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Parkplätze? Parks und Plätze! Wie sich Golm in einen lebenswerten Wissenschafts-Park verwandeln könnte

Bild:Hanno Cornelius Conrad. Die Vision des Autors für Golm. Im Vordergrund sitzt eine Frau am Springbrunnen und liest ein Buch. Links neben ihr steht ein Mann mit Fahrrad. Der Frau am Springbrunnen gegenüber sitzt eine Frau auf einer Bank, neben ihr sitzt ein Hund. Im Hintergrund sind weitere Menschen und Geschäfte.

Die Vision des Autors für Golm. Bild: Hanno Cornelius Conrad.

Golm ist ein Bahnhof. Allmorgendlich rollen Busse und Züge aus  Potsdams Innenstadt und Berlin heran, bringen Studierende und Forschende zur Universität und in die Institute des Wissenschaftsparks. Wer nicht mit den Öffentlichen kommt, stellt sein Auto oder Rad auf die dafür reservierten Plätze. Doch die Fahrzeuge werden zu Stehzeugen und blockieren den wertvollen Freiraum, in dem sich Mensch und Natur entfalten könnten.

Golm hat alle Potenziale, ein grüner und lebendiger Stadtteil zu sein

Dabei hat Golm alle Potenziale, ein grüner und lebendiger Stadtteil zu sein: die ländliche Umgebung, das alte Dorf, die junge Siedlung und mittendrin das pulsierende Herz der Wissenschaft. Noch existieren die  einzelnen Quartiere berührungslos nebeneinander. Allein am Bahnhof und am Supermarkt kreuzen sich die Wege. Neue  Begegnungsorte sind nicht in Sicht, obwohl der Stadtteil wächst und die Gebäude wie Pilze aus dem Boden schießen. Zeit also, die Zwischenräume zu gestalten und dabei aus dem natürlichen Reichtum Golms zu schöpfen. Eine umfassende Landschaftsplanung könnte hier zum Katalysator für die Stadtentwicklung werden. Im tiefliegenden Südwesten zum Beispiel, wo das Grundwasser am  höchsten steht, ließe sich rund um den Teich zwischen Dorf und Fraunhofer-Campus ein Erholungsort schaffen: mit Stegen, die zum Verweilen einladen, und einer Ökostation als Naturerfahrungsraum für die Golmer Kinder und den Biologieunterricht der möglicherweise bald  entstehenden Universitätsschule. Inspiriert von den Feuchtwiesen des nahen Golmer Luchs, würden attraktiv bepflanzte Versickerungsmulden, die sich ästhetisch in das Gesamtbild einfügen, zum nachhaltigen Regenwassermanagement beitragen.
Ein anderes  Szenario könnte zwischen dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv und dem Gründerzentrum Go:In entstehen, dort, wo die Mühlenbergstraße zu den Fraunhofer und Max-Planck-Instituten abbiegt. Die Vegetation von Wiesen, Feldern und Weiden zieht sich hier weit in den Campus hinein. Wo bislang nur Autos parken, könnte ein gläserner Pavillon für Empfänge und Konferenzen den ungenutzten Platz mit Leben füllen und zugleich Transparenz zwischen Innen- und Außenraum schaffen. Ein  puristischer Bau mit klaren, repräsentativen Linien als Kontrast zum Wildwuchs ungezähmter Wiesen wäre ein sinnstiftendes Entree für einen naturwissenschaftlich geprägten Forschungscampus. Auch diesseits der Bahnlinie, zwischen dem entstehenden Technologiecampus und der stetig wachsenden Wohnsiedlung, treffen Funktionalität und Spontaneität aufeinander. An der Trennlinie von Ordnung und Wildnis ist Platz für Spiel, Sport und Genuss. Die hier lebenden Familien brauchen diesen Freiraum, um sich ungezwungen bewegen, mit den Kindern toben, einander begegnen und gemeinsam feiern zu können. Weidende Schafe und Bienenstöcke vervollständigten das Bild eines nachhaltigen Landschaftsparks, in dem die Grenzen zwischen Arbeit, Freizeit und Wohnen verschwimmen. Wie zum Symbol könnte sich eine Fahrrad- und Fußgängerbrücke über dem Quartier erheben und eine Verbindung zum Wissenschaftsareal jenseits der Bahnlinie herstellen.

Will Golm zu einer echten „Knowledge City“ werden, muss die Wissenschaft ihren Elfenbeinturm verlassen

Auf dem Campus der Universität schließlich übernähmen hohe Bäume die Regie. Ausläufer des nahen Waldes mit Ahornbäumen, Eichen und Robinien würden wie ein antikes Säulenportal den repräsentativen Eingang zum Unigelände markieren. Zwischen dem schwarzen Monolith der Bibliothek und dem goldenen Physikgebäude entstünde ein grüner Hain. Schatten spendende Bäume kontrastierten die klare Formensprache der Architektur. Am Boden würden helle, freundliche Materialien zum Spazieren und geschwungene Holzbänke zum Entspannen einladen. Gegenüber, auf dem Bahnhofsvorplatz, sorgten Cafés, Läden und Kioske für Trubel. Endlich gäbe es einen Bankautomaten, vielleicht einen Waschsalon, auf jeden Fall aber eine Fahrradstation. An regelmäßigen Markttagen böten die Bauern der Region frisches Obst und Gemüse zum Verkauf. Und sicher würden sich bald auch einige Arztpraxen ansiedeln. Will Golm zu einer echten „Knowledge City“ werden, muss die Wissenschaft ihren Elfenbeinturm verlassen, die Erdgeschosse ihrer Gebäude in die Umgebung öffnen und einen Austausch von Drinnen und Draußen zulassen. Fahrzeuge könnten in begrünten Parkhäusern unterkommen, damit die frei werdenden Plätze sich mit Leben füllen. Im Grünen zu wohnen und zu arbeiten, macht die Attraktivität Golms aus. Dies für die Zukunft zu erhalten, bedeutet, den Ort eher behutsam und kontrolliert zu verdichten, mit Respekt vor dem Landschaftsraum als dem verbindenden Element. Darauf könnten sich alle Quartiere und Anrainer einigen. Das wäre ein gemeinsamer Nenner, der eine Identifikation mit dem Ort ermöglichte: den Zugezogenen und Alteingesessenen genauso wie den Studierenden und Forschenden, die vielleicht nur für ein paar Jahre bleiben. Vielleicht aber auch länger.

Der Autor Hanno Cornelius Conrad entwickelte für seine Masterarbeit an der Uni Kopenhagen einen Masterplan für den Freiraum Golm.

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal 2/2019.

Text: Hanno Cornelius Conrad
Online gestellt: Magda Pchalek
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde