber vermeintlich mithilfe ganz neutraler Instrumente im Sinne von Effizienz und Effektivität.

Aber auch was die Verfolgung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angeht, darf man nicht nur auf die Regime selbst schauen, sondern sollte zugleich fragen, wie sich etwa Deutschland oder die EU zu solchen Entwicklungen verhalten und inwiefern sie diese Regime unterstützen. Im Einzelnen geht es darum, wie man unterbindet, dass Forscherinnen und Forschern verboten wird, zu tun, was sie interessiert. Da möchte ich nur auf den auch bei uns stattfindenden Kulturkampf gegen die wichtigen Forschungen etwa zu Fragen der Geschlechterdiskriminierung, zu Rassismus und der postkolonialen Entzauberung und Offenlegung der fatalen dunklen Seiten der westlichen liberalen, jüdisch-christlichen Zivilisation hinweisen mit ihren kolonialen und siedlerkolonialen Verbrechen. Denken Sie nur an diese jämmerlichen Debatten um das Humboldtforum in Berlin und all das, was Raubkunst ist. Wie man sich da windet, seine Verbrechen einzugestehen und der Öffentlichkeit dann kleine Einigungen als großen Erfolg präsentiert. Ziemlich abstoßend.

Wir haben die Türkei mit Tausenden inhaftierten Studierenden und den verfolgten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch da sagt die EU nichts, weil sie ihren Flüchtlingsdeal nicht gefährden will. Und wir haben die militärischen Maßnahmen Israels gegen die Studierenden der palästinensischen Bir Zeit University, bei denen das israelische Militär auf dem Campus reihenweise Studierende verhaftet, mit den üblichen lächerlichen Beschuldigungen, sie seien Terroristen. Am 21. Mai berichtet das globale Netzwerk Scholars at Risk, dass israelisches Militär in den vergangenen Tagen alle sieben Universitäten im Gazastreifen angegriffen hat und diese geschlossen werden mussten. Ich habe dazu von keinem Mitglied unserer Bundesregierung, von unserem Außenminister oder einem normalen Abgeordneten auch nur ein Wort gehört. Davon wird hier nicht einmal berichtet. Die EU paktiert lieber mit solchen Regimen, überlässt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihrem Schicksal und ergeht sich in Sonntagsreden über die Wissenschaftsfreiheit. Überall dort geht es aber immer auch um die Zerstörung der Freiheit der Wissenschaften und die Vernichtung von Menschen. Und leider muss man sagen, dass weder Deutschland noch die EU hier auch nur annähernd versuchen, politisch tätig zu werden. Es wird vielmehr Rücksicht genommen und Toleranz gegenüber Regimes gezeigt, mit denen man eben kooperiert, und politische oder geopolitische Interessen verfolgt. Und dann zeigt sich schnell, dass die Freiheit der Wissenschaft auch für westliche Regimes nicht das höchste Gut ist, das es zu schützen gilt. Sicher, das Auswärtige Amt ist an der PSI-Initiative beteiligt und stellt Gelder zur Verfügung, und das ist ehrenwert, aber es darf sie nicht als Feigenblatt benutzen. Wenn man dort schon ständig selbstbeweihräuchernd von der menschenrechtsgeleiteten Außenpolitik redet, dann würde man gerne auch mal wissen, was das eigentlich heißen soll, gerade im Fall der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in den befreundeten Regimes.

Sie haben in den vergangenen Jahren etliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die PSI aufgenommen. Wie kam es dazu? Warum haben Sie sich entschieden, als Gastgeber für PSI-Fellows zu fungieren?

Mit dem ersten Kollegen, der als Philipp Schwartz-Stipendiat an meinem Lehrstuhl und am Centre for Citizenship, Social Pluralism and Religious Diversity gearbeitet hat, kam ich über einen Kollegen an der Freien Universität Berlin in Kontakt, der X kannte, weil er während seiner Promotion ein Jahr bei ihm gewesen war. Da der Kollege inzwischen emeritiert war, hat er X an mich verwiesen, weil das thematisch sehr gut gepasst hat. Von der PSI erfuhr ich damals direkt von der Alexander von Humboldt-Stiftung, weil X sich dort für ein PostDoc-Stipendium bewerben wollte; die Initiative war ganz neu, ich glaube die zweite Runde. Und dann war der Antrag glücklicherweise erfolgreich. Für mich selbst war das keine große Überlegung. Mit X, einem hervorragenden Wissenschaftler hatte ich Kontakt, ich wusste von seiner Gefährdung in der Türkei, und als dann dieses Förderinstrument dazu kam, ging es los. Das war überhaupt keine Frage.

Viele Fellows werden bedroht oder gar verfolgt und müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Wirkt sich das auf die Arbeit an Ihrer Professur aus?

Ja, sicher sind sie bedroht, und diese Bedrohung hört nicht unbedingt auf, wenn sie aus ihrem Land geflüchtet sind. Man muss nicht so naiv sein zu glauben, der türkische Geheimdienst wisse nicht, wer von den Dissidentinnen und Dissidenten an welcher Universität wo arbeitet. Die PSI-Fellows wissen selbstverständlich um diese Gefährdung, aber sie sind politisch wache Menschen und treffen entsprechende Vorsichtsmaßnahmen. Wir sind über mögliche derartige Beeinträchtigungen und Gefährdungen miteinander im Gespräch. Das ist ein Teil der Verantwortung, die man als Mentor selbstverständlich übernimmt. Was möglich ist und was nicht, wenn es etwa um Öffentlichkeit geht, ist häufig eine Frage der Abwägung, aber das entscheiden die Fellows natürlich selbst.
Auf die Arbeit an meiner Professur wirkt sich all das überhaupt nicht negativ aus; ganz im Gegenteil hat die Anwesenheit der Fellows durch und durch positive Effekte, denn nicht nur ich selbst, sondern auch alle Kolleginnen und Kollegen, die am Lehrstuhl und Centre arbeiten, lernen von ihnen enorm viel.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit PSI-Fellows?

Völlig unproblematisch, weil die Fellows intellektuell enorm anregende und politisch bewusste Menschen sind, die selbst eine klare Idee davon haben, was sie wollen. Wir haben es ja nicht mit Studierenden zu tun, die eine Art Anleitung benötigen, sondern mit PostDocs, die zum Teil selbst Assistant Professors waren oder kurz davor standen, Professuren zu bekommen. Ich empfinde ihre Projekte und ihr Engagement als großartige Bereicherung in Forschung, Lehre, Kolloquien, gemeinsamen Publikationen und gemeinsam organisierten Workshops, universitätsweiten Ringvorlesungen etwa zu „Global Riots“ im vergangenen Sommersemester mit knapp 100 Studierenden der UP. Durch die Fellows kommen neue Themen, Perspektiven und Fragen auf, durch die auch unterschiedliche wissenschaftliche Kulturen deutlich werden. Sie lehren auch freiwillig, und davon profitieren die Studierenden enorm, denn sie erfahren in diesen Veranstaltungen nicht nur Neues, sondern kommen mit hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Kontakt, die häufig eine sehr internationale wissenschaftliche Vita haben und die sie sonst nie erleben könnten. Ich würde sagen, dass wir alle von ihnen profitieren. Für Lehrstuhl und Centre ist das seit Jahren nicht nur in menschlicher, sondern auch in interdisziplinärer und interkultureller Hinsicht ein unschätzbarer Gewinn.

Wie können die PSI-Fellows langfristig profitieren? Wie geht es Ihrer Erfahrung nach für die PSI-Fellows nach dem Ende der Fellowships weiter?

Das ist sicher das große Problem, das nach der Förderung auftaucht. Drei Jahre sind nicht viel, um in ein neues System einzusteigen. Das benötigt Zeit, und man muss sich vor Augen führen, dass viele Geflüchtete traumatisiert sind und eine Zeit lang brauchen, um sich zurechtzufinden. Dazu gehört auch, dass man eine Wohnung finden muss, und das auf einem Markt, der schon extrem angespannt ist und auf dem bei Bewerbungen ein nicht deutsch klingender Name nicht gerade hilfreich ist. PSI-Fellows machen wie alle anderen Geflüchteten auch Erfahrungen mit rassistischen Strukturen und rassistischem Verhalten, sei es bei der Wohnungssuche oder wenn es um den Besuch auf Ämtern geht und einfach im Alltag.
Nach den drei Jahren Förderung durch die AvH gibt es dann Fellows, die auf andere Stipendien wechseln können, es gibt einige, die bereits in Berufungsverfahren für Professuren kommen und natürlich solche, die Deutschland wieder verlassen, denn das deutsche Wissenschaftssystem, insbesondere die Universität, ist ja kein sonderlich offenes – ganz im Gegenteil.

Woran liegt es, dass so viele Fellows bei Ihnen zu Gast waren? Ihrem persönlichen Engagement, Ihrem Fach, Ihren Beziehungen in Länder, aus denen viele Betroffene stammen?

Es ist schlicht so, dass viel mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Bedrohung und Verfolgung betroffen sind, als gemeinhin gedacht wird. Dass am Lehrstuhl und Centre PSI-Fellows aus der Türkei arbeiten, hat auch damit zu tun, dass es Netzwerke wie das der Academics for Peace gibt. Fellows wissen von Kolleginnen und Kollegen in der Türkei, bei denen sich die Situation zuspitzt. Wir reden über solche Fälle, und dadurch hat sich das einfach entwickelt. Ich denke, dass wir, auch aufgrund der PSI, in der Situation sind, recht einfach und schnell Bedingungen schaffen zu können, die geflüchteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zumindest eine dreijährige Option und gute Arbeitsbedingungen bietet. Hier eine Professur zu haben, ist in vieler Hinsicht ein enormes Privileg. Und ich glaube ganz prinzipiell, dass aus Privilegien Verantwortung entsteht – jenseits der ach so wichtigen persönlichen Karriere, irgendwelcher Indexe und Kennziffern. Ich kann in der Zeitung über die Situation von Kolleginnen und Kollegen in der Türkei lesen und das dann in liberaler Manier ganz schlimm finden, was es ja auch ist. Aber wenn ich es so schlimm finde, kann ich auch einen Antrag schreiben und versuchen, einigen wenigen Betroffenen zu helfen, der Inhaftierung oder Schlimmerem zu entgehen und eine Perspektive zu erhalten. Und wie gesagt, das ist keine Einbahnstraße. Es ist enorm bereichernd, man lernt und erfährt viel Neues, wenn man nur ein wenig über den Tellerrand hinausschauen will und auch an der Welt jenseits Deutschlands interessiert ist.

Wenden sich – aufgrund Ihrer Rolle als Gastgeber etlicher PSI-Fellows weitere hilfesuchende Forschende an Sie?

Ja sicher, das passiert hin und wieder, aber das ist keineswegs das Übliche. So etwas läuft über bestehende Netzwerke und Kontakte. Oder man schaut auf der Webseite von Scholars at Risk, ob es eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler gibt, die dringend Hilfe brauchen und eventuell vom Fach oder Profil her zum eigenen Lehrstuhl passen könnten.

Was tun Sie, wenn Anträge keinen Erfolg haben?

Da kann man dann leider gar nichts tun. Die Bewerbung um ein Philipp Schwartz-Stipendium ist hoch kompetitiv, und wenn ein Antrag keinen Erfolg hat, dann kann man es in der folgenden Runde nochmals versuchen. Man muss dann schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, die sechs Monate bis zur nächsten Ausschreibung zu überbrücken. Aber klar, das ist schwierig, denn in den Anträgen steckt viel Arbeit, und mit ihnen sind sehr große Hoffnungen auf eine Perspektive und persönliche Sicherheit verbunden. Weitere sechs Monate im Land bleiben zu müssen, kann sehr gefährlich sein.

Was könnte oder müsste die deutsche oder internationale Academia noch tun, um gefährdeten Forschenden zu helfen?

Ich schätze die Anstrengungen der Alexander von Humboldt-Stiftung ungemein, denn sie war ein großer und entscheidender erster Schritt hin zu einer Förderung bedrohter und verfolgter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Inzwischen ist sie etabliert und funktioniert ausgezeichnet auch in Zusammenhang mit Scholars at Risk. Zwar gibt es auch bei anderen Förderorganisationen Möglichkeiten, weitere Förderung zu beantragen, aber das ist, wenn ich es richtig sehe, sehr überschaubar und recht wenig engagiert; zum Teil werden PSI-Fellows als Antragsteller von Projekten explizit ausgeschlossen; wir haben das erlebt. Aber das ist zum Glück nicht die Regel.

Es ist vielleicht weniger die Academia selbst, die mehr tun müsste, denn die aufnehmenden Universitäten unterstützen die Anträge und schaffen einen institutionellen Rahmen, um PSI-Fellows aufzunehmen; das bedeutet sehr viel Arbeit. An der Universität Potsdam läuft das über das Welcome Center, an dem Frau Claudia Rößling für die PSI-Fellows alles koordiniert, und ihr ist es zu verdanken, dass es ein klares und überzeugendes Konzept der UP gibt, das auch ein entscheidendes Kriterium für eine erfolgreiche Bewerbung um ein Philipp Schwartz-Stipendium ist. Und darüber hinaus sind hier an der UP viele Mitarbeiterinnen in der Verwaltung und bis zum Vizepräsidenten für Internationales und Fundraising sehr unterstützend tätig.

Aber die Länder oder der Bund könnten deutlich mehr tun. Man könnte über spezielle Stellen, auch Professuren oder Forschungsprofessuren, für geflüchtete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachdenken, um den Gewinn, den PSI-Fellows für das deutsche Wissenschaftssystem darstellen, nicht nach drei Jahren einfach wieder zu verspielen.
Die drei Jahre Förderung der Fellows durch die PSI, die im dritten Jahr dann dankenswerterweise ja zur Hälfte von der aufnehmenden Institution übernommen wird, sind viel zu kurz, um davon ausgehen zu können, dass ein Verbleib oder eine Karriere im deutschen Universitätssystem die Regel sein könnten. Ich kann da natürlich nur für meinen Bereich sprechen. Vielleicht sieht das in den Naturwissenschaften ganz anders aus. Aber wir wissen, wie schwer die Situation im deutschen System für den Nachwuchs prinzipiell ist, dann kommen dazu eben weitere Hürden, wie jene, dass Fellows mit dem deutschen System unvertraut sind, sprachliche Hürden und die weiter bestehende Belastung durch die Situation aufgrund aufenthaltsrechtlicher Probleme etc. Man könnte sich schon einiges vorstellen, was das deutsche Wissenschaftssystem an den Hochschulen ein wenig diverser und damit auch interessanter machen würde.

Danke!