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Sichtbare Dialoge

Transgressive Zeichen und ihre Botschaften an der Universität Potsdam

Im Rahmen des Projektseminars „Sprachlandschaften: Mehrsprachigkeit in Brandenburg erkunden – Linguistic Landscapes: Exploring Multilingualism in Brandenburg“ untersuchten meine Forschungspartnerin Lissy Janzen und ich, Jule Petersen, die Frage, wie Kommunikation durch Zeichen zwischen Studierenden auf dem Campus der Universität Potsdam funktioniert. Im Zentrum unseres Forschungsprojekts standen sogenannte transgressive Zeichen, also nicht offiziell institutionell angebrachte Botschaften wie Sticker, Graffiti, Kritzeleien oder Aushänge. Der Fokus lag dabei auf Reaktionen von Studierenden auf Zeichen von anderen Studierenden, die als Kommunikation gedeutet werden können.

Unsere zentrale Fragestellung lautete: Welche Orte auf dem Potsdamer Unicampus sind besonders produktiv für das Auftreten transgressiver Zeichen, und welche Funktionen erfüllen diese Zeichen dort? Besonders interessierten uns Orte wie Schwarze Bretter, Toiletten, Straßenlaternen, Mensen oder Vorlesungs- und Seminarräume, da diese unterschiedliche Grade institutioneller Kontrolle aufweisen.

Zu Beginn der Untersuchung formulierten wir die These: „Je geringer die institutionelle Überwachung eines Ortes, desto höher die Dichte und Vielfalt transgressiver Zeichen.“ Um diese These zu überprüfen, führten wir zunächst eine quantitative Analyse durch. Das Datenmaterial bestand aus einer Auswahl transgressiver Zeichen, die an verschiedenen Standorten der Universität Potsdam gefunden wurden.

Die Ergebnisse zeigten, dass in stärker überwachten Bereichen wie dem Hörsaal in Haus 5 insgesamt 19 Zeichen gefunden wurden, während in weniger überwachten Orten wie Damentoiletten oder Hausfluren deutlich weniger Zeichen dokumentiert wurden. Beispielsweise fanden wir in den Damentoiletten des Hauses 19 zwei Zeichen, in den Fluren von Haus 9 ein Zeichen und an Straßenlaternen am Neuen Palais fünf Zeichen. In einigen Bereichen, wie der Damentoilette des Instituts für Mathematik, konnten keine transgressiven Zeichen festgestellt werden.

Die Ergebnisse unserer Analyse zeigen, dass die ursprüngliche These nur teilweise bestätigt werden kann. Einerseits erwiesen sich Orte mit geringer institutioneller Überwachung, etwa Toiletten oder Wege auf dem Campus, tatsächlich als Orte, an denen transgressive Zeichen häufiger auftreten. Andererseits fanden wir auch Hinweise, die der These widersprechen. Besonders das Hörsaalgebäude Haus 5 stellte einen Sonderfall dar, da dort trotz hoher institutioneller Kontrolle die größte Anzahl transgressiver Zeichen dokumentiert wurde.

Table 1: Ergebnisse der Erhebung für die erste Fragestellung

Um die zweite Forschungsfrage zu beantworten, führten wir zusätzlich eine qualitative Analyse durch. Dabei konnten verschiedene Funktionen transgressiver Zeichen identifiziert werden. Viele Zeichen kommunizieren politische Botschaften oder machen auf Umweltprobleme aufmerksam. Andere dienen dazu, soziale oder romantische Kontakte herzustellen. Darüber hinaus fiel auf, dass die Gestaltung der Zeichen häufig kreativ ist und selbstgezeichnete Bilder enthalten kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die dialogische Ebene der Zeichen (vgl. Figure 1). Häufig wurden bestehende Botschaften ergänzt, kommentiert oder verändert, wodurch eine Art schriftlicher Dialog zwischen verschiedenen (anonymen) Personen entstand. Teilweise entstanden die Zeichen unserer Auffassung nach jedoch spontan oder aus Langeweile, ohne eine tiefere politische oder soziale Intention.

Insgesamt zeigt unsere Untersuchung, dass transgressive Zeichen ein bedeutender Bestandteil der sprachlichen Landschaft der Universität Potsdam sind. Sie machen sichtbar, wie Studierende öffentliche Räume nutzen, um sich auszudrücken, miteinander zu kommunizieren und gesellschaftliche Themen aufzugreifen.


Die Studie und Seite wurden von Lissy Janzen und Jule Petersen durchgeführt und inhaltlich erstellt.