Jubiläumsfest wird nachgeholt – 70 Jahre Botanischer Garten in Potsdam

Der Paradiesgarten mit Stibadium im Frühling. | Foto: Kerstin Kläring
Quelle: Kerstin Kläring
Der Paradiesgarten mit Stibadium im Frühling.

Gerade hatte der Botanische Garten sein „Grünes Klassezimmer“ renoviert. Doch die Wiedereröffnung fiel dem aktuellen Kontaktverbot zum Opfer, genauso wie das lange geplante Jubiläumsfest. Fast unbemerkt ist der Botanische Garten der Universität Potsdam nun 70 Jahre alt geworden. „Die Feier werden wir nachholen“, verspricht Kustos Dr. Michael Burkart. Und dann ist auch die Ausstellung zur Geschichte der Gewächshäuser und Freiflächen zu sehen, ergänzt die Technische Leiterin, Kerstin Kläring. Noch bis zum Sommer müssen die Pflanzenhallen geschlossen bleiben. Der Paradiesgarten aber und das Freiland mit Arboretum, Farnquartier und Bauerngarten laden jederzeit zu einem Spaziergang inmitten der blühenden Botanik ein.

Der im Park Sanssouci gelegene Botanische Garten wurde 1950 als Teil der neuen Brandenburgischen Landeshochschule gegründet, der Vorgängerinstitution der Pädagogischen Hochschule und der Universität Potsdam. Er sollte der Forschung dienen, vor allem aber der Lehre und Ausbildung von Lehrkräften im Fach Biologie.

Anstelle einer Neugründung konnte das Gelände der vormaligen königlichen Gärtnerei an der Maulbeerallee genutzt werden. Bereits zwischen 1908 und 1912 war diese errichtet worden, einschließlich eines umfangreichen Komplexes von Gewächshäusern, deren Grundrisse im Wesentlichen bis heute fortbestehen. Das große Palmenhaus und das Victoriahaus, beide inzwischen denkmalgeschützt, sind Originalbauten aus dieser Zeit. Noch älter ist der Paradiesgarten nördlich der Maulbeerallee, der bereits um 1845 angelegt wurde. Als architektonischen Mittelpunkt entwarf Ludwig Persius nach Vorgaben Friedrich Wilhelms IV. ein Atrium in der Funktion eines Stibadiums, das der königlichen Erholung diente.

Die Gründung als Botanischer Garten und sein Aufbau in den 1950er Jahren sind vor allem der Energie und Tatkraft von Wolfgang R. Müller-Stoll zu verdanken, dem ersten Botanik-Professor und Gartendirektor. Er wurde im August 1961 aus politischen Gründen aus der Hochschule entlassen und erst 1991 rehabilitiert, drei Jahre vor seinem Tod. Die Erneuerung und Modernisierung der Glashäuser wurde kontinuierlich durch Wolfgang Pifrement vorangetrieben, der von 1969 bis 2002 Technischer Leiter des Gartens war. Sie kam erst 2012 mit der Errichtung der Neuen Anzucht zu einem vorläufigen Abschluss.

Der Potsdamer Botanische Garten gehört heute zu den zehn bedeutendsten in Deutschland. Dank der Kompetenz und des Engagements seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügt er über herausragende Pflanzensammlungen. Er ist in mehreren großen Verbundprojekten aktiv und international engagiert, besonders bei der Erneuerung des Botanischen Gartens in Potsdams Partnerstadt Sansibar. Auf dem Gebiet des Naturschutzes ist der Garten bundesweit führend. Das Grüne Klassenzimmer empfängt täglich Kitagruppen und Schulklassen, um gemeinsam von und in der Botanik zu lernen. Über das Jahr greifen rund 50 Veranstaltungen unterschiedliche Themen auf, in denen Besucher jedes Alters unmittelbar erfahren können, welche Bedeutung die Vielfalt der Pflanzenwelt für das Leben auf der Erde hat.

Weitere Informationen:
https://www.uni-potsdam.de/de/botanischer-garten/