Trauer um Prof. Dr. Jürgen Kroll

Prof. Dr. Jürgen Kroll
Foto : privat

Am 19. 12. 2021 verstarb Prof. Dr. Jürgen Kroll, der Mitgründer des Instituts für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam und Gründungsbeauftragte für den Studiengang Ernährungswissenschaft.

Nach einer Ausbildung in der Molkereiindustrie studierte Prof. Kroll Lebensmittelchemie an der Humboldt-Universität zu Berlin und wurde dort 1972 zum Dr. rer. nat. und 1987 zum Dr. sc. nat. promoviert. Er forschte in dieser Zeit am Zentralinstitut für Ernährung (ZfE) der Akademie der Wissenschaften DDR. Schon zu jener Zeit stellte er zusammen mit weiteren Kollegen des ZfE Überlegungen zur Etablierung eines Studiengangs Ernährungswissenschaft an, der in dieser Form in der DDR nicht existierte. In den Wendejahren mit der Überleitung des ZfE in das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke und der Gründung der Universität Potsdam fiel diese Idee schließlich auf fruchtbaren Boden. Als Gründungsbeauftragter für den Studiengang Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam etablierte Prof. Kroll 1992 zusammen mit dem damaligen Direktor des neugegründeten DIfE, Herrn Prof. Dr. med. Barth, den Diplomstudiengang Ernährungswissenschaft, der von dem ebenfalls neugegründeten Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam zusammen mit gemeinsam berufenen Professoren des DIfE getragen wurde.  1994 wurde Prof. Kroll als erster ordentlicher Professor, damals Gründungsdirektor, des Instituts für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam berufen. Mit unermüdlichem Fleiß und viel Improvisationstalent baute Prof. Kroll das Institut für Ernährungswissenschaft auf und entwickelte den Studiengang Ernährungswissenschaft zu einem der erfolgreichsten Studiengänge der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen-Fakultät und der Universität Potsdam.

Dem Humboldt'schen Ideal von Einheit von Forschung und Lehre verpflichtet, hat Prof. Kroll in seinem neu etablierten Lehrstuhl gefördert durch das DFG-Innovationskolleg "Mechanismen der gastrointestinalen Bioaktivierung und -inaktivierung – TP-6: Reaktionen von Nahrungsproteinen mit Glucosinolatspaltprodukten und Pflanzenphenolen: Physikochemische sowie physiologische und toxikologische Charakterisierung der Reaktionsprodukte" eine neue Forschungsrichtung aufgebaut. Er untersuchte die Wechselwirkungen von sekundären Pflanzeninhaltsstoffen mit Proteinen und die dadurch ausgelöste Veränderung der funktionellen und physiologischen Eigenschaften dieser Proteine. Bis zu seinem Ruhestand 2005 hat Prof. Kroll zahlreiche Diplomarbeiten, zwei Promotionen und eine Habilitation betreut. Sein Stolz lag darin, die Ergebnisse aller von ihm in Diplom- und Promotionsarbeiten betreuten jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in Originalpublikationen in anerkannten Fachzeitschriften einfließen zu lassen, um so den Nachwuchs zu fördern und zu motivieren.

Prof. Kroll gebührt nicht nur wegen seiner herausragenden Leistungen beim Aufbau von Institut und Studiengang Dank, er wurde auch als Kollege und Mitmensch sehr geschätzt, dessen Handeln immer von Pflichtbewusstsein und Sachlichkeit bestimmt war. Ihn zeichnete ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn aus, der mit großer Menschlichkeit und verständnisvoller Achtung seiner Mitmenschen gepaart war. Er hat den Diskurs nie gescheut und seine Standpunkte fest vertreten, aber gleichzeitig die Argumente der anderen gehört und akzeptiert, wenn deren Meinung von seiner abwichen. Er hat immer konstruktive Lösungen gesucht und das Institut in den Gründungsjahren mit viel Weitsicht geleitet.

In den letzten Jahren lebte Prof. Kroll, der unter einer schweren chronischen Erkrankung litt, zurückgezogen. Wir werden Prof. Kroll in dankbarer Erinnerung behalten.

Veröffentlicht

Online-Redaktion

Stefanie Mikulla