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„Wir wollen dafür sorgen, dass wirklich alle teilhaben können“ – Wie Eva Roßmanith von der Potsdam Graduate School ans Senckenberg Naturmuseum kam

  • Dr. Eva Roßmanith | Foto: privat
    Photo: privat
    Dr. Eva Roßmanith

Wie viele Menschen können von sich behaupten, ihren Traumjob gefunden zu haben? Dr. Eva Roßmanith zählt zu ihnen, sogar Arbeitgeber und Einsatzort stimmen. Seit 2013 ist sie zuständig für den Bereich Bildung und Vermittlung des Senckenberg Naturmuseums und ist aktuell zudem kommissarische Leiterin des renommierten Hauses. Nach ihrer Promotion an der Uni Potsdam leitete sie an der Potsdam Graduate School (PoGS) die Projekte „Senior Teaching Professionals“ und „International Teaching Professionals“. Ihre Zeit bei der PoGS, die 2026 ihr 20-jähriges Bestehen feiert, prägt bis heute ihre Arbeit.

Schon als Studentin der Biologie an der Frankfurter Goethe-Universität bekam Eva Roßmanith einen Eindruck davon, wie es ist, im Senckenberg Naturmuseum zu arbeiten. „Damals habe ich Besucherinnen und Besucher durch das Museum geführt, was mich wahnsinnig glücklich gemacht hat“, erinnert sie sich. Aber Jobs in der Museumspädagogik sind rar gesät, besonders wenn man an einem bestimmten Ort arbeiten möchte. „Darum habe ich die Idee verdrängt und bin zum Promovieren nach Potsdam gezogen“, sagt Roßmanith.

Thema ihrer Doktorarbeit war der Kleinspecht, der, nicht größer als ein Spatz, wie eine Miniaturversion des Buntspechts aussieht. Die Promotionsstelle dafür hat sich Eva Roßmanith selber ausgedacht und die notwendigen Gelder dafür eigenständig eingeworben: „Das war mir ein Anliegen. Ich wollte mich ganz der Forschung widmen, ohne nebenbei arbeiten zu müssen.“ Die Daten dafür hatte Roßmanith zwischen 1998 und 2003 im hessischen Taunusgebirge erhoben. Dort hat sie die gefährdeten Vögel mit Sendern ausgestattet, um deren Lebensweise und Fortpflanzungsverhalten studieren zu können.

Für ihre Dissertation, die ein wichtiger Beitrag zum besseren Verständnis der Art ist und damit zum Schutz des Kleinspechts beiträgt, wurde die Biologin mit dem Sonderpreis der Deutschen Wildtierstiftung ausgezeichnet. Als Postdoc befasste sie sich mit der Veränderung der Biodiversität in Südafrika. Doch nach fünf Jahren wollte sie den Fokus ihrer wissenschaftlichen Arbeit ändern: „Die Arbeit einer Wissenschaftlerin, die sehr stark auf die Produktion von Papers ausgerichtet ist, hat mich irgendwann nicht mehr gereizt. Ich hatte eher Lust auf Lehre und Wissensvermittlung.“

So kam Eva Roßmanith 2010 zur PoGS und entwickelte als Projektleiterin das Programm „Senior Teaching Professionals“. „Dr. Heike Küchenmeister war damals Leiterin der PoGS und hat die Schule mit aufgebaut. Und da wir uns aus einer Arbeitsgruppe kannten, hat sie mich gefragt, ob ich sie unterstützen möchte.“ Ziel des Programms, das heute den Namen „Teaching Professionals“ trägt, ist es, Postdocs und Jungprofessor*innen didaktische Techniken für die Lehre an die Hand zu geben.

Aber es geht auch, wie bei allen Bildungsangeboten der PoGS, um das Netzwerken. „Meine Aufgabe war nicht nur, das Programm zusammenzustellen und gute Trainer zu finden. Ich habe auch geschaut, dass sich eine Gruppe von Teilnehmenden zusammenfindet, die alle in einer ähnlichen Situation sind und sich auch über den Kurs hinaus austauschen“, erklärt Roßmanith. Sie selbst hat die von ihr organsierten Kurse auch besucht. Zum einen, um diese zu evaluieren. „Aber auch, weil es immer schön ist, selbst noch was zu lernen.“

Mit dem Wissen aus ihrer Forschung, der Zeit an der PoGS und ihrer Erfahrung aus der Wissensvermittlung in Museen in Frankfurt, Potsdam, auf Sylt und auf einem Lernbauernhof war sie eigentlich perfekt vorbereitet für den fast schon vergessenen Job in der Museumspädagogik – der 2013 tatsächlich ausgeschrieben wurde. „Mein Traumjob, die Leitung der Museumspädagogik, wurde frei und ich wollte ohnehin gerne wieder nach Frankfurt ziehen. Und dann dachte ich, ich kann mich ja mal bewerben“, erinnert sich Roßmanith. 

Mit Erfolg. Seit 2013 leitet sie den Bereich Bildung und Vermittlung des Senckenberg Naturmuseums in Frankfurt und hat seither bereits zwei Mal kommissarisch die Leitung des gesamten Museums übernommen. Das Museum gehört zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Geforscht wird dort viel: Von den gut 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind 300 Forschende, die Sammlungen umfassen mehr als 45 Millionen Exponate. Insgesamt gibt es acht Senckenberg Institute in ganz Deutschland, zwei kleinere Museen befinden sich in Dresden und Görlitz. 

„Meine Aufgabe ist es, die Arbeit unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Bildungsprojekte zu übersetzen. Etwa als Führungen, Workshops, in Ausstellungen oder indem wir unsere Forschenden direkt ins Museum stellen.“ Diese sprechen dann mit Besucherinnen und Besuchern und vermitteln ihre Arbeit, ihre Denkweise und die Prozesse der Wissenschaft im Allgemeinen. So soll letztlich auch das Vertrauen in die Wissenschaft gestärkt und Distanz abgebaut werden. 

Der Museumspädagogin ist es dabei wichtig, so viele Menschen wie möglich einzubinden. Die entscheidende Frage ist: Wie erreicht man die, die nicht ohnehin von sich aus ins Museum kommen? „Mit unseren Outreach-Programmen gehen wir an Schulen, bei denen wir das Gefühl haben, dass diese eher nicht zu uns kommen. Manche Lehrerinnen und Lehrer trauen ihren Klassen gar nicht zu, dass ein Ausflug ins Museum gelingen kann“, erklärt Roßmanith. „Wir wollen aber dafür sorgen, dass wirklich alle teilhaben können.“

Dabei hilft ihr ihre Erfahrung als Wissenschaftlerin: „Mein eigener Forschungshintergrund ist dabei ein großer Vorteil, da ich unsere Forschenden sehr gut verstehe. Ich spreche sozusagen ihre Sprache und kann die Inhalte dann für die allgemeine Öffentlichkeit übersetzen.“ Aber auch von dem, was sie bei der PoGS über Bildung und Organisation gelernt hat, profitiert sie bis heute und denkt gerne an ihre Zeit dort zurück: „Ich habe mich in dem Team wahnsinnig wohl gefühlt und hatte tolle Kolleginnen. Das war eine schöne Zeit, die mir sehr am Herzen liegt.“


Die Potsdam Graduate School (PoGS) ist das Kompetenz- und Beratungszentrum für Forschende in der Qualifizierungsphase. Nach dem Motto „Fördern. Weiterbilden. Vernetzen“ unterstützt sie Promovierende, Postdocs sowie Junior- und Tenure-Track-Professor*innen durch finanzielle Förderung, zielgruppenspezifische Weiterbildungen sowie Beratungs- und Vernetzungsangebote für Karrieren in und außerhalb der Wissenschaft. 2026 feiert die PoGS, die ihren Sitz in der Wissenschaftsetage hat, ihr 20-jähriges Jubiläum. Mit Veranstaltungen u.a. zu KI & Innovation, Wissenschaftskommunikation und Research Integrity besucht sie die verschiedenen Campus der Uni Potsdam.

Mehr unter: https://www.uni-potsdam.de/de/pogs/vernetzen/20-jahre-pogs