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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Schon länger war für mich klar, dass ich im Laufe meines Studiums über Erasmus ein Nachbarland näher kennenlernen möchte. Das Programm bietet Hilfe bei der Planung, Ansprechpartner vor Ort, finanzielle Unterstützung und eine studentische Community. Meine Hoffnung, einen längeren Auslandsaufenthalt verhältnismäßig unkompliziert organisieren zu können, wurde nicht enttäuscht. Anstatt ein Gastland nur touristisch zu erfahren, bietet Erasmus eine Integration in das studentische Leben, die Möglichkeit, an einer Kultur teilzuhaben, anstatt sie von außen zu betrachten. Zur Vorbereitung nutzte ich sowohl die HPI-internen Veranstaltungen von Frau Prof. Lehmann zum Thema Auslandsaufenthalt als auch die Informationsangebote des International Offices. Von beiden Parteien erfuhr ich durchweg eine gute Betreuung. Die einzelnen Schritte des Bewerbungsverfahrens waren leicht zu folgen, es standen Ansprechpartner*innen für Fragen zur Verfügung und bereitgestellte Checklisten nahmen die Angst, etwas Wichtiges zu übersehen. Die Kommunikation zur Anrechnung der im Ausland erbrachten Leistungen erfolgte für mich ebenfalls über Frau Prof. Lehmann, auch hier fühlte ich mich durchweg kompetent und ehrlich beraten. Zwei Punkte erfuhr ich während der Vorbereitung als herausfordernd: die Erbringung der Sprachnachweise und die Wohnungssuche. Die Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule erfolgte unerwartet früh. Ich wollte erst im Sommersemester nach Frankreich reisen, aber die erste Kommunikation erfolgte bereits im April des vorigen Jahres. Schon zu diesem Zeitpunkt handelte ich das Learning Agreement aus und musste Sprachnachweise erbringen. Hier erwies sich die Gastuniversität leider als sehr streng - obwohl ich ein UNICERT für Französisch und einen DAAD-Test für Englisch in den geforderten Niveaus hatte, wurden andere Zertifikate gewünscht und ich musste relativ kurzfristig noch einen DELF- und TOEFL-Test machen. Zusätzlich wollte die Hochschule kurz vor meinem Auslandsaufenthalt das Sprachniveau noch einmal selbst beurteilen und bat mich um die Bearbeitung mehrerer Textaufgaben sowie einen Videoanruf. Einerseits ist es positiv zu beurteilen, dass die Gastuniversität sicherstellen möchte, dass die Studierenden sprachlich in der Lage sind, den Kursen zu folgen. Andererseits stellte die Forderung nach bestimmten Sprachtests einen nicht unerheblichen finanziellen Aufwand dar, den ich angesichts der erneuten Evaluierung durch die Universität nicht ganz gerechtfertigt sehe.


Studienfach: Cybersecurity

Aufenthaltsdauer: 02/2023 - 06/2023

Gastuniversität: Télécom Paris

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Nach meiner Ankunft in Palaiseau wurde ich sehr freundlich durch das Internationale Büro begrüßt und durch die notwendigen organisatorischen Schritte geführt. Meine Ansprechpartnerin an der Télécom zeigte mir das Gebäude und hatte einige studierendenfreundliche Hinweise für mich, etwa wo man günstig einkaufen und essen kann oder welche studentischen Organisationen es gibt. Das Studiensystem war für mich zu Beginn sehr undurchsichtig – die Studierenden an der Télécom Paris befinden sich in unterschiedlichen Programmen mit jeweils eigenen Studienordnungen und sind auch häufig innerhalb dieser Gruppierungen befreundet. Im Allgemeinen sind die Studiengänge der Télécom im Gegensatz zum deutschen System sehr klar strukturiert, es gibt keine Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Kursen oder die Option, das Studium über eine längere Zeit zu strecken. Als Erasmusstudierende befand ich mich eher außerhalb dieser Studienmodelle. Dies erwies sich als Vorteil, da ich so Kurse aus verschiedenen Programmen und Jahren mischen konnte. Das Semester war in zwei Hälften geteilt, in denen jeweils unterschiedliche Kurse stattfanden; sowohl in der Mitte als auch am Ende des Semesters gab es einen Prüfungszeitraum. Im französischen Modell gibt es für die einzelnen Kurse in den meisten Fällen nur 2 ECTS, dementsprechend ist auch der Inhalt pro Veranstaltung stark reduziert und die Prüfungsleistungen weniger anspruchsvoll. Die Lehre hat einen hohen Praxisanteil, sowohl im laufenden Semester als auch für die Prüfungen. Die angebotenen Kurse waren grundsätzlich breit gefächert und interessant. Für mich persönlich ergab sich leider teilweise eine Wiederholung von Inhalten, die ich bereits an meiner Heimatuniversität gelernt hatte – dafür würde ich aber auch den Umstand verantwortlich machen, dass ich in Deutschland bereits drei Fachsemester meines Masters absolviert hatte. Die Universität selbst ist modern ausgestattet. Zum Lernen kann man Arbeitsplätze und Gruppenräume in der Bibliothek oder die Tische der Cafeteria nutzen. Dabei ist das Gebäude auch am Wochenende betretbar. Es gibt 2 Mensen des Studierendenwerks in der Nähe, die Essen zu sehr fairen Preisen anbieten, sowie ein Restaurant direkt an der Uni, das etwas teurer ist. Im Vergleich zu deutschen Unis ist es leider schwierig bis unmöglich, sich in den Mensen vegan zu ernähren, eine vegetarische Auswahl steht immerhin zur Verfügung.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Durch den Schulunterricht, einen Auslandsaufenthalt nach dem Abitur und einen Sprachkurs an der Uni hatte ich bereits vor dem Erasmussemester ein Sprachniveau von B2-C1. Dabei fiel mir der schriftliche Ausdruck etwas schwerer und mir fehlte das Fachvokabular für den Informatikbereich. Die Einschätzung durch die Gastuniversität ergab, dass ich problemlos an französischsprachigen Kursen teilnehmen könne, mir wurde ein fortgeschrittener Sprachkurs empfohlen. Ich konnte zwischen Sprachkursen mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten wählen und belegte eine Veranstaltung, die sich mit französischer Kultur und kulturellen Referenzen befasste. Über den Kurs lernte ich gleichzeitig auch andere internationale Studierende kennen. Die von mir belegten Kurse waren bis auf einen allesamt in französischer Sprache gehalten. Zwar gab es ein paar englischsprachige Kurse, aber in Kombination mit der Spezialisierung auf Cybersecurity wäre es nicht möglich gewesen, einen Stundenplan zu füllen, ohne französischsprachige Veranstaltungen zu belegen. Mein Verständnis reichte glücklicherweise aus, um den Vorlesungen zu folgen. Zu Beginn gab ich mir Mühe, fehlende technische Vokabeln aufzuholen. Auch die Leistungserfassungen liefen auf Französisch und die erste Runde Präsentationen, Berichte und Klausuren, die nach etwa zweieinhalb Monaten stattfand, war noch etwas herausfordernd, aber letztlich machbar. In sozialen Kontexten fand ich mich zu Beginn oft in der Situation wieder, dass ich zwar gut verstand und Einzelgespräche führen konnte, aber in Gruppengesprächen nicht fähig war, mitzureden, da der Wortwechsel zu schnell ablief oder viel Umgangssprache verwendet wurde. Zum Ende des Semesters merkte ich eine deutliche Verbesserung. In den fünf Monaten meines Aufenthalts habe ich zum allergrößten Teil auf Französisch kommuniziert und Englisch nur in sehr wenigen Situationen verwendet. Auch Konversationen in Gruppen funktionierten nun besser, ich musste seltener nachfragen und habe die sprachlichen Mittel, um mehr ich selbst zu sein. Sehr erleichternd ist die Entwicklung, weniger mit der Unsicherheit in Gespräche zu gehen, möglicherweise etwas nicht zu verstehen. Auch an die zweite Runde Prüfungen ging ich entspannter.

Wohn- und Lebenssituation

Die Wohnungslage in Paris ist angespannt und färbt auf die Vororte ab, deswegen gestaltete sich die Suche nach einer Unterkunft als schwierig. Auf ihrer Webseite listet die Télécom eine Reihe von hilfreichen Links. Das französische Studierendenwerk CROUS bietet bezahlbare Wohnheimplätze, oft in Form von WGs. Die Vergabe erfolgt aber hauptsächlich für das Wintersemester, im Sommer bewegt man sich etwas außerhalb des regulären Verfahrens. In meinem persönlichen Fall verlief die Kommunikation mit CROUS unglücklich. Nach meiner Bewerbung im November erhielt ich zunächst Anfang Dezember ein Angebot, das ich sofort annahm. Durch einen organisatorischen Fehler stand dieser Platz aber letztlich doch nicht zur Verfügung und ich musste wenige Wochen vor Start des Auslandsaufenthalts die Suche erneut beginnen. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung der Gastuniversität an dieser Stelle, die mir weitere Anlaufstellen vorschlug (Science Accueil, Studapart). Über Science Accueil bekam ich kurzfristig mehrere Angebote, die sich im Bereich 500-600 Euro bewegten – hier werden Wohnungen von Privatpersonen vermittelt, hauptsächlich etwas von der Hochschule entfernt in ländlicherer Umgebung. Zudem vermittelten mir die Ansprechpersonen der Télécom einen Platz im Wohnheim KLEY, das sich direkt neben der Institution befindet. Letztendlich entschied ich mich trotz der sehr hohen Miete von 780 Euro für KLEY, da ich ein Wohnheim vorzog, um leichter am studentischen Sozialleben teilhaben zu können. Insgesamt bin ich mit der Wohnung mäßig zufrieden. Gebäude und Einrichtung sind modern und die Nähe zur Universität ist ein großer Pluspunkt, aber Größe und Service des Wohnheims entsprechen dem Preis nicht wirklich. Es gibt für Wohnheimplätze die Möglichkeit, bei der CAF finanzielle Unterstützung zu beantragen, was die finanzielle Situation in meinem Fall etwas entspannen konnte. Man muss jedoch damit rechnen, dass die Genehmigung des Antrags etwas dauert. In jedem Fall wird für den Abschluss eines Mietvertrags ein Bürge benötigt. Die einfachste Lösung scheint hier zu sein, sich bei Visale zu registrieren, das Unternehmen bürgt bis zu einer Maximalmiete und der Service ist kostenlos. In meiner Erfahrung ist diese Lösung einfacher, als einen deutschen Bürgen anzuführen. Für die Reise nach Paris nutzte ich eine Zugverbindung, die Strecke Berlin-Paris dauert etwa 9 Stunden und ist mit wenigen Umstiegen gut bewältigbar. Nach meiner Ankunft wurde mir schnell bewusst, dass ich die einzige Studierende war, die zu diesem Zeitpunkt neu an die Hochschule kam. Regulär beginnt das Studium ausschließlich zum Wintersemester und auch die anderen Austauschstudierenden waren im Herbst angereist. Dieser Umstand erschwerte die soziale Integration etwas, da sämtliche Kernlernveranstaltungen bereits gelaufen und Freundesgruppen schon gebildet waren. Auch wurden einige Kurse online gehalten, was den Kontakt zu Kommiliton*innen verringerte. Direkt zu Beginn meines Aufenthalts setzte mich meine Kontaktperson an der Universität mit den beiden anderen deutschen Studierenden in Verbindung, die das Wintersemester dort verbracht hatten und noch vor Ort waren, aber bald abreisen würden. Das studentische Leben an der Télécom ist hauptsächlich über Assoziationen und das Äquivalent zum Fachschaftsrat organisiert. Einige dieser Assoziationen meldeten sich zu Anfang bei mir. Es werden durch die Assoziationen eine Vielzahl an Events veranstaltet, allein regulär zwei studentische Partys die Woche. Ich ergriff zu Beginn meines Aufenthaltes die Eigeninitiative und ging auf viele Veranstaltungen, auch wenn ich dort noch niemanden kannte, um Leute kennenzulernen. Auch über Sport und Präsenzkurse gelang es mir letztendlich meine Kommiliton*innen kennenzulernen, sowohl einheimische als auch internationale Studierende.

Studienfach: Cybersecurity

Aufenthaltsdauer: 02/2023 - 06/2023

Gastuniversität: Télécom Paris

Gastland: Frankreich


Rückblick

Ich entschied mich ursprünglich dazu, im Sommersemester ins Ausland zu gehen, da die Coronapandemie zum Zeitpunkt meiner Bewerbung noch etwas unübersichtlicher war und ich Bedenken hatte, dass in der Winterzeit stärkere Kontaktbeschränkungen die soziale Integration erschweren würden. Da sich die Lage seitdem aber deutlich entspannt hat, würde ich jeder*jedem empfehlen, wenn möglich im Wintersemester zu beginnen. Zu diesem Zeitpunkt finden viele Events statt und viele befinden sich in der Situation, niemanden zu kennen. Im Sommersemester erforderte es hingegen viel Eigeninitiative und Toleranz, auf sich allein gestellt zu sein, um sich zu integrieren. Auch die Wohnheimbewerbung könnte, wie zuvor beschrieben, für das Wintersemester leichter sein. Die Télécom bietet eine Vielzahl von studentischen Veranstaltungen an und es ist sehr zu empfehlen, teilzunehmen, um Leute kennenzulernen. Dafür kann es sich lohnen, in der Nähe der Universität zu wohnen, auch wenn dadurch Paris schwerer erreichbar ist. Ich persönlich habe das Angebot nicht genutzt, aber auch die studentischen Assoziationen mit Schwerpunkten von Schach über Käse zu DJs bieten eine attraktive Anlaufstelle, um Kontakte zu knüpfen und die eigene Freizeit zu gestalten. Ebenso habe ich das Erasmus Student Network nicht genutzt, aber es bietet als Ergänzung die Möglichkeit, in Paris auszugehen oder Gesellschaft für touristische Aktivitäten zu haben. Es ist sehr zu empfehlen, bereits vor dem Aufenthalt Französisch zu sprechen, da es schon die Vorbereitung erleichtert, etwa die Kommunikation den Wohnheimen und das Navigieren französischsprachiger Websites. Ebenso wird der Kontakt zu einheimischen Kommilitonen erheblich erleichtert. Insgesamt bin ich froh, mich für das Erasmussemester entschieden zu haben. Ich hätte mir zwar auf der akademischen Ebene mehr Herausforderungen gewünscht. Die letzten fünf Monate boten mir aber die Möglichkeit, ein anderes Studiensystem zu erfahren, wirklich flüssig in einer fremden Sprache zu werden, Teil der Universitätskultur eines anderen Landes zu sein und großartige Menschen kennenzulernen.

Frankreich

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