Grüne Chemie im Planspiel – Seminare erproben und vermitteln Ideen für eine „Nachhaltige Chemie für den Klimaschutz“

Innovative Lehrprojekte 2022
Chemisches Experiment
Photo : Nino Mühlenberg
Mit ihrem Seminar „Chemistry for Future“ will Dr. Nastja Riemer Studierenden zeigen, dass Chemie durchaus „grün“ sein kann.

Wer an Nachhaltigkeit denkt, dürfte bislang nicht unbedingt zuerst an Chemie denken. Dr. Nastja Riemer will das ändern. Sie hat für verschiedene Seminare Planspiele, mit denen Studierende im Lehramt mehr über Nachhaltige Chemie für den Klimaschutz lernen können, entwickelt und erprobt. Matthias Zimmermann sprach mit Dr. Nastja Riemer über neue Ideen in der Lehre, engagierte Studierende und warum Nachhaltigkeit für die Chemie wichtig ist.

Worum geht es in Ihrem Seminar „Chemistry for Future“?

„Chemistry for Future“ bietet in zahlreichen fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen im Lehramt Chemie erstmals Lerngelegenheiten, die den Themenkomplex Nachhaltige Chemie für den Klimaschutz einerseits und Gelegenheiten zur Diskussion chemischer Fragestellungen andererseits kombinieren. Mit Planspielen rund um grüne Chemie und den Klimaschutz wird eine in puncto Nachhaltigkeit gleich doppelt wertvolle Lernsituation geschaffen, denn mit Planspielen wird theoretisches Wissen sehr intensiv und praktisch angewendet und somit insgesamt nachhaltiges Lernen rund um das Thema Nachhaltigkeit ermöglicht.

Was macht die Lehrveranstaltung innovativ?

Insbesondere die Einführung der Methode Planspiel in die Hochschullehre im Bereich der Chemie. Planspiele sind in der universitären Lehre und auch im schulischen Unterricht bisher eher in der politischen Bildung üblich. Zudem wird das aktuelle und relevante Thema Nachhaltigkeit in den fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen im Lehramtsstudium der Chemie bisher kaum behandelt. Insofern ist das Projekt gleich doppelt innovativ – in Bezug auf die verwendete Methode und die gewählte Thematik.

Wie sieht eine nachhaltige Chemie aus?

Bei nachhaltiger bzw. grüner Chemie steht die Reduzierung der Auswirkungen von Chemikalien auf die Gesundheit von Lebewesen und auf die Umwelt im Fokus. Dazu werden entsprechend der 12 Prinzipien der Grünen Chemie beispielsweise umweltverträgliche Lösungsmittel verwendet oder Katalysatoren eingesetzt, die eine effizientere Reaktionsführung unter energie- und ressourcenschonenden Bedingungen ermöglichen.   

Warum wollten Sie mal etwas anders machen?

Der Mangel an Professionsorientierung in den fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen im Lehramt hat mich bereits während meines eigenen Lehramtsstudiums frustriert. Seit ich als Akademische Mitarbeiterin an der Universität Potsdam tätig bin, bemühe ich mich, meine eigenen Lehrveranstaltungen möglichst zielgruppenspezifisch durchzuführen. Daher probiere ich häufig neue Methoden und Formate aus, welche die angehenden Lehrer_innen auch in der Schule einsetzen können. Da die Studierenden in den vergangenen Semestern pandemiebedingt oft auf kooperative und kommunikative Formate verzichten mussten, habe ich für dieses Projekt gezielt die hochgradig kommunikative Methode des Planspiels gewählt.

Wie entstand die Idee für das Projekt?

Die Idee für das Projekt ist durch den intensiven Austausch mit Studierenden und mit meinen wissenschaftlichen Hilfskräften entstanden. Ich möchte meine Studierenden motivieren und frage sie daher auch nach ihren Bedarfen und Wünschen, um meine Lehre zu verbessern. Auf diese Weise sind bereits mehrere Projektideen entstanden.

Was erhoffen Sie sich von der Lehrveranstaltung?

In erster Linie, dass die Studierenden für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert werden und sie die Relevanz dieser Thematik später im eigenen Unterricht an die nächste Schüler_innengeneration weitervermitteln. Darüber hinaus soll die Methode Planspiel den Studierenden die Möglichkeit geben, die theoretischen Inhalte aus der jeweiligen Vorlesung zu vertiefen und die adressatengerechte Kommunikation von fachwissenschaftlichen Inhalten zu üben. Dadurch, dass jeweils alle Studierenden einer Seminargruppe in die Planspiele eingebunden werden und diese jeweils eine eigene Rolle erhalten, sind auch alle Studierenden gezwungen, sich zu äußern.   

Gibt es erstes Feedback der Studierenden?

Wir haben in diesem Sommersemester in zwei verschiedenen fachwissenschaftlichen Seminaren bereits Planspiele mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt – weitere sind in Planung. Die zwei durchgeführten Planspiele haben wir natürlich evaluiert, auch, um das Format zu optimieren. Die Rückmeldung zur Methode und zur Thematik im Allgemeinen ist durchweg positiv. Insbesondere diejenigen Studierenden, die in der „Fridays for Future“-Bewegung aktiv sind, haben die thematische Aufbereitung der Planspiele gelobt.

Beim Planspiel, das im Rahmen der Anorganischen Chemie für Lehramt durchgeführt wurde, haben zwei Seminarteilnehmerinnen in ihren Rollen als Lebensmittelchemikerinnen sogar ein Live-Experiment durchgeführt. Dies wurde als äußerst gewinnbringend bewertet. Dadurch konnten die anderen Studierenden den Äußerungen der Lebensmittelchemikerinnen besonders gut folgen.  
Dank des Feedbacks haben wir bereits einige Stellschrauben identifizieren können, um die Planspiele für künftige Seminargruppen weiterzuentwickeln.

 

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