Was steht in Ihrem Buch – in drei Sätzen?
Es handelt sich um die Jubiläumsnummer von „HiN – Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien“. Sie enthält wichtige Beiträge aus verschiedenen Ländern Europas, Lateinamerikas, der USA und China. Die Nummer gibt neue und neueste Einblicke in das Schaffen und Wirken Alexander von Humboldts.
Hat Ihr Buch eine Geschichte?
Es ist die fünfzigste Ausgabe einer Zeitschrift, die ich mit einem geringen Startkapital vom Haus der Kulturen der Welt als elektronische Zeitschrift zu einer Zeit begonnen habe, als alle Welt mich vor einem Vierteljahrhundert fragte, was denn eine digitale Zeitschrift solle und wen man denn damit erreichen könne. Mit der digitalen Zeitschrift erreichen wir mittlerweile eine immense Leserschaft in Europa, in den Amerikas, in Australien und in Asien, wobei wir seit einigen Jahren an der Universität Potsdam eine Print-Ausgabe veröffentlichen, um die visuelle und haptische Schönheit vieler Aspekte der Humboldt-Forschung einem Publikum in Deutschland und ein wenig auch in Europa vor Augen führen zu können.
Warum ist Ihr Buch wie kein anderes?
„HiN – Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien“ ist DIE internationale Zeitschrift innerhalb der Humboldt-Forschung, die ich gemeinsam mit Eberhard Knobloch und im Verbund zwischen der Universität Potsdam und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) als Gemeinschaftsprojekt und mit Unterstützung meines Langzeit-Akademienvorhabens „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung“ herausgebe. Es gibt keinen besseren Ort, um neue Forschungen über Humboldt einem internationalen Publikum vorzustellen.
Die Zeitschrift HiN gibt es seit 25 Jahren. Wie würden Sie diese Zeit zusammenfassen?
Vor 25 Jahren waren elektronische Zeitschriften im geisteswissenschaftlichen Bereich etwas völlig Außergewöhnliches. Alexander von Humboldt hatte erst seit Anfang der 1990er Jahre damit begonnen, von einem exquisiten Forschungsgegenstand für Eingeweihte zu einer in verschiedensten Wissenschaften vieldiskutierten Forscherpersönlichkeit zu werden. Die Zeitschrift trug dazu bei, Humboldts Bild in einer breiten nationalen und internationalen Öffentlichkeit zu verändern und sein Denken einer viel breiteren Leserschaft zu vermitteln. Heute zählt Alexander von Humboldt zu den international bekanntesten deutschen Persönlichkeiten. Es ist gelungen, das Humboldt-Werk zeitgleich mit Unterstützung der Zeitschrift nicht nur in deutscher und französischer, sondern auch in englischer, spanischer, portugiesischer und neuerdings auch chinesischer Sprache zu veröffentlichen.
Sie veröffentlichen im Universitätsverlag Potsdam – und damit open access. Warum?
Eine Grundvoraussetzung der internationalen Erreichbarkeit unserer Studien in Alaska oder Venezuela, in Peking oder Hongkong, im Malaysia, Kuba oder Togo ist die öffentliche Zugänglichkeit. Unsere Zeitschrift steht damit im Zusammenspiel unserer Hybrid-Edition im Akademienvorhaben an der BBAW, das die Reisetagebücher und damit zusammenhängende Schriften digital und open access herausgibt. Ein besseres Zusammenspiel ist nicht vorstellbar.
Wer sollte Ihr Buch lesen – und wann?
Erfahrungsgemäß wird unsere Zeitschrift HiN ebenso von Studierenden in China wie in Venezuela, in den USA wie in Südafrika, aber auch von vielen Humboldtforschern weltweit und überdies von vielen Humboldt-Sammlern gelesen, wobei sich immer mehr breit an Humboldt Interessierte der Zeitschrift zuwenden und in der Print-Fassung auch ein ästhetisches Erleben erfahren können, das die digitale Fassung nicht im gleichen Maße bietet. Wir haben gerade mit Blick auf unser Publikum als digitale Zeitschrift begonnen, die nach Jahren erst zusätzlich auch als Print-Fassung erscheint. Selbstverständlich führen wir Statistiken zur weltweiten Verbreitung unserer Online-Zeitschrift und freuen uns darüber, weltumspannend immer neue Leserschichten erschließen zu können.
Was lesen Sie selbst?
In der aktuellen Nummer geht es u.a. um die Beziehung zwischen Humboldts Naturverständnis und der Gartenkunst in China. Ich habe dazu passend viele altchinesischen Klassiker und das Red Chamber Dreams, einen der vier klassischen Romans Chinas gelesen, um die literarischen Traditionen der Gartenbaukunst zu erfassen. Darüber hinaus lese ich heute gerade „Das Vorkommnis“ von Julia Schoch, einer ehemaligen Studentin von mir, deren Romane ich immer mit großer Begeisterung lese.
Das aktuelle Heft ist Nr. 50. Warum macht die Herausgeberschaft noch immer Spaß?
Die Aufgaben der Herausgeberschaft haben sich mit der Zeitschrift verändert. Ging es am Anfang darum, die nationale Humboldt-Forschung erst einmal mit der europäischen zu verbinden, so richten sich die aktuellen internationalen Vernetzungen nicht mehr nur in Richtung Lateinamerika und USA, sondern auf Asien, insbesondere China und nach Kasachstan, wo ich die Gründung eines im September eröffneten „Humboldt Center for Sustainable Development“ initiieren konnte. Die Humboldt-Gemeinde wächst und wächst – und es macht viel Freude und Spaß, dieses Wachstum zu begleiten.
Und worauf könnten Sie getrost verzichten?
Ich möchte eigentlich auf gar nichts verzichten, selbst nicht darauf, wenn Streit zwischen verschiedenen AutorInnen unserer Zeitschrift ausbricht. Das gehört dazu, wenn man eine Zeitschrift herausgibt. In der Forschung ist es selbstverständlich, dass nicht alle dieselben Meinungen teilen. Die Zeitschrift will diese verschiedenen Forschungsperspektiven zum Ausdruck bringen, nicht aber den Streit, der sich von Zeit zu Zeit entzündet. Wir sind das Sprachrohr der internationalen Humboldt-Forschung und nicht ihr Blitzableiter.
Auf einer Skala von 1 bis 10: wie gut ist Ihr Buch?
Absolut 10 – denn der Jubiläumsband stellt die Forschungen in Europa, den Amerikas und China vor, wobei wir ebenso ältere und verdienstvolle ForscherInnen wie auch jüngere DoktorandInnen und HabilitandInnen zu Wort kommen lassen, sodass ein komplexes Bild verschiedener internationaler Forschungsgenerationen entsteht. Und außerdem ist unser Band ganz einfach auch ästhetisch schööööööön!
Wenn Sie könnten: Würden Sie sich für das Buch einen Preis verleihen – und wenn ja, welchen?
Das Buch ist zur Erinnerung an das schreckliche Geschehen und an die Opfer und nicht dazu da, dafür dekoriert zu werden. Natürlich freue ich mich über Hinweise und freundlich-fachlichen Austausch zur Sache.
Und nun noch 3 Sätze zu Ihnen …
Ich habe fast drei Jahrzehnte an der UP gelehrt und von Potsdam aus internationale Forschung betrieben. Gegen Ende meiner Zeit an der UP sind die meisten meiner Vorlesungen auf über 7000 Seiten im Druck und online open access erschienen. Zuletzt erschien mein dritter Roman „Wunder Bunker“. Und unser Jubiläumsheft 50 enthält auch einen Auszug aus meinem vierten Roman, der in diesem Jahr erscheinen soll. Die Arbeit an dem von mir gegründeten Forschungszentrum in China und das Schreiben im fiktionalen Bereich verkörpern für mich die pure Lust am Text. Ich genieße die Freiheit, die ich jetzt habe.
„Zehn Fragen für ein Buch“ öffnet die Tür zum Potsdamer Universitätsverlag und stellt regelmäßig Neuerscheinungen vor. Die Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien „Alexander von Humboldt im Netz“ 26 (2025) 50 ist online hier (https://www.hin-online.de/index.php/hin/issue/view/51) verfügbar und kann hier als Buch bestellt werden (https://shop.verlag.uni-potsdam.de/shop/alexander-von-humboldt-im-netz-26-2025-50/). Weitere Neuerscheinungen aus dem Universitätsverlag hier (https://shop.verlag.uni-potsdam.de/neuerscheinungen/

