Viele Schlüssel zum Erfolg – Wie sich das Zessko vom Sprachen- zum Kompetenzzentrum entwickelte

Wie sich das Zessko vom Sprachen- zum Kompetenzzentrum entwickelte | Foto: V. Kokhan (Archiv)
Wie sich das Zessko vom Sprachen- zum Kompetenzzentrum entwickelte | Foto: K. Fritze (Archiv)
Wie sich das Zessko vom Sprachen- zum Kompetenzzentrum entwickelte | Foto: C. Marx (Archiv)
Source: V. Kokhan (Archiv)
Wie sich das Zessko vom Sprachen- zum Kompetenzzentrum entwickelte
Source: K. Fritze (Archiv)
Wie sich das Zessko vom Sprachen- zum Kompetenzzentrum entwickelte
Source: C. Marx (Archiv)
Wie sich das Zessko vom Sprachen- zum Kompetenzzentrum entwickelte
Wer ihr Sekretariat am Campus Griebnitzsee betritt, darf gerne ein Lächeln aufsetzen, denn „das kostet nichts und dennoch ist es das schönste aller Geschenke“, sagt Sabine Rauch. Seit 1994 arbeitet sie im Sprachenzentrum der Universität, das sich über die Jahre zum Zentrum für Sprachen und Schlüsselkompetenzen, kurz Zessko, gewandelt hat. Sabine Rauch war von Anfang an dabei: „Wenn ich daran denke, wie wenige Computer es damals gab. Da war das Mailschreiben noch etwas Besonderes. Und heute? PULS, TimeEdit, Moodle, Typo3 – so vieles, in das man sich eingearbeitet hat.“ Kompetenzerwerb ist für sie kein Fremdwort. Wenn es eins wäre, würde sie es nachschlagen. Zehn Fremdsprachen und zusätzlich Deutsch als Fremdsprache werden am Zessko unterrichtet, hauptsächlich von Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern. „Es macht riesigen Spaß, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Man erfährt so viel Neues über andere Länder und deren Kulturen. Und nicht zu vergessen: die internationalen Buffets, wenn es etwas zu feiern gibt“, schwärmt die Sekretärin.

Die Weltoffenheit und Vielzahl interkultureller Begegnungen sind es, die das Zessko zu einem besonderen Ort machen: für die deutschen Studierenden, die hier Fremdsprachen lernen, ebenso wie für ihre Kommilitonen aus dem Ausland, die einen Deutschkurs belegt haben oder sich in Fachmodulen innerhalb des landesweiten Hochschulnetzwerks ESiSt auf den Studieneinstieg in Brandenburg vorbereiten.
Über das UNIcert®-Zertifikat in der Sprachausbildung hinaus können die Studierenden seit geraumer Zeit verschiedene Zusatzzertifikate wie das für „Interkulturelle Kompetenz in Studium und Beruf“ erwerben. Vorausgesetzt, sie nehmen an den dafür konzipierten Modulen teil und reflektieren in einem Bericht ihre praktischen Erfahrungen, die sie zum Beispiel bei einer internationalen Tagung gesammelt haben oder in einem künstlerischen Projekt. Eines, das über Potsdam hinaus bekannt wurde und den Integrationspreis der Stadt erhielt, war das Theater „Sanssouci avec Shakespeare“, in dem Geflüchtete mit Studierenden aus dem In- und Ausland Klassiker von Shakespeare und Brecht spielten. In acht Sprachen! Ein gutes Beispiel dafür, wie Verständigung gelingen kann.

Auch das Refugee Teachers Program, für das die Uni Potsdam bundesweit Anerkennung erhielt, wäre ohne den Einsatz des Zessko und das große Engagement der Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache nicht zu stemmen gewesen. Binnen kurzer Zeit lernten syrische Lehrerinnen und Lehrer Deutsch, um anschließend die Qualifizierung für das brandenburgische Schulsystem absolvieren zu können. Dass die ersten von ihnen heute wieder unterrichten können, haben sie auch dem Zessko zu verdanken.

„Mir ist es wichtig, dass wir nicht nur als Sprachenzentrum, sondern als Kompetenzzentrum wahrgenommen werden“, sagt Dr. David Prickett, der als Leiter des Zessko das fortführt, was seine Vorgängerin Dr. Doris Gebert in den ersten Jahrzenten der Universität aufgebaut hatte: „Die Leistungen und das Fachwissen der Lehrenden, aber auch der Beschäftigten in Technik und Verwaltung, die das Zentrum geprägt haben, schätze ich sehr. Ihre Kollegialität beflügelt und motiviert mich.“

Neben den Sprachen misst Prickett dem Erwerb von Schlüsselqualifikationen eine Schlüsselrolle für den Werdegang der Studierenden bei. Gezielt werden Projekte unterstützt, in denen Studierende eigene Ideen umsetzen und sich dabei für ihren künftigen Beruf weiter qualifizieren können. Ganz nebenbei profitiert das Leben auf dem Campus – von den Aufführungen der English Drama Group, dem Gemüse aus dem Studierendengarten oder vom Pausenexpress des Hochschulsports. Das Selbstlernen wird durch Vortragscoaching, Schreibberatung und Workshops unterstützt. Außerdem bieten die Mediotheken den Studierenden viele Ressourcen und einen Ort für autonomes Lernen – allein oder auch in Kleingruppen.

Schaut David Prickett in die nahe Zukunft, so möchte er die internationalen Kooperationen des Zessko weiter ausbauen, vor allem mit den Partnern im europäischen Hochschulkonsortium EDUC. Das Collaborative Online International Learning (COIL) ist ein Format, das ihn begeistert, weil es sich für den Erwerb von Sprachen und interkultureller Kompetenz besonders gut eignet. Aus einem eigenen COIL-Projekt mit dem Beit Berl College in Israel weiß Prickett, dass es zunächst einiges an Arbeitsaufwand fordert. „Ich verspreche mir und den Lehrenden davon aber einen Motivationsschub und langfristig auch eine Steigerung der Qualität.“
Von Steffen Skowronek bekam Prickett in den 2000er Jahren viel Unterstützung in diesem Bereich. Skowronek, der den Sprachbereich Englisch/Schlüsselkompetenzen leitet, erlebte den Einsatz neuer Medien von jeher als Chance: „Die ersten transatlantischen Videokonferenzen mit dem Monterey Institute of International Studies habe ich schon 1997 begleitet und anschließend mehrere interkulturelle Lernprojekte mit der UC Berkeley online durchgeführt. Seit 2000 setzen wir für solche Projekte und zur Unterstützung des Präsenzunterrichts Lernplattformen wie WebCT, Blackboard und Moodle ein“, berichtet der Sprachdozent.
Dass er sich im April 2020 praktisch ohne Vorlauf vollständig auf Online-Lehre umstellen musste, empfand Skowronek aber doch als Herausforderung. „Gemeinsam waren wir, Lehrende wie Studierende, überrascht, dass das so schnell funktioniert hat. Geholfen hat sicher, dass keiner der Beteiligten ein Semester verschenken wollte.“ Die Frage, die nicht nur er sich stellt, ist: Was bleibt? „Wir müssen die übertragbaren positiven Erfahrungen sammeln und in nachhaltigen didaktischen Szenarien umsetzen“, ist sich Skowronek sicher.

Sekretärin Sabine Rauch hingegen wünscht sich nichts sehnlicher, als dass der normale Betrieb an der Universität wieder anläuft. Und dass jemand morgens die Bürotür öffnet, lächelt und ein freundliches Wort spricht. In welcher Sprache auch immer.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2021 „30 Jahre Uni Potsdam“ (PDF).