Feste Beziehungen – Forschungskooperationen zwischen Potsdam und Argentinien werden ausgebaut

Highlight für Geowissenschaftler: In den Anden gibt es alles, was geologisch interessant ist. Foto: Andreas Bergner
Highlight für Geowissenschaftler: In den Anden gibt es alles, was geologisch interessant ist. Foto: Andreas Bergner

Für Erdwissenschaftler sind die Anden ein Eldorado: Die südamerikanische Gebirgskette gehört zu den jüngsten und aktivsten Gebirgen der Erde und damit zu den geologisch interessantesten. Die Anden sind ein ideales natürliches Labor, in dem sich Vulkane, Plattentektonik, Gebirgsentstehung und -abtragung erforschen lassen. Hierfür intensivieren Erdwissenschaftler der Universität Potsdam nun ihre Zusammenarbeit mit Geowissenschaftlern in Argentinien.

Forschungsbeziehungen zu Argentinien haben bei den Potsdamer Geowissenschaftlern Tradition: Seit über 20 Jahren machen sich die Forscher beider Länder regelmäßig auf den Weg, um einerseits die Anden zu erforschen und sich andererseits methodisch auszutauschen. Nun möchten die Geoforscher die Kontakte ausbauen. 

„Das langfristige Ziel ist eine gemeinsame Ausbildung von Studierenden“, erklärt Dr. Andreas Bergner, wissenschaftlicher Koordinator am Institut für Erd- und Umweltwissenschaften. Um dies zu erreichen, ist die Uni Potsdam seit 2014 Mitglied des Deutsch-Argentinischen Hochschulzentrums (DAHZ). Hier bildet sie mit den Universitäten von Buenos Aires, Tucumán und Salta ein Forschungsnetzwerk im Bereich der Geowissenschaften. Das DAHZ fördert mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und seines argentinischen Pendants CONICET (Consejo Nacional de Investigaciones Cientificas) die akademische Zusammenarbeit beider Länder – besonders den Aufbau binationaler Studiengänge. Über das DAHZ werden die Gastaufenthalte von Studierenden, Doktoranden und Wissenschaftlern finanziell bezuschusst. 

Der erste Potsdamer Student der Geowissenschaften ist bereits in Argentinien. Zehn Monate wird er an der Universität von Tucumán bleiben. Die Kurse, die der Masterstudent dort belegt, sollen in Potsdam anerkannt werden. Doch der Aufbau eines gemeinsamen Studienganges ist nicht ganz einfach, gibt Andreas Bergner zu. „Das argentinische Hochschulsystem unterscheidet sich erheblich vom deutschen.“ So gebe es in der Regel keine Bachelor- und Masterabschlüsse, sondern die Licenciatura – ein Abschluss, der mit dem ehemaligen deutschen Diplom vergleichbar sei. Dennoch strebe man für die Zukunft einen gemeinsamen Masterabschluss an, so Bergner. „Da stehen wir momentan noch in Verhandlungen.“

Bereits jetzt gibt es ein gemeinsames Doktorandenaustauschprogramm, bei dem die Promovierenden jeweils argentinische und deutsche Betreuer haben. In diesem Sommer werden die ersten drei argentinischen Doktoranden nach Potsdam kommen und für etwa sechs Monate bleiben, um im Cotutelle-de-thèse-Verfahren einen binationalen Promotionsabschluss anzustreben. Im Gegenzug werden Potsdamer Promovierende nach Argentinien reisen. Ein ab 2015 geplantes, internationales Graduiertenkolleg, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert werden soll, könnte den  Doktorandenaustausch weiter festigen. Ein entsprechender Antrag bei der DFG ist gestellt.

Doch warum Argentinien? Für die Potsdamer Geoforscher sind die Anden ein besonderes Highlight. „In den Anden gibt es alles, was geologisch interessant ist, da kann man Geologie live erleben“, schwärmt der Wissenschaftskoordinator. Das Gebiet sei wegen seiner „jungen“ Geologie und seines Rohstoffreichtums sehr interessant. Die argentinischen Kollegen reizt an dem gegenseitigen Austausch die Möglichkeit, in den gut ausgestatteten Potsdamer Laboren ihr methodisches Spektrum zu erweitern und gleichzeitig von der engen Zusammenarbeit zwischen Universität und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu profitieren. 

Auch den zukünftigen wissenschaftlichen Nachwuchs haben die Potsdamer Geoforscher bereits im Blick: Auf ihre Initiative hin entstand eine Kooperation mit einer deutschen Schule in Buenos Aires. Jedes Jahr machen etwa 50 argentinische Schüler der Pestalozzi-Schule einen Abstecher an den Campus Am Neuen Palais, bevor sie für drei Monate in deutschen Gastfamilien leben. Als Partner der „Pestalozzis“ vermittelt die Hochschule den Schülern einen Überblick über die Studienmöglichkeiten in Deutschland. Denn Ziel sei es, die Schüler für ein Studium in Deutschland zu begeistern. Im Gegenzug können Lehramtsstudierende aus Potsdam ein Praktikum an der Schule in Buenos Aires absolvieren.

Text: Heike Kampe, Online gestellt: Agnes Bressa
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde