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Starke Wurzeln, starke Frauen

Wie Vietnamesinnen die Mangroven zurückbringen wollen
Wenn sie einmal groß sind, sollen diese jungen Mangrovenbäume hohe Wellen dämpfen. Foto: René Arnold

Wenn sie einmal groß sind, sollen diese jungen Mangrovenbäume hohe Wellen dämpfen. Foto: René Arnold

Einst bedeckten sie die Küsten Vietnams über weite Strecken, doch heute gibt es hier nur noch wenige intakte Mangrovenwälder. Die natürlichen Wellenbrecher wurden abgeholzt. Der Umweltwissenschaftler Philip Bubeck betreut gemeinsam mit einer lokalen NGO, der Frauengewerkschaft und der Freien Universität Amsterdam ein Projekt, das die Mangroven wieder zurückbringen soll.

An der Küste der vietnamesischen Provinz Thua Thien Hue wachsen sie wieder. Noch sehen sie zart aus, die kleinen Mangrovenbäume. In wenigen Jahren werden sie mit ihren kräftigen Stelzwurzeln ein dichtes Gebüsch gebildet haben. Die Menschen der Region haben die Bäumchen gepflanzt. Sie sollen ihnen besseren Schutz vor den verheerenden Hochwassern bieten, die das Land vor allem in der Taifunsaison zwischen Mai und November heimsuchen.

„Die Frauen leiden besonders unter den Folgen des Hochwassers“, sagt Philip Bubeck, der in einem Forschungsprojekt genauer untersuchte, wie den Menschen vor Ort geholfen werden kann. Seine Daten aus Befragungen zeigen, dass Frauen stärker betroffen sind und länger benötigen, um sich von den Folgen eines Hochwassers zu erholen. „Sie kümmern sich um Eltern, Kranke und Kinder, sind dadurch weniger mobil und können sich schlechter in Sicherheit bringen. Oft sind ihre Einkommen besonders stark durch Hochwasser gefährdet – weil sie in der Landwirtschaft arbeiten oder in der flachen Lagune fischen“, erklärt Bubeck. Zudem haben es Frauen in den Küstenregionen schwerer, Kredite zu erhalten. Um ihnen zu helfen und gleichzeitig die hochwassergefährdeten Gebiete widerstandsfähiger gegenüber Naturgefahren und dem Klimawandel zu machen, wandten die Forscherinnen und Forscher um Bubeck das Konzept der „ökosystembasierten Anpassungen“ an. Dabei werden natürliche Ökosysteme intelligent genutzt, um die Naturrisiken zu verringern. Mangrovenwälder bannen die Naturgewalten, indem sie die hohen Wellen, die die Taifune mit sich bringen, dämpfen und die Erosion der Küsten verhindern. Zwischen ihren Wurzeln finden Jungfische Schutz und Nahrung – das verbessert die Einkommen der fischenden Frauen. Auf zwei Flächen von insgesamt fünf Hektar bilden in Thua Thien Hue nun mehr als 10.000 Bäume einen natürlichen, lebendigen Schutzwall. Gleichzeitig restaurierten die Projektteilnehmer Stadtgewässer in der Provinzhauptstadt Hue, die ein Weltkulturerbe ist. Das bei Touristen beliebte „Sanssouci von Vietnam“, wie es Bubeck nennt, besitzt zahlreiche vernetzte Wasserwege, die jedoch durch Bauten und Müll verstopft waren. Bei starkem Regen überflutete das Wasser die Stadt. „Die Teiche und Seen sind aber nicht nur für den Wasserhaushalt wichtig, sondern bieten den Frauen auch weitere Einkommensquellen“, ergänzt Bubeck. Denn viele von ihnen führen in den beliebten Erholungsgebieten Cafés.

Die Kosten-Nutzen-Analyse der Forschenden zeigte: Die Maßnahmen lohnen sich – auch wirtschaftlich. Die Schäden durch Hochwasser sinken, während gleichzeitig die Einkommen gesichert werden. Derzeit loten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, wie die Menschen vor Ort die Mangroven zusätzlich nutzen könnten. So ließe sich etwa zusätzliches Einkommen generieren, indem die Setzlinge der Mangroven gepflegt und die Pflanzen vermehrt werden. „Es ist ein Anfang“, sagt Bubeck über sein Projekt. Die Erkenntnisse aus Vietnam wollen die Forschenden auch auf andere Regionen anwenden, die durch Naturrisiken besonders gefährdet sind.

Mehr Informationen über das Projekt unter:
www.weadapt.org/placemarks/maps/view/35396

Text: Heike Kampe
Online gestellt: Sabine Schwarz
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde