Aus einer Hand – Neues Dezernat Forschungs- und Publikationsunterstützung verbindet

Im Zuge der Digitalisierung ändert sich auch die Weise, wie Ergebnisse strukturiert, aufbereitet und veröffentlicht werden. | Grafik: Anke Seeliger
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Im Zuge der Digitalisierung ändert sich auch die Weise, wie Ergebnisse strukturiert, aufbereitet und veröffentlicht werden.

Schon mit der Gründung der Universität Potsdam 1991 wurde auch die Universitätsbibliothek ins Leben gerufen. 1998 nahm der hochschuleigene Universitätsverlag seine Arbeit auf. Seit Januar 2020 gibt es nun innerhalb der Universitätsbibliothek (UB) eine neue „Schaltzentrale“, die sich allen Facetten wissenschaftlichen Publizierens widmet: das Dezernat Forschungs- und Publikationsunterstützung. Es soll zentrale Anlaufstelle für Forschende aller Fakultäten und Disziplinen sein, wenn es darum geht, Forschungsergebnisse aufzubereiten und zu veröffentlichen – und zwar von der Planung bis zum fertigen Paper oder Buch.

Wie eigentlich alle wissenschaftlichen Disziplinen wandelt sich im Zuge der Digitalisierung auch die Weise, wie ihre Ergebnisse strukturiert, aufbereitet und veröffentlicht werden, enorm. Im Potsdamer Universitätsverlag erschienen in den ersten 20 Jahren seines Bestehens gut 920 Bücher. Im gleichen Zeitraum wurden mehr als 9.500 Publikationen von Uniangehörigen auf dem Publikationsserver veröffentlicht – und zwar open access, also frei zugänglich. Wo Forschung zugleich in all ihrer digitalen Datenfülle verfügbar und so transparent wie möglich öffentlich gemacht werden soll, wird die Aufgabe ihrer Aufbereitung und Publikation immer komplexer. Das neue Dezernat, das Anfang 2020 seine Arbeit aufgenommen hat, vernetzt daher den Universitätsverlag, die Publikationsserverdienste, das Forschungsdatenmanagement, die Retrodigitalisierung sowie Open Access in Zusammenarbeit mit dem Dezernat Medienbearbeitung.

„Die Idee ist einfach“, erklärt der Leiter des neuen Dezernats Dr. Andreas Kennecke:  „Wir wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützen, vom Beginn eines Forschungsprojektes an alle nötigen Schritte für eine erfolgreiche Publikation ihrer Ergebnisse zu tun. Das Gute ist: Viel von dem Know-how, das auch in Zeiten der Digitalisierung nötig ist, findet sich in der Bibliothek. Wir vernetzen es nun nur besser.“

Aus Forschung Bücher und in digitalen Formaten verfügbare Publikationen zu machen – damit hat der Univerlag schon lange Erfahrung. Auch die Erfassung, Verwaltung und Verarbeitung von Metadaten wissenschaftlicher Literatur ist Alltagsgeschäft einer Bibliothek  –  und zugleich in der neuen Ära digitalen Publizierens unverzichtbar. „Tatsächlich haben Bibliotheken schon recht früh und weitsichtig damit begonnen, ihre Strukturen zu digitalisieren. Das kommt uns jetzt zugute.“

Einen gewaltigen  Sprung  –  und damit ganz neue Aufgaben  –  gab es im Bereich des Forschungsdatenmanagements (FDM), der vom stellvertretenden Dezernatsleiter Niklas Hartmann geführt wird. „Früher klebten manche einfach eine CD hinten in ihr Buch. Darauf waren ihre Daten“, sagt Andreas Kennecke. „Heute schicken wir sie gleich zu unserem FDM-Beauftragten – und zwar so früh wie möglich.“ Denn während FDM früher die Ausnahme gewesen und ein wenig nebenher gelaufen sei, gehöre es mittlerweile zum wissenschaftlichen Standard und in jeden guten Drittmittelantrag. „Daher ist es wichtig, dass wir frühzeitig mit den Forschenden darüber sprechen, wie sie ihr FDM anlegen. “

Ein ganz eigenes Feld hat sich mit der Retrodigitalisierung aufgetan. Auch hier trifft traditionelles Wissen der Bibliothekare auf die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung. „Wir können beispielsweise ganze Zeitschriftenjahrgänge scannen, einpflegen, strukturieren, mit Metadaten versehen und komplett verfügbar machen“, sagt Kennecke. So wurden 2019 die ersten 50 Jahrgänge der „Fontane-Blätter“ rechtzeitig zu Fontanes 250. Geburtstag ins neue Zeitalter „gebeamt“. Aktuell erstellen die Germanisten Dr. Ulrike Schneider und PD Dr. Andreas Degen mit Studierenden in Seminaren einen Index der DDR-Literatur-Zeitschrift „Neue Deutsche Literatur“ mit technischer Unterstützung des neuen Dezernats. „Ein tolles Projekt“, so der Bibliothekar.

Sogar unter die Zeitschriftenherausgeber ist der Univerlag inzwischen gegangen. Den Anfang machte die Zeitschrift ‚Thersetis‘, die der Historiker Prof. Carla-Uhink mitgebracht hat, als er 2018 nach Potsdam kam. Während es Buchreihen und Zeitschriften im Univerlag schon länger gibt, stellte die Herausgabe einer Online-Zeitschrift auf der Plattform OJS durchaus eine besondere Herausforderung dar, weiß Andreas Kennecke. „Wir mussten die Software OJS bei einem Hoster einrichten und uns in das System einarbeiten. Denn die Zeitschrift entsteht komplett online – von der Einreichung und Begutachtung der Artikel über die Erstellung bis hin zur Bereitstellung.“ Nun sind sie auf den Geschmack gekommen. Das aktuelle Projekt, eine human-biologische Fachzeitschrift, soll beispielsweise in verschiedenen Formaten, als PDF, HTML und auf einer Fachplattform zur Verfügung stehen. „Es hilft uns sehr, dass wir als Dezernat fachübergreifend daran arbeiten können, denn da hängen verschiedenste Aufgaben dran.“

Nicht zuletzt hilft das Dezernat auch bei spezifischen Forschungsfragen, wie Kennecke erklärt. Der Germanist und Historiker Prof. Dr. Iwan-Michelangelo D’Aprile hatte ein Projekt auf den Weg gebracht, bei dem Zeitschriften aus Berlin und Potsdam von 1500 bis 1820 erfasst und aus-gewertet werden sollten. Den Vorschlag, die Daten traditionell zu erfassen, hatte die DFG abgelehnt. „Aber wir konnten helfen“, so Kennecke. Gemeinsam hätten sie einen Plan erstellt, wie die Daten innerhalb kürzester Zeit aus dem ZDB extrahiert, in Wikidata eingepflegt und so für die Analysen verfügbar gemacht werden konnten. „Dieses Wissen, wo die Infos zu finden sind und die Techniken, wie sie zu strukturieren und nachnutzbar gemacht werden – das haben Bibliothekare.“

Zahlen aus der Bibliothek:
www.ub.uni-Potsdam.de/fileadmin/projects/ub/images/zahlen2018.pdf

Das neue Dezernat:
www.ub.uni-potsdam.de/de/ueber-uns/ansprechpersonen-struktur/forschungs-und-publikationsunterstuetzung

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Zwei 2020 „Digitalisierung“ (PDF).