Voltaire-Preisträger 2026: Haci Cevik

Der aus der Türkei stammende Politikwissenschaftler Dr. Haci Cevik erhält in diesem Jahr den „Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz“. Mit dieser Auszeichnung ehrt die Universität Potsdam bereits zum zehnten Mal eine Persönlichkeit aus der Wissenschaft, die sich in besonderer Weise für den gesellschaftlichen Dialog, die Freiheit von Forschung und Lehre sowie für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzt. Der von der Friede Springer Stiftung finanzierte und mit 5.000 Euro dotierte Preis wird heute im festlichen Rahmen des Neujahrsempfangs der Universität Potsdam auf dem Campus Griebnitzsee übergeben.
Dr. Haci Cevik hat in der Türkei Politikwissenschaft und Migrationsstudien studiert und befasst sich seither mit ethnischer Politik, Kurdistik, Diaspora-Bildung und den alltäglichen Dynamiken von Identität und Zugehörigkeit. „Seine Forschung stellt dominante Narrative infrage und macht Communities und damit Menschen sichtbar, deren Erfahrungen im politischen wie im akademischen Diskurs häufig ausgeblendet werden, etwa die von Kurdinnen und Kurden in Zentralanatolien oder syrischen Geflüchteten in der Türkei“, sagt Laudatorin Prof. Dr. Aileen Edele, Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität, wo Haci Cevik derzeit als Einstein Fellow forscht. „Dr. Haci Cevik steht mit seinen Arbeiten für Mut in der Wissenschaft, für öffentliches Engagement zur Verteidigung von Pluralismus und Menschenwürde und legt eine unerschütterliche Entschlossenheit an den Tag, das gesellschaftliche Verständnis marginalisierter Communities zu erweitern und zu vertiefen“, hebt Edele hervor. Der Politikwissenschaftler habe „sich als einzigartige und präzise Stimme in den aktuellen Debatten über Ethnopolitik, Nationalismus und Zwangsmigration etabliert“. In Interviews und Beiträgen für nationale und internationale Medien spreche er offen über Fragen von Zugehörigkeit und Ausgrenzung, über Diskriminierung, über die Normalisierung von Rassismus und Feindseligkeit gegenüber Geflüchteten und über die Marginalisierung kurdischer und syrischer Communities.
Mit dem Voltaire-Preis besonders gewürdigt wird der Einsatz für die Freiheit der Wissenschaft und das Recht auf freie Meinungsäußerung. „In einem politischen Kontext wie der Türkei, in dem Forschung zu Minderheiten, Identität und Nationalismus mit einem erheblichen persönlichen Risiko verbunden ist, erfordert öffentliches Sprechen über diese Themen nicht nur ein tiefes Verständnis des Gegenstands, sondern auch Mut“, betont Aileen Edele. Haci Ceviks Arbeit stärke demokratische Werte, stelle sich entschieden gegen Ausgrenzung und fördere Verständigung zwischen unterschiedlichen Gemeinschaften. Sein Wirken zeige, dass wissenschaftliche Exzellenz und gesellschaftliche Verantwortung keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bedingen.