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Zehn Fragen für ein Buch – Touring Katutura! Poverty, Tourism, and Poverty Tourism in Windhoek, Namibia

Die Forschungsgruppe in den Sand gesetzt! (v.v.n.h.: Michael Buning [Forscher und Autor], Dominik Baumgartner [Forscher], Ruth Nielen [Forscherin], Tore Süßenguth [Forscher und Autor], Malte Steinbrink [Forschungsleitung und Autor], Berenike Schauwinhold [Forscherin und Autorin], Mehtap Akpinar [Forscherin], Martin Legant [Forscher und Autor], Sabrina Jöst [Forscherin], Thomas Grunau [Forscher], Daniel Hausmann [Forscher]) Foto: Malte Steinbrink.

Die Forschungsgruppe in den Sand gesetzt! (v.v.n.h.: Michael Buning [Forscher und Autor], Dominik Baumgartner [Forscher], Ruth Nielen [Forscherin], Tore Süßenguth [Forscher und Autor], Malte Steinbrink [Forschungsleitung und Autor], Berenike Schauwinhold [Forscherin und Autorin], Mehtap Akpinar [Forscherin], Martin Legant [Forscher und Autor], Sabrina Jöst [Forscherin], Thomas Grunau [Forscher], Daniel Hausmann [Forscher]) Foto: Malte Steinbrink.

Zehn Fragen für ein Buch – gestellt an Dr. Malte Steinbrink, Mitautor von „Touring Katutura! Poverty, Tourism, and Poverty Tourism in Windhoek, Namibia“. Universitätsverlag Potsdam, 2016. 

Was steht in Ihrem Buch – in drei Sätzen?

Das Buch behandelt eine neuere Spielart des Ferntourismus, die in den letzten Jahren in den Medien zwar reichlich moralisierende Empörung provozierte, aber derzeit trotzdem so sehr boomt wie kaum eine andere Tourismusform. Es geht um den Slumtourismus im Globalen Süden, hier im Speziellen um die namibische Version des Global Slummings: Aus unterschiedlichen Perspektiven wird der Tourismus in dem ehemaligen Township Katutura in Windhoek in den Blick genommen.    

Hat Ihr Buch eine Geschichte?

Der Slumtourismus interessiert mich bereits seit fast zehn Jahren. Ich erforsche das Phänomen aus historischer und vergleichender Perspektive. Hierfür sammle ich gewissermaßen Fallstudien aus unterschiedlichen Regionen der Welt. Die erste Feldstudie führte ich 2007 gemeinsam mit Prof. Dr. Manfred Rolfes im Rahmen einer geographischen Exkursion der Uni Potsdam in Kapstadt durch. Dieses Buch basiert nun auf den Ergebnissen eines Studienprojekts des Instituts für Geographie der Universität Osnabrück. In Namibia habe ich gemeinsam mit zehn tollen Masterstudierenden geforscht. Unser Projekt wurde vom Tourism Department der City of Windhoek finanziell und organisatorisch unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar, allerdings bin ich mir nicht so sicher, wie sehr unsere Analysen und Interpretationen den städtischen Touristikern tatsächlich gefallen.

Warum hat die Welt auf Ihr Buch gewartet bzw. warum ist es wie kein anderes?

Ich glaube wirklich nicht, dass die Welt auf ein Buch wartet. Und wenn, so bin ich sicherlich kein Koautor des Werkes! Dieses Buch ist trotzdem in zweifacher Hinsicht besonders: Erstens stellt es die erste Fallstudie zum Armutstourismus in Namibia dar. (Die meisten Forschungen liegen für Kapstadt, Rio de Janeiro und Mumbai vor) Und zweitens ist es eine der wenigen empirischen Studien, die das Phänomen aus sehr unterschiedlichen Blickrichtungen betrachtet. Wir haben sowohl Touristen vor und nach geführten Townshiptouren befragt, als auch Touranbieter und Bewohner interviewt; zudem haben wir ethnografische Beobachtungen während zahlreicher Führungen durchgeführt, um die Townshiprepräsentationen in der Tourpraxis zu analysieren.     

Sie veröffentlichen im Universitätsverlag Potsdam – und damit open access. Warum?

Zunächst einmal bin ich Mitherausgeber der Potsdamer Geographische Praxis und fühle mich der Reihe deshalb verbunden. Aber vor allem bin ich der Meinung, dass die Freiheit der Wissenschaft mit der Freiheit des Wissens einhergehen muss. Das bedeutet auch, dass wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst kostenfrei zugänglich sein müssen. Als Autor bin ich natürlich sehr daran interessiert, dass meine Texte auch gelesen werden. Aufgrund ihrer potenziell großen Verbreitung, sind Open-access-Angebote dafür sehr geeignet. Andererseits finde ich es auch gut, dass der  Universitätsverlag Potsdam zusätzlich Print-Versionen anbietet – ich selbst gehöre nämlich eher zum haptischen Lesertypus.   

Wer sollte Ihr Buch lesen – und wann?

Alle, die sich für das Phänomen des Slumming interessieren; neben Studierenden und Forschern, sicherlich auch Journalisten. Ich hoffe, dass sie ihre häufig sehr eiligen Vorannahmen, von denen die meisten Reportagen geprägt sind, überdenken. Auch all jene, die sich Gedanken drüber machen, ob es sich ziemt, im Urlaub „Armut“ zu besichtigen, könnten in dem Buch vermutlich Impulse für ihren Abwägungsprozess finden. – Und wann? Vielleicht auch mittwochs!   

Was lesen Sie selbst?

Gerne würde ich zwar sagen, dass ich zurzeit intensiv Stuart Hall, John Urry oder David Harvey studiere. Tatsächlich liegt vor mir jedoch gerade eine studentische Abschlussarbeit, die sich mit Schrebergärten und dem Konzept der „Interkulturellen Gärten“ beschäftigt. Untersucht wird darin die Bereitschaft von Kleingärtnern, mit Geflüchteten gemeinsam zu buddeln und zu ernten. Ich habe gerade die Einleitung gelesen – klingt sehr vielversprechend, und deshalb freue ich mich auf die weitere Lektüre. Stuart, John und David müssen halt warten.     

Was hat Spaß gemacht beim „Buchmachen“ – und was eher nicht?

Besonders große Freude machte mir die empirische Forschung in dem Township Katutura und vor allem auch die intensive Zusammenarbeit mit den Studierenden „im Feld“. Es war großartig zu sehen, wie sich die Studies von der Forscherlust gepackt, hoch engagiert in den Strudel des Themas stürzten. Weniger lustvoll war der Prozess der Textproduktion, hier war Disziplin gefragt. Beides zu erleben, war für meine studentischen KoautorInnen sicherlich der größte Lernerfolg.  

Auf einer Skala von 1 bis 10: wie gut ist Ihr Buch?

Der Versuch, wissenschaftliche Arbeiten quantitativ zu bewerten, passt zwar sehr zum universitären Zeitgeist unserer Tage, aber letztlich bleibt ein solcher Versuch immer unwissenschaftlich. Deshalb: 10!  

Wenn Sie könnten: Würden Sie sich für das Buch einen Preis verleihen – und wenn ja, welchen?

Ich glaube sehr fest an das humboldtsche Bildungsideal der Einheit von Forschung und Lehre an Universitäten. Gäbe es einen Preis für qualitativ hochwertige, ergebnisorientierte empirische Lehrforschung, so würde ich mich mit diesem Buch durchaus bewerben. Ich bin stolz darauf, dass wir gemeinsam nicht nur einen Forschungsprozess von Anfang bis Ende durchlaufen haben, sondern dass wir mit dieser englischsprachigen Publikation auch einen sehr ernsthaften Beitrag zur internationalen Slumtourismusforschung geleistet haben. Meine Studies und ich erleben das als sehr motivierend und befriedigend – auch wenn diese Publikation nicht ISI-gerankt ist.  

Und nun noch 3 Sätze zu Ihnen …

2011 war ich kurzzeitig Vertretungsprofessor am Institut für Geographie der Universität Potsdam. Die tollen Kooperationsbeziehungen mit meinem Freund Manfred Rolfes und der Arbeitsgruppe Angewandte Humangeographie und Regionalwissenschaften haben sich erfreulicher Weise erhalten, ebenso das gemeinsame Interesse an der Slumtourismusforschung. Derzeit arbeite ich am Institut für Geographie und dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Uni Osnabrück. Dort habe ich die sehr gute Möglichkeiten, mich meinen recht weit gefächerten Forschungsinteressen rund um die die Konzepte globale Mobilität, Vernetzung und Ungleichheit zu widmen. Bei meiner Arbeit liegt mir die enge Zusammenarbeit mit Studierenden sehr am Herzen. Ich freue mich darauf, noch viele intensive Lehrforschungsprojekte durchzuführen. Nächstes Jahr geht’s wieder nach Südafrika …   

Zehn Fragen für ein Buch“ öffnet die Tür zum Potsdamer Universitätsverlag und stellt regelmäßig Neuerscheinungen vor. „Touring Katutura! Poverty, Tourism, and Poverty Tourism in Windhoek, Namibia“ ist hier (http://verlag.ub.uni-potsdam.de/cgi-bin/publika/view.pl?id=914) online verfügbar. Weitere Neuerscheinungen aus dem Universitätsverlag hier (http://verlag.ub.uni-potsdam.de/aktuell.php).  

Fragen: Matthias Zimmermann
Online gestellt: Daniela Großmann
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde 

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