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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da in meinem Studiengang (PVO) ein Praktikums- bzw. Auslandssemester verpflichtend vorgesehen ist, habe ich mich bereits frühzeitig mit diesen beiden Möglichkeiten beschäftigt. Letztlich fiel meine Wahl auf das Auslandssemester und dabei konkret auf Frankreich als Studienort, da ich zum einen meine Französischkenntnisse als dritte Fremdsprache ausbauen, und ganz generell ein anderes akademisches System kennenlernen wollte. Ich habe mich deshalb auch ausschließlich für Austauschplätze in Frankreich beworben. Nach dem Erhalt der Zusage seitens der Uni Potsdam für einen Platz an der Sciences Po Lille wurde ich recht zeitnah von den dortigen Austauschkoordinatoren kontaktiert und aufgefordert, weitere Unterlagen auf einer Online-Plattform hochzuladen. Dies beinhaltete u.a. einen englischsprachigen Lebenslauf, eine Geburtsurkunde und einen Nachweis über eine Krankenversicherung. Dankenswerterweise ist es möglich, all diese Unterlagen auf Deutsch einzureichen, sodass man sich (womöglich sogar beglaubigte) Übersetzungen sparen kann. Insgesamt handelt es sich dabei aber nur um Formalitäten. Entscheidend ist, dass man von der Uni Potsdam für den Austauschplatz ausgewählt wird.


Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 08/2023 - 12/2023

Gastuniversität:Sciences Po Lille

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Durch das oben bereits erwähnte semi-verpflichtende Auslandssemester war ich in der Kurswahl ziemlich frei, da es möglich ist, Kurse für 30 LP zu belegen und sich diese dann pauschal als ein unbenotetes Modul in Potsdam anerkennen zu lassen. Ich habe diese Freiheit insofern genutzt, als dass ich mich für das von der Sciences Po angebotene „Certificate of European and International Studies“ angemeldet habe. Teil dieses Zertifikats sind ein Französischkurs à 4 ECTS, zwei englischsprachige Kurse zu Grundlagen der EU und internationaler Sicherheitspolitik (à jeweils 8 ECTS) sowie zwei frei wählbare Kurse à jeweils 5 ECTS, die ich beide freiwillig mit französischsprachigen Kursen „gefüllt“ habe. Es ist allerdings auch möglich, das komplette Semester ausschließlich auf Englisch zu studieren. Grundsätzlich bin ich mit recht hohen Erwartungen an das akademische Niveau der Sciences Po Lille an das Semester herangegangen. Schließlich gilt die Uni, wie insbesondere die französische Seite nicht müde wird zu betonen, als „Eliteuniversität“ und allgemein zweitbeste Adresse für PoWi in Frankreich (nach Sciences Po Paris). Letztlich habe ich von diesem vermeintlichen Elitestatus nicht viel gemerkt. Allgemein waren sämtliche Kurse durch eine ziemlich hohe Oberflächlichkeit gekennzeichnet, bei der zwar viele Themenbereiche gestreift, aber eben nie wirklich vertieft wurden. So wurden beispielsweise gerne und häufig „Koryphäen“ wie beispielsweise Max Weber zitiert und erwähnt, eine tiefergehende Beschäftigung mit ihnen fand dann aber nicht statt. Dies mag zwar in Teilen sicherlich auch daran gelegen haben, dass ich ausschließlich Kurse für ausländische Studierende besucht habe, da die französischen Studierenden ihr drittes Bachelorjahr im Ausland verbringen müssen und es somit keine „genuin französischen“ Kurse für das fünfte und sechste Semester gibt. Allerdings haben Personen, die in Teilen sogar französische Masterkurse (im Bachelor) belegt haben, ähnliche Erfahrungen gemacht. Insgesamt ist die Sciences Po Lille sowie die dazugehörige Bibliothek modern ausgestattet, zentral gelegen und verfügt dank der verhältnismäßig kleinen Größe über eine fast schon familiäre Atmosphäre, sodass man häufig auf ein bekanntes Gesicht stößt. Allerdings ist insbesondere die Bibliothek chronisch überfüllt, wodurch es gerade nachmittags praktisch unmöglich ist einen Lernplatz zu finden, der diesen Namen verdient. Im Laufe des Jahres 2024 soll aber ein neues Gebäude mit Seminar- und Gruppenarbeitsräumen eröffnet werden. In punkto Organisation waren die beiden Austauschkoordinatoren, Fabienne und Valentin, jederzeit ansprechbar und stets bemüht, eine Lösung für etwaige Probleme zu finden. Meine Kurse verliefen zum Glück reibungslos, allerdings gab es in anderen Kursen wohl durchaus Probleme mit Gastdozenten bzw. Lehrbeauftragten, die mit der Organisation der Sciences Po nicht wirklich vertraut waren. Dadurch, dass es an der Sciences Po Lille kein deutsches Lehrstuhlsystem mit dazugehörigem Sekretariat etc. gibt, gestaltete sich auch die Kommunikation mit den Dozenten in der Regel sehr direkt und unkompliziert und es war eigentlich immer möglich, sich in Zweifelsfällen an diese zu wenden.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Durch das für die französischen Studierenden verpflichtende Auslandsjahr finden sich im Umkehrschluss auch viele ausländische Studierende an der Sciences Po Lille. Dabei kommen diese nicht nur aus europäischen Ländern, sondern aus der ganzen Welt, sodass man mit Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen in Kontakt kommt. Das „Bureau des Internationaux“, eine Art Hochschulgruppe, veranstaltet zu Beginn des Semesters eine Einführungswoche mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, auf denen es sehr einfach möglich ist seine neuen Mitstudierenden kennenzulernen. Während des Semesters veranstaltet „Erasmusplace“, eine gemeinnützige Organisation für ganz Lille, weitere Veranstaltungen und Ausflüge, sodass es eigentlich immer möglich ist andere internationale Studierende kennenzulernen. Der Kontakt zu einheimischen Studierenden gestaltete sich eher schwieriger, da diese zum einen eine hohe Arbeitsbelastung haben und man durch die Vielzahl an Kursen für Austauschstudierende doch etwas isoliert ist. Trotzdem wird man (so man es denn möchte) in alle Veranstaltungen für „normale“ Studierende integriert und auch die diversen Hochschulgruppen und der Hochschulsport sind sicherlich eine gute Möglichkeit, Kontakte außerhalb der „Blase“ zu knüpfen. Hierbei empfiehlt es sich dann natürlich, etwas ausgeprägtere Französischkenntnisse zu besitzen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor dem Auslandssemester würde ich meine Englischkenntnisse im Bereich C1/C2 ansiedeln und meine Französischkenntnisse in einem ziemlich soliden B2-Bereich. Ich kann ehrlich gesagt nicht wirklich beurteilen, ob sich diese in beiden Sprachen signifikant verbessert haben. Allerdings konnte ich definitiv eine Verbesserung im Sinne einer spontaneren und „natürlicheren“ Sprachverwendung feststellen. Darüber hinaus konnte ich zumindest in Französisch während des Semesters eine Verbesserung meiner Hörverstehensfähigkeiten beobachten. So war es zu Beginn durchaus fordernd, einem zweistündigem Seminar auf Französisch zu folgen, gegen Ende gestaltete sich das aber deutlich einfacher und angenehmer. Auch wenn man von einem Auslandssemester nicht unbedingt große Sprünge in der Sprachkompetenz erwarten darf, besitze ich nun auf jeden Fall eine größere Souveränität in beiden Sprachen, was mich definitiv weitergebracht hat.

Wohn- und Lebenssituation

In Lille befindet sich neben der Sciences Po eine Vielzahl von oftmals deutlich größeren Universitäten und Hochschulen. Dementsprechend ist auch der Markt für WG-Zimmer oder 1-Zimmerappartments relativ angespannt. Es empfiehlt sich also so früh wie möglich mit der Wohnungssuche anzufangen. Dies wird allerdings dadurch etwas erschwert, dass Wohnungs- und Zimmervermietungen in Frankreich eher kurzfristig stattfinden. Das Mietniveau ist im Großen und Ganzen mit dem in Berlin/Potsdam vergleichbar, sodass 400 bis 600 Euro für ein Zimmer durchaus ein normaler Mietpreis sind. Konkret habe ich ein frisch renoviertes Zimmer in einer 8er WG, die dann allerdings auch ein ganzes Haus umfasste, über „Colocatère“, einer Makleragentur, die sich auf die Bedürfnisse von Studierenden spezialisiert hat, gefunden. Seitens der Gastuniversität wird einem zwar auch ein Zugang zu einer Wohnungsplattform („Studapart“) bereit gestellt, man sollte sich aber nicht darauf verlassen, hierüber eine Unterkunft zu finden. Darüber hinaus ist es prinzipiell auch möglich, einen Platz in einem staatlich subventionierten Wohnheim zu bekommen. Allerdings stehen, sofern man nicht das französische Äquivalent zu Bafög erhält, die Chancen dafür eher schlecht, da an einem einzigen Tag landesweit sämtliche Restplätze über eine äußerst instabile Internetseite vergeben werden. Der öffentliche Nahverkehr in Lille und Umgebung ist prinzipiell gut ausgebaut und es gibt zwei U-Bahnlinien, die auch umliegende Städte wie Roubaix oder Vileneuve-d’Ascq an das Zentrum von Lille anbinden. Diese verkehren aber nur bis kurz nach Mitternacht, was man bei der Wohnungssuche berücksichtigen sollte. Generell ist das Preisniveau in Frankreich merklich höher als in Deutschland, was sich bei mir bereits bei meinem ersten Supermarktbesuch bemerkbar machte. Und auch ein Kneipen- oder Barbesuch kann unter Umständen deutlich teurer sein als in Deutschland. Dafür gibt es davon aber dann auch eine sehr große Auswahl von ihnen und auch sonst gibt es in Lille eine Vielzahl an Freizeitangeboten. Zudem liegt die Stadt sehr verkehrsgünstig, sodass man relativ einfach Ausflüge nach Belgien, die Niederlande oder Frankreich machen kann. So ist man mit dem TGV zum Beispiel in 30 Minuten in Brüssel oder in einer Stunde in Paris.

Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 08/2023 - 12/2023

Gastuniversität:Sciences Po Lille

Gastland: Frankreich


Rückblick

Insgesamt war mein Erasmus-Semester in Lille eine wirklich unvergessliche Erfahrung mit einer Vielzahl wunderschöner Erlebnisse. Auch wenn man in Lille akademisch nicht zu viel erwarten sollte, besitzt die Stadt doch eine sehr hohe Lebensqualität und mit der Sciences Po eine sehr international ausgerichtete Uni, an der man auch als Austauschstudent schnell Anschluss findet.

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