Unterwegs in den Anden – 5. März 2017: Der Geist „Gauchito Gils“ – der Robin Hood Argentiniens

Reisetagebuch: Doktoranden auf Exkursion in Westargentinien

Bei wolkenlosem Himmel starten wir von Rodeo aus in unseren vierten Tag. Der Wind ist derart stark, dass nahezu alle Bäume nach Westen geneigt sind. Die starken Winde speziell in dieser Region sind auch der Grund dafür, dass Rodeo ein beliebtes Ziel für Windsurfer ist.

Wir steigen in den Bus, überqueren den Damm von Rodeo und halten in der Nähe einer Grenze zwischen zwei alten, kleinen Kontinenten. Die tektonischen Kräfte haben hier die Kruste eines vergangenen Ozeans auf mehr als 1500 Meter Höhe angehoben. Der Basalt, ein markanter Bestandteil des obersten Teil der ozeanischen Kruste, ist bei seiner Entstehung mit dem Meerwasser in Kontakt gekommen und hat kissenähnliche Strukturen geformt. Daher nennen Geologen diese Art von Gestein Kissenbasalt. Auf dem weiteren Weg nach Osten halten wir an einer Gesteinsformation, die aus den Dünen einer alten Wüste besteht. Die Tatsache, dass hier schon vor 20 Millionen Jahren eine Wüste existierte, lässt darauf schließen, dass sich Südamerika seit dieser Zeit nicht mehr signifikant vom Äquator entfernt hat. Das weiß man, weil große atmosphärische Zirkulationenzellen dafür sorgen, dass auf diesen Breitengraden überall auf der Welt Wüsten entstehen. Erstaunlicherweise gibt es heutzutage in dieser Gegend aber viele Flüsse und stellenweise auch Vegetation, die einen bemerkenswerten Kontrast zu den ansonsten nackten Bergen bildet. Diese wird durch das Monsun-System begünstigt, das von den Anden beeinflusst wird.

Zur Mittagspause halten wir an einem Schrein, der dem lokalen Heiligen „Gauchito Gil“ gewidmet ist. Während der Kolonialzeit war Gil sprichwörtlich der Robin Hood Argentiniens, stahl von den Reichen und gab es den Armen. Er wurde irgendwann gefasst und zum Tode verurteilt. Diese Art von Schreinen existieren an allen Straßen Argentiniens. Die Menschen hier glauben, dass der Geist Gils über die Fahrer wacht und um ihm für seinen Schutz zu danken, bieten viele Menschen an den Schreinen kleine Gaben dar.

Es ist früher Nachmittag und die Sonne brennt vom Himmel. Wir fahren weiter Richtung Jachal. Gleich am Südrand des Dorfes kann man sehen, wie der Río Jachal und der Wind eine Reihe v-förmiger Ausbuchtungen in einen Berg geschliffen haben. Dieser Berg wird durch eine weiterhin aktive Störungszone nach oben bewegt. Diese ist nur eine von vielen aktiven Verwerfungen, die in dieser Region immer wieder für Erdbeben sorgen. An unserem östlichsten Stopp in der Nähe von Niquivil sehen wir die letzte Bergkette der Kordilliere. Sie besteht aus 400 Millionen Jahre alten Kalksteinen. Ruinen alter Kalkbrenneröfen zeugen davon, dass die Bevölkerung diese Ressource genutzt hat, um Baustoffe zu erhalten.

Den letzten Halt des Tages legen wir an an der Südküste des Sees von Rodeo ein. Wir sehen zehn Millionen alte Böden, in denen sich versteinertes Holz erhalten hat, das zeigt, dass hier auch zu dieser Zeit schon Vegetation existierte. Während wir die Hügel hinauf- und hinablaufen, ist der Wind schon so stark, dass er das Gehen erschwert. Wir steigen in den Bus  und freuen uns schon darauf, wieder in den Pool des Hotels springen zu können.

Hintergrundinformationen zur Reise der Potsdamer Geowissenschaftler gibt es hier.

Text: Sara Figueroa; Sibiao Liu; Germán Aranda; Louis Desanois; Christian Meeßen
Online gestellt: Daniela Großmann
Kontakt zur Onlineredaktion: onlineredaktionuni-potsdamde   

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