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Forschung mit Wirkung – Potsdam Transfer und die Förderung nachhaltiger Gründungen

  • Eine Frau und ein Mann stehen nebeneinander und schauen in die Kamera.
    Photo: Sandra Cava
    Die Programmleiterin der „Impact Labs“ Charleen von Kolpinski und der Leiter des Startup-Service Johannes Zier.
  • Eine Frau und ein Mann stehen nebeneinander und schauen in die Kamera.
    Photo: Sandra Cava
    Die Programmleiterin der „Impact Labs“ Charleen von Kolpinski und der Leiter des Startup-Service Johannes Zier.

Höher, schneller, weiter – lautet so das zwangsläufige Credo guter Förderung von Wissens- und Technologietransfer? Schon lange nicht mehr, sagen die Expertinnen und Experten von Potsdam Transfer, der zentralen Einrichtung für Gründung, Innovation, Wissens- und Technologietransfer an der Universität Potsdam. Mehr und mehr rücken Umweltverträglichkeit, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in den Fokus, wenn es um Gründung und Innovation geht. Der Leiter des Startup-Service Johannes Zier und die Programmleiterin der „Impact Labs“ Charleen von Kolpinski sprechen im Interview darüber, was Menschen antreibt, die nachhaltige Unternehmen gründen wollen, wie Potsdam Transfer ihnen hilft und wie der Trend auch die Arbeit der Start-up- und Innovationsförderung selbst verändert.

Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sind nicht erst seit gestern wichtige Themen. Wie zeigt sich das in Ihrer Arbeit?

Johannes Zier: Tatsächlich sehen wir bei sehr vielen aktuellen Gründungsideen einen gesellschaftlichen oder ökologischen Bezug. Das reicht von Bildungsprojekten über Gesundheitsinnovationen bis hin zu technologischen Lösungen für Umweltprobleme. Besonders spannend ist, dass viele dieser Ideen direkt aus wissenschaftlicher Forschung entstehen. Ein gutes Beispiel sind Teams, die neue Technologien entwickeln, um Ressourcen effizienter zu nutzen oder Umweltbelastungen zu reduzieren. Andere beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie Bildungsgerechtigkeit oder psychischer Gesundheit. Der Wunsch, Forschungsergebnisse in einen konkreten gesellschaftlichen Nutzen zu überführen, ist deutlich spürbar.

Charleen Kolpinski: Manchmal kommen die Menschen auch mit einer sehr grundsätzlichen Motivation zu uns. Sie wissen vielleicht noch nicht genau, wie ihr Geschäftsmodell aussehen wird, möchten aber aktiv dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. Diesen Wunsch erleben wir immer häufiger.

Johannes Zier: Gleichzeitig hat sich auch die Förderlandschaft verändert. Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Wirkung spielen heute bei vielen Programmen eine wichtige Rolle. Dadurch ist das Thema längst kein Nischenthema mehr, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit.

Charleen Kolpinski: Auch in der Beratung beobachten wir diesen Wandel. Die Teams interessieren sich nicht mehr nur dafür, wie sie ein Geschäftsmodell entwickeln oder Finanzierungsmöglichkeiten finden können. Sie fragen auch: Welche Wirkung erzielen wir eigentlich? Wie können wir diese Wirkung messen? Wie stellen wir sicher, dass unser Unternehmen nachhaltig handelt? Deshalb beschäftigen wir uns heute viel stärker mit Themen wie Impact-Messung, Nachhaltigkeitsindikatoren oder den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Wir unterstützen die Teams dabei, ihre gesellschaftliche oder ökologische Wirkung systematisch zu erfassen und weiterzuentwickeln.

 

Gleichzeitig steht Gründung oft für Wachstum. Wie passt das mit Nachhaltigkeit zusammen?

Charleen Kolpinski: Diese Frage stellen wir uns tatsächlich sehr bewusst. Dabei ist es wichtig, zwischen der Skalierung eines Unternehmens und der Skalierung seiner Wirkung zu unterscheiden. Ein Unternehmen kann wachsen, mehr Mitarbeitende beschäftigen und höhere Umsätze erzielen. Gleichzeitig kann aber auch die gesellschaftliche Wirkung wachsen, ohne dass zwangsläufig das Unternehmen selbst deutlich größer werden muss. Für uns ist besonders interessant, wie Teams ihren Impact – also ihre gesellschaftliche Wirkung – vergrößern können. Dabei gibt es unterschiedliche Wege. Manche möchten mehr Menschen erreichen, andere wollen die Wirkung für ihre bestehende Zielgruppe vertiefen. Diese Überlegungen stehen oft im Mittelpunkt unserer Arbeit mit den Teams.

Johannes Zier: Wichtig ist dabei auch die Frage nach den Werten. Wer nachhaltige oder gemeinwohlorientierte Ziele verfolgt, muss sich früh überlegen, welche Form von Wachstum überhaupt gewünscht ist und welche Partner oder Investoren dazu passen. Diese Diskussionen gehören heute ganz selbstverständlich zur Gründungsberatung dazu.

 

Ein aktuelles Instrument von Potsdam Transfer für diese Form der nachhaltigen Gründungsberatung sind die Impact Labs. Was verbirgt sich dahinter?

Johannes Zier: Die Impact Labs sind eines der Kernangebote unseres Projekts „Impact Incubator“. Dabei handelt es sich um ein dreimonatiges Inkubationsprogramm für Teams, die gesellschaftliche oder ökologische Wirkung erzielen möchten. Unser Ziel ist es, wissenschaftsbasierte Gründungsideen dabei zu unterstützen, den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen – sei es in Richtung Gründungsstipendium, Unternehmensgründung oder gemeinwohlorientiertes Geschäftsmodell.

Charleen Kolpinski: In der aktuellen Runde betreuen wir neun Teams. Über drei Monate hinweg begleiten wir sie mit Workshops, Coaching, individueller Beratung mit beispielsweise einer Anwalts- oder Steuerkanzlei, sowie Netzwerkangeboten zu Partnerunternehmen der Universität Potsdam, Forschenden, Investierenden und weiteren Förderinstitutionen für wirkungsorientierte Gründung. Allen Teilnehmenden wird eine individuelle Unterstützung auf ihrem Weg zur Gründung ermöglicht. Zum strukturierten Programm gehören regelmäßige digitale Input-Sessions ebenso wie Präsenztage in Potsdam. Die Themen reichen von Projektmanagement und Geschäftsmodellentwicklung über Teamarbeit und Entscheidungsfindung bis hin zu Pitch-Training und Wirkungsmessung. Jedes Team erhält außerdem individuelles Coaching, um die Inhalte direkt auf das eigene Projekt anzuwenden. Zudem fahren wir zusammen zum Waterkant Entrepreneurship Festival nach Kiel, wo unsere Teams nicht nur ihr Netzwerk ausbauen, sondern auch die Chance bekommen, auf einer großen Bühne zu pitchen. Uns ist wichtig, dass die Teilnehmenden nicht nur Wissen aufnehmen, sondern dieses auch unmittelbar umsetzen können.

 

Was unterscheidet die Impact Labs von anderen Gründungsprogrammen?

Johannes Zier: Der entscheidende Unterschied ist der Fokus auf gesellschaftliche Wirkung. Natürlich beschäftigen wir uns auch mit klassischen Gründungsthemen. Gleichzeitig lernen die Teams aber, wie sie Wirkung systematisch planen, messen und weiterentwickeln können. Dazu arbeiten wir mit erfahrenen Partnern zusammen, etwa aus dem Bereich Impact Investing oder Wirkungsanalyse. Die Teilnehmenden entwickeln beispielsweise eigene Wirkungsziele, lernen Methoden des Impact Managements kennen und setzen sich mit passenden Finanzierungsformen auseinander.

Charleen Kolpinski: Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist unser wissenschaftlicher Ansatz. Wir arbeiten sehr evidenzbasiert und nutzen wissenschaftliche Methoden auch bei Themen wie Wirkungsmessung, Teamarbeit oder Entscheidungsprozessen. Das passt besonders gut zu unserer Zielgruppe. Viele Teilnehmende kommen selbst aus der Forschung und möchten ihre Gründung auf eine fundierte Grundlage stellen. Deshalb arbeiten wir nicht mit einfachen Standardlösungen, sondern versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah nutzbar zu machen.

 

Und wie messen Sie, ob die Impact Labs selbst erfolgreich sind?

Charleen Kolpinski: Wirkung zu messen ist nicht ganz einfach, insbesondere weil wir selbst vor allem indirekt wirken. Wir unterstützen die Teams, die später gesellschaftliche Wirkung entfalten wollen. Deshalb begleiten wir die Teilnehmenden über den gesamten Programmverlauf hinweg. Wir erfassen Kompetenzen, Lernfortschritte und Veränderungen im Verhalten. Darüber hinaus schauen wir uns an, welche Entwicklungen langfristig stattfinden – etwa, ob Gründungen entstehen, ob neue Partnerschaften aufgebaut werden oder ob die Teams ihre angestrebten Wirkungsziele tatsächlich erreichen. Wir kombinieren dabei qualitative und quantitative Methoden und entwickeln unsere Instrumente kontinuierlich weiter.

 

Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach der ersten Runde aus?

Johannes Zier: Wir sind sehr zufrieden mit dem Start. Bereits die Bewerbungsphase hat gezeigt, dass es großes Interesse gibt. Besonders erfreulich war die hohe Qualität der Bewerbungen. Die Teams bringen ganz unterschiedliche Perspektiven mit – von Umwelttechnologien über Bildungsinnovationen bis hin zu Gesundheitslösungen. Gleichzeitig befinden sie sich alle in einer ähnlichen Entwicklungsphase, sodass sie viel voneinander lernen können.

Charleen Kolpinski: Besonders schön ist zu sehen, wie schnell eine Gemeinschaft entstanden ist. Die Teams unterstützen sich gegenseitig, geben Feedback und tauschen Erfahrungen aus. Genau das war eines unserer Ziele. Viele Gespräche zeigen bereits jetzt, dass Kontakte entstehen, die weit über das Programm hinaus Bestand haben könnten. Für uns ist das ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Impact Labs nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch ein Netzwerk schaffen.

 

Wie geht es nach dieser ersten Runde weiter?

Johannes Zier: Zunächst möchten wir aus den Erfahrungen der Pilotphase lernen. Wir beobachten sehr genau, welche Angebote besonders hilfreich sind und wo wir nachschärfen können. Dabei stellt sich beispielsweise die Frage, ob wir künftig bestimmte Schwerpunkte stärker ausbauen sollten – etwa die Zusammenarbeit mit Unternehmen, den Zugang zu Investoren oder die Kompetenzentwicklung der Teams.

Charleen Kolpinski: Unser Hauptziel bleibt aber dasselbe: Forschende und Gründungsinteressierte dabei zu unterstützen, ihre Ideen in nachhaltige und wirkungsvolle Lösungen zu überführen. Wir sehen großes Potenzial in diesem Bereich und erleben, dass immer mehr Menschen aus der Wissenschaft ihre Forschungsergebnisse aktiv in die Gesellschaft tragen möchten. Diesen Weg wollen wir auch künftig begleiten.

 

Weitere Informationen 

Zur Arbeit von Potsdam Transfer: https://www.uni-potsdam.de/de/potsdam-transfer 

Zu den Impact Labs: http://www.potsdam-transfer.de/impactlabs