Markenbotschafter der Uni – In der Projektfirma UNIshop erwerben Studierende Marketingkompetenzen

Produkte aus dem UNIshop | Foto: Tobias Hopfgarten
Photo : Tobias Hopfgarten
Produkte aus dem UNIshop

Die Antwort auf die Frage nach dem Lieblingsprodukt kommt ohne ein Zögern: „Der Kapuzenpullover mit dem Uni-Logo“, sagt Nele Sumann und hält den grauen Pullover in die Höhe. „Das Design ist wirklich schön.“ So wie der Jurastudentin geht es offenbar vielen anderen Studierenden und Uni-Angehörigen auch, denn der Hoodie ist ein Bestseller des UNIshops. Auf der Bank vor Nele Sumann, Mareike May und Lauritz Hackethal – alle drei Studierende der Rechtswissenschaften – reihen sich weitere Produkte mit Uni-Logo: Tasse, Thermobecher, Rucksäcke und sogar eine Quietschente mit Absolventenhut.

Wenn die drei Studierenden über den UNIshop sprechen, schwingt ein kleines bisschen Stolz darin mit – denn gemeinsam mit rund 40 weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern haben sie im vergangenen Semester in Bereiche wie Produktdesign, den Ausbau von Kooperationen bis hin zum Vertrieb ihre Ideen eingebracht und Konzepte entwickelt. Der Shop liegt als eine reale Übungsfirma in Teilbereichen in der Verantwortung von Studierenden, die hier jeweils ein Semester lang ihre theoretisch erworbenen Marketingkenntnisse anwenden und umsetzen und damit Schlüsselqualifikationen für ihr Studium erwerben können.

„Der UNIshop wurde Ende der 90er Jahre als Projektfirma innerhalb von UP Transfer gegründet“, erklärt Uta Herbst, Professorin für Marketing an der Uni Potsdam. Seit 2012 hat sie mit ihrem Lehrstuhl verstärkt die Lehre in den Fokus gerückt und ein eigenes Seminar zum Shop entwickelt. Hier können Studierende üben, den UNIshop zu führen. „BWL in einer echten Firma, aber in einem geschützten Rahmen und didaktisch gut durchdacht erlernen“ – das sei das Ziel, sagt Uta Herbst. „Natürlich neben dem anderen großen Ziel, eine enge Verbundenheit mit der Universität zu erzeugen.“

Die Herausforderung ist dabei in jedem Semester etwas anders. „Am Anfang ging es zum Beispiel darum, eine Homepage zu erstellen“, sagt die Professorin. Inzwischen ist der Shop nicht nur in der realen Welt an zwei Standorten – am Campus Neues Palais und am Griebnitzsee – präsent, sondern hat auch einen gut etablierten Online-Auftritt. In jedem Kurs werden andere betriebswirtschaftliche Herausforderungen umgesetzt – etwa verschiedene Bezahlmodelle oder Marketing auf Social-Media-Kanälen.

„Der Ausbau der Online-Kommunikation ist im aktuellen Semester das Schwerpunktthema“, sagt Seminarleiterin Magdalena Kasberger. Gerade in diesem „Corona-Semester“ ist der Auftritt im Internet wichtiger denn je. Die sonst üblichen Verkaufsstände sind derzeit nicht möglich. Lauritz Hackethal arbeitet in der Social Media-Gruppe – eine von sieben Projektgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten – und entwickelt hier Ideen, wie der Shop seine Followerzahlen steigern kann. Gewinnspiele, ein Adventskalender im Dezember mit Gutscheinen oder Umfragen ließen beispielsweise die Followerzahlen auf Instagram von 850 auf mehr als 1200 ansteigen. „Es ist schon interessant, mit seiner Arbeit solche Erfolge zu sehen“, sagt Lauritz Hackethal.

Für ihn und seine beiden Kommilitoninnen gehört das Seminar zu einem außerjuristischen Profilfach, mit dem sie sich Leistungspunkte für ihren Bachelor-Abschluss erarbeiten können. Andere Studierende – etwa aus den Politikwissenschaften oder der BWL – erwerben hier Schlüsselqualifikationen außerhalb ihres Studienfachs. Das geschieht in der praktischen Arbeit in den Projektgruppen, in Gastvorträgen von Expertinnen und Experten und auch in begleitenden Lehrveranstaltungen, in denen wichtige Marketingbegriffe, betriebswirtschaftliche Grundlagen, Präsentationstechniken oder Verhandlungsgeschick vermittelt werden. „Das ist sehr hilfreich, auch für das Jurastudium“, sagt Mareike May. „Wenn man sich später selbstständig machen möchte, ist es außerdem immer gut, sich ein wenig mit Marketing auszukennen.“

„Der UNIshop ist eine Projektfirma, aber mit einem echten Konto und echtem Geld“, betont Uta Herbst. „Am Anfang ist bei den Studierenden schon eine gewisse Scheu vorhanden, damit umzugehen“, weiß Magdalena Kasberger. Aber: Fehler machen ist in gewissem Maße erlaubt, es muss kein Gewinn erwirtschaftet werden. „Manche Fehler gehen nach dem Semesterende allerdings auf die nachfolgende Gruppe über“, sagt Uta Herbst. „Etwa, wenn die Social Media-Auftritte nicht gut genug bespielt werden – da ist es schwer, die Interaktion mit den Followern wieder anzukurbeln.“ Zielvereinbarungen zu Beginn des Kurses helfen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen – und werden am Ende in den Abschlusspräsentationen auch ausgewertet.

Am Semesterende werden Nele Sumann, Mareike May und Lauritz Hackethal den Staffelstab für den Shop, der in Kürze in größere Räume am Neuen Palais umzieht, an ihre Nachfolger abgeben. Dann werden sie ihnen nicht nur jede Menge neue Follower, sondern auch viele neue Ideen mitgeben können. Nele Sumann entwickelte mit ihrer Projektgruppe zum Beispiel ein Konzept, wie Kooperationen uniextern und uniintern ausgebaut werden können. Zum Beispiel mit Warenautomaten – eine Idee, die ursprünglich in der Universitätsbibliothek entstand. Hier sollen die Automaten künftig auch aufgestellt werden und die Uni-Angehörigen etwa mit Schreibwaren versorgen. Und auch für den Bestseller – den Kapuzenpulli – entstand in der Logo-Gruppe ein neues Design. „Mit der Skyline von Potsdam“, verrät Mareike May. „Vielleicht entsteht daraus ja eine gesamte neue Kollektion.“

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Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2021 „30 Jahre Uni Potsdam“ (PDF).