Tierökologen im Home Office – Was tun, wenn Forschende nicht experimentieren können?

Zur Corona-Pandemie – Beiträge aus der Universität Potsdam
Rötelmaus | Foto: Thomas Roese
Quelle: Thomas Roese
Rötelmaus

Gerade hat Dr. Karin Schneeberger im Open Access Journal PLOS Biology neueste Erkenntnisse über das Verhalten von Wanderratten publiziert. Jetzt sitzt die Biologin, die derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG Tierökologie der Universität Potsdam an Wühlmäusen forscht, im Home Office. Alle Experimente sind ausgesetzt, müssen verschoben werden, obwohl doch die Freilandsaison gerade begonnen hat. Wie arbeiten Biologen, die auf Experimente angewiesen sind, in Zeiten der Krise? Und was machen die Tiere?

Frau Schneeberger, wie geht es Ihren Versuchstieren. Wie werden sie betreut?

Wir haben noch ein paar Wühl- und Brandmäuse in unserem Labor, die von einer Technischen Angestellten und einer Wissenschaftlichen Hilfskraft versorgt werden. Sollte eine der beiden Personen ausfallen, haben wir noch vier weitere auf der Notfallliste, die übernehmen könnten. Den Tieren geht es also gut, sie bekommen von der ganzen Ausnahmesituation sicher nichts mit.

Normalerweise arbeiten Sie ja mit wilden Mäusen, nicht mit Labormäusen. Können Sie sie freilassen?

Einige der Tiere, die wir im Labor haben, stammen von außerhalb Potsdams und sollen bald wieder freigelassen werden. Momentan klären wir ab, inwiefern dies mit der Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit möglich ist. Zudem haben wir noch Außengehege, die für Freilandexperimente instandgesetzt werden sollten, was wir jedes Jahr zu dieser Zeit mit viel (Wo)men-Power machen. Auch hier müssen wir jetzt eine andere Lösung finden, da wir natürlich den Empfehlungen folgen und Abstand voneinander halten.

Wie könnte die Lösung aussehen?

Wir arbeiten gerade an einer Art Online-Koordination der Dinge, die in der Anlage anstehen, damit jeder, dem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, die Möglichkeit hat, draußen etwas zu machen. Natürlich unter dem Vorbehalt, dass keine generelle Ausgangssperre kommt. In der Anlage Reparaturen durchzuführen und etwas draußen an der Sonne sein zu können, tut jedem von uns gut.

Woran arbeiten Sie derzeit im Home Office?

Momentan versuchen wir alle unsere Daten von der letzten Feldsaison zwischen April und Oktober des vergangenen Jahres aufzuarbeiten und zu publizieren. Zu tun haben wir also genug, auch wenn wir sicher alle aufgrund der allgemeinen Anspannung nicht ganz so produktiv sind wie sonst. Der rege Austausch untereinander, den wir sonst in der Arbeitsgruppe pflegen, fehlt uns allen. Viele von uns haben zudem Kooperationen im In- und Ausland, die mit Dienstreisen verbunden wären – und wohl dieses Jahr leider ausfallen werden. Und wir müssen gerade Lösungen finden, um trotzdem unsere Projekte irgendwie fortführen zu können. Am meisten zittert unsere Doktorandin darum, ob sie ihre Arbeit wie geplant weiterführen kann. Die DFG scheint aber wohl angesichts der Situation an Lösungen zu arbeiten, um Programme entsprechend zu verlängern.

Wie pflegen Sie den Kontakt zu Ihren Kolleginnen und Kollegen?

Wir haben gerade heute beschlossen, dass wir uns einmal die Woche zu einem AG-Skype-Meeting „treffen“, und einmal die Woche ebenfalls über Skype zu einer Art virtuellen Kaffeepause. Das stärkt den Zusammenhalt und erlaubt es, aktuelle Probleme, aber auch Fortschritte zu diskutieren.

Wie geht es mit der Lehre weiter und den Studierenden, die Sie betreuen?

Meine Bachelor- und Masterstudentinnen haben zum Glück schon in der letzten Saison alle Daten gesammelt, die sie für ihre Abschlussarbeiten benötigen. Daher können alle drei in Ruhe zu Hause ihre Arbeiten zusammenschreiben. Fragen können über E-Mail, WhatsApp und Skype geklärt werden. Ich bin da also zuversichtlich. Wie es für die Studierenden mit den Lehrveranstaltungen aussehen wird, ist eine andere Frage. Wir mussten bereits ein geplantes Literaturseminar im Zwischensemester auf unbekannte Zeit verschieben. Wir richten uns auch hier nach den Entscheidungen der Uni und verfolgen die Entwicklungen mit Spannung.

Die Fragen stellte Antje Horn-Conrad.

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