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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Universität Potsdam hatte zwar zum Bewerbungszeitpunkt für den Master in Psychologie keine Partnerschaft mit einer Universität in Istanbul, ich konnte mich allerdings über den Fachbereich Sozialwissenschaften bewerben und dennoch an der Gastuniversität Psychologie studieren. Dieser Umweg war teilweise im Bewerbungsprozess etwas verwirrend, da der Fachbereich oft angegeben werden muss und es ab und zu unklar war, wie damit umgegangen werden soll, aber schlussendlich hat alles funktioniert. Das Online-Bewerbungsportal der Gastuniversität hat an verschiedenen Stellen nicht funktioniert bzw. meine Eingaben nicht akzeptiert, also habe ich meine Angaben in einem separaten Dokument abgeben und die Bewerbung per E-Mail statt über das Portal abgeschickt. Falls derartige Schwierigkeiten auftreten, ist vor allem der E-Mail-Kontakt mit der Gastuniversität ein wichtiger Kanal. Die Internetseite der Universität war leider auch an vielen Stellen veraltet oder unvollständig. Die Organisation der Krankenversicherung war auch etwas verwirrend. Grundsätzlich ist um eine Aufenthaltsgenehmigung zum Studieren in der Türkei zu beantragen eine Auslandskrankenversicherung nötig. Eine privat abgeschlossene Auslandskrankenversicherung ist empfehlenswert, um in Notfällen die Sicherheit eines Rücktransportes nach Deutschland zu haben etc. Die Beantragung der Aufenthaltsgenehmigung erfolgt erst in der Türkei und wurde von dem Erasmus-Team der Universität begleitet. Dabei kann man auch eine Krankenversicherung abschließen, welche dann für die Aufenthaltsgenehmigung genügt, wo aber nicht klar ist, was diese alles umfasst. Wenn man bereits im Vorhinein eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen hat, muss diese in der Türkei überprüft werden. Dafür reicht ein einfaches Dokument, genannt TK11, das von der deutschen Krankenkasse nach Anfrage ausgestellt wird. Dieses Dokument muss im SGK beglaubigt werden, um anschließend die Aufenthaltsgenehmigung beantragen zu können. (Adresse SGK: Pürtelaş Hasan Efendi, Mebusan Ykş. No:5, 34427 Beyoğlu/İstanbul)


Studienfach: Psychologie (M.Sc.)

Aufenthaltsdauer: 09/2022 - 02/2023

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei

Studium an der Gastuniversität

Die Betreuung der Erasmusstudierenden war sehr umfassend, es gab jeweils für Gruppen von 4-5 Erasmusstudierenden einen Buddy, welche/r die ersten Wochen für alle organisatorischen Dinge die Hauptkontaktperson ist. Das Erasmusbüro war auch immer gut besetzt. Während der Orientierungswoche gab es viele gemeinsame Veranstaltungen, z.B. eine Campustour, gemeinsames Frühstück, eine Bootstour, einen Palast-Besuch und Abendveranstaltungen. Auch über das Semester hinweg wurden von dem Erasmusteam immer wieder diverse Veranstaltungen organisiert. Dennoch war z.B. die Kurswahl sehr chaotisch, viele Studierende waren sehr enttäuscht, weil es viele Kurse, die vorher aufgelistet waren, schlussendlich nicht gab. Allgemein kamen die Informationen von der Universität oft sehr kurzfristig, was für viele frustrierend war. Ich konnte im Endeffekt leider nicht alle vorher geplanten Kurse besuchen, war aber trotzdem mit meiner Kurswahl zufrieden. Der Großteil meiner Kurse war online, was auch etwas enttäuschend war, weil die Corona-Situation sich schon längst beruhigt hatte und die Notwendigkeit dafür auf jeden Fall nicht bestand. Der Masterstudiengang Clinical Psychology (Englisch) bestand aus einer recht kleinen, aber sehr diversen Gruppe an Personen. Die Kommunikation untereinander war sehr aktiv und alle waren freundlich und aufgeschlossen. Leider waren wir alle mit der Lehrqualität nicht sonderlich zufrieden, weil das Englisch-Niveau der Lehrenden teilweise nicht ausreichend war und die Kursanforderungen sehr undeutlich kommuniziert wurden und die Lehrmaterialien von den Lehrenden nicht gründlich durchdacht und strukturiert waren. Die Anforderungen waren insgesamt nicht sonderlich hoch, es gab meistens eine (oder zwei) Abgabe/Präsentation/Prüfung in der Mitte des Semesters und eine Prüfung zum Ende. Die Prüfungen waren meiner Ansicht nach fair und nicht zu schwer, die Bewertung war angemessen, obwohl noch mehr Feedback wünschenswert gewesen wäre. Ich habe durch den Online-Unterricht leider nicht viel Zeit an der Universität verbracht, aber der Standort ist wunderbar gelegen, direkt am Hafen und sehr zentral, mit der Fähre und Bussen gut erreichbar. Die Räumlichkeiten für die Kurse sind auch gut ausgestattet mit Beamer etc. Es gibt auch eine Bibliothek und viele Cafes in der Nähe. Ich habe eher die Stadtbibliotheken genutzt (https://ataturkkitapligi.ibb.gov.tr/tr/Kitaplik/Kutuphanelerimiz), welche an vielen schönen Standorten zu finden sind und wo man gut arbeiten kann. Die Universität hat auch viele Clubs zu diversen Themen im Angebot, ich habe allerdings an keinem teilgenommen.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

In der Orientierungswoche konnte man gut Kontakte zu Erasmus-Studierenden und den einheimischen Buddys aufbauen, auch über das Semester hinweg gab es diverse Angebote und Partys. Ich habe mich mit den meisten gut verstanden, habe aber eher Kontakte außerhalb der Universität geknüpft, über die WG oder Freunde von Freunden.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich habe vor dem Aufenthalt bereits in Berlin einen Sprachkurs an der Universität (HU/FU) und an der Volkshochschule gemacht, kannte also bereits die Türkischgrundlagen (A1/2). Ich habe in Istanbul zwei Sprachkurse (A2, B1) an einer Sprachschule gemacht (https://dilmer.com/turkish-course/), da in der Universität Sprachkurse leider nicht im regulären Lehrveranstaltungsrahmen angeboten werden (also keine Credit-Points). Ich kann die Sprachschule sehr empfehlen, die Kurse sind angenehm klein, die Lehrenden motiviert und es wird viel Wert aufs Sprechen gelegt. In Istanbul können allerdings viele Leute Englisch sprechen, an der Universität sowieso, aber auch im Alltag kommt man mit Englisch einigermaßen zurecht. Da Englisch meine Muttersprache ist, bestand die Kompetenz bereits und war nicht das Ziel des Aufenthalts, auch wenn die Kurse auf Englisch waren.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe mich im Vorhinein zwar mit einer Freundin, die auch Erasmus gemacht hat, und einem Kommilitonen aus der Uni Potsdam zusammengetan, um gemeinsam nach einer Wohnung zu suchen, über Facebook (es gibt diverse Gruppen mit Angeboten), https://www.hepsiemlak.com/en und https://www.sahibinden.com/ - das hat aber letztendlich erstmal nicht funktioniert. Für den Anfang (erster Monat) hatte ich eine AirBnB-Unterkunft. Anschließend haben wir eine Person aus Istanbul kennengelernt, mit der meine Freundin und ich eine Wohnung gefunden haben. Es ist grundsätzlich als nicht-türkische Person, wenn man kein Türkisch spricht und nicht so lange bleibt, nicht so einfach, über die Portale oder Makler eine Wohnung anzumieten. Es gibt aber viele Angebote über Facebook und auch viele Personen, die gezielt an Erasmus-Studierende Zimmer vermieten. Teils sind diese Angebote aber sehr überteuert! Manchmal sind die Zimmer sehr klein oder haben kein Fenster. Die Preise für Wohnungen steigen in Istanbul allgemein, sind aber im Vergleich mit anderen Städten noch erschwinglich, wobei die Spanne sehr groß ist. Man schafft es auch vor Ort schnell ein Zimmer zu bekommen/besichtigen, wenn man besondere Vorstellungen hat, ist es aber natürlich von Vorteil, bereits früher mit der Suche zu beginnen. Ich war sehr zufrieden mit unserer Wohnung in Kadıköy (circa 200 €/Monat, kleineres Zimmer, aber Wohnzimmer), fußläufig gab es belebte Gegenden mit vielen Bars, Essensangeboten und Läden. Die Küste und die angrenzenden Parks tragen auch viel zur Lebensqualität bei.  (Kleine Liste angesagter Viertel auf der europäischen Seite: Kabataş, Cihangir, Galata, Karaköy, Beşiktaş, Bomonti; und der asiatischen Seite: Kadıköy (Moda, Yeldeğirmeni)) Die öffentlichen Verkehrsmittel kann man mit einer Karte (Istanbulkart) benutzen. Es gibt eine vergünstigte Version für Studierende, welche man bekommt, wenn man einen Nachweis in einem dafür befugten Standort vorzeigt. Diese Karte kann man monatlich mit einem Abo aufladen, welches circa 140-180 TL kostet und wo circa 200 Fahrten möglich sind, da pro Fahrt nur 1-3 Lira abgebucht werden. Die meisten Fähren sind dort auch inkludiert. Man kommt mit der Marmaray, den Fähren und der Metro schnell voran, Busse stehen allerdings zu manchen Zeiten viel im Stau. Es gibt viele Banken und Bankautomaten, die viel abziehen, wenn mit einer ausländischen Karte abgehoben wird (6-12 %). Zusätzlich dazu kann über die eigene Bank noch eine Gebühr anfallen, sowohl beim Abheben als auch beim Bezahlen. Man kann an den meisten Orten mit Karte bezahlen. Bei der Odeabank kann man bis zu einem bestimmten Betrag kostenlos abheben. Man sollte immer in TL bezahlen oder abheben (nicht in Euro), da sonst eine Konversion stattfindet, die ggf. nicht entsprechend der aktuellen Wechselrate ist. Zur Krankenversicherung habe ich etwas in Punkt 1) erklärt. Insgesamt sind die Lebenshaltungskosten sehr viel geringer als in Deutschland, Lebensmittel und Alltagsgegenstände sind preiswerter, wobei die Preise dennoch in letzter Zeit viel gestiegen sind wegen der Inflation. Man kann sehr preiswert unterwegs essen. Elektronische Geräte sind allerdings wegen Steuern sehr teuer. 

Studienfach: Psychologie (M.Sc.)

Aufenthaltsdauer: 09/2022 - 02/2023

Gastuniversität: Bahçeşehir Üniversitesi

Gastland: Türkei


Rückblick

Für mich war der Aufenthalt eine wunderbare Erfahrung, ich habe viele tolle Leute kennengelernt und die Stadt hat kulturell und kulinarisch viel zu bieten. Ich finde es lohnt sich, etwas Türkisch zu lernen, da man so nochmal mehr mit unterschiedlichen Leuten in Kontakt kommen kann und es sehr Spaß macht, die Sprache zu lernen. Man kann auch gut in der Türkei reisen, das Busnetz ist gut ausgebaut und man kommt sehr preiswert in andere Regionen. Die politische Lage ist in der Türkei recht angespannt und polarisiert, was meiner Erfahrung nach sehr spannend sein kann, aber man sollte sich damit auseinandersetzen und sich dessen bewusst sein. Auch über Erdbeben und die damit einhergehenden Risken und Verhaltensweisen sollte man sich informieren.

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