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Voltaire-Preisträger 2019: Ahmad Milad Karimi

Preisträger Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi.
Foto: Peter Grewe
Professor Dr. Ahmad Milad Karimi erhält für sein außerordentliches facettenreiches Engagement den Voltaire-Preis 2019.

Die Universität Potsdam verleiht am 16. Januar 2019 im Rahmen ihres Neujahrsempfangs zum dritten Mal den „Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz“. Der von der Friede Springer Stiftung geförderte Preis wird seit 2017 an eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler vergeben, der oder die sich in besonderem Maße für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie für das Recht auf freie Meinungsäußerung eingesetzt hat. Den Preis erhält der afghanische Philosoph, Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi.


Laudatio von Professor Dr. Florin Schweigert, Vizepräsident für Internationales, Fundraising und Alumni

Ich freue mich, die Laudatio auf unseren diesjährigen Preisträger zu halten. Es handelt sich um den afghanischen Philosophen Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi. Wir ehren und würdigen mit dem Voltaire-Preis seine außerordentliche fachliche Vielfalt und seine Vermittlungsleistung zwischen den Kulturen.

Dr. Ahmad Milad Karimi ist Religionsphilosoph, Islamwissenschaftler, Übersetzer des Korans, Dichter und Verleger und Mitherausgeber einer Zeitschrift für Literatur und Kunst. Karimi wurde 1979 in Kabul geboren. Als kleiner Junge floh er mit seiner Familie vor den Mujaheddin aus seiner Heimat Afghanistan nach Indien. Als 13-Jähriger kam er dann über Russland nach Deutschland und lebte zunächst in einer Unterkunft für Geflüchtete. Seine Flucht beschreibt Karimi in seinem autobiografischem Buch „Osama bin Laden schläft bei den Fischen“. Als Philosoph hat Milad Karimi die Sprache zum Beruf gemacht, Gedichtbände veröffentlicht und den Koran in neuer deutscher Übersetzung herausgebracht.

In Deutschland promovierte Milad Karimi über die Philosophen Hegel und Heidegger an der Universität Freiburg. Seit 2012 ist er Professor für Kaläm, Islamische Philosophie und Mystik am Zentrum für Islamische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Milad Karimi zählt heute zu den profiliertesten und bekanntesten Stimmen zum Islam in Deutschland. Karimi, der sich im Islam genauso zu Hause fühlt wie in der europäischen und deutschen Kultur, zählt zu einer Gruppe von Intellektuellen, die sich in neu gegründeten Fakultäten für Islamische Theologie diesem Thema stellen. In Freiburg leitet Karimi den Verlag Kalam, der Bücher dieser jungen Denker publiziert. In einem weiteren Verlag gibt er islamische Kinderbücher heraus. Ihm ist es wichtig, dass Kinder ihre Religion verstehen, den Islam und ihre Sprache Deutsch. Grundsätzlich sind Bücher für ihn, der einmal alles verloren hat, das wichtigste Gut im Leben. Für sein Werk Hingabe erhielt Karimi den Rumi-Preis für islamische Studien.

Im Jahr 2009 veröffentlichte Ahmad Milad Karimi eine komplette Neuübersetzung des Koran. Sein Anliegen dabei war es, die Übersetzung möglichst unverfälscht und originalgetreu anzufertigen. Bei seiner Übersetzung ginge es ihm neben der philologischen Genauigkeit auch um das Vermitteln einer ästhetisch-poetischen Erfahrung.

Als ein wichtiger Kopf des Islam in Deutschland stellt sich Karimi aber auch den Fragen unserer Zeit: Wieso leben gläubige Muslime und Christen in der gleichen Gesellschaft – aber doch meist nicht miteinander, sondern nebeneinander? Wie kann vermittelt werden? Er sieht eine Antwort in der Überlegung, dass Religion der Raum zum freien Atmen sein soll, ein Raum, der frei jeglichen Triumphes ist. Ohne Triumph kann ein Miteinander der Religionen ent- und bestehen.

Karimi, selbst Wanderer zwischen den Welten, sucht bei der Beantwortung der Fragen explizit das Gespräch und den Diskurs mit anderen Zwischenweltlern und Heimatverbundenen. Mit Expertise und Leidenschaft schafft er Verständnis für das Andere und greift zentrale Themen wie religiöse Praxis, Toleranz und Zeugnis oder Verständnis des Anderen auf.

Von zentraler Bedeutung ist seine Aussage „Nicht die Muslime schützen Gott und retten den Islam, es ist Gott der sie beschützt und der Islam gibt ihnen die Freiheit und gewährt ihnen den Frieden“. Gerade in Zeiten von Propaganda, Veränderung und Unsicherheit spielen solche Gedanken, Begegnungen und Gespräche eine tragende Rolle, da sie das Annähern und Kennenlernen ermöglichen und für Verständnis sorgen.

Somit möchten wir Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi für sein außerordentliches facettenreiches Engagement danken und ihn nunmehr mit dem Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz 2019 ehren.

Potsdam, den 16. Januar 2019


Ahmad Milad Karimi - Lebensdaten

  • geb. 1979 in Kabul
  • 2000-2006: Studium der Philosophie und Islamwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. und an der Delhi University in Indien
  • 2001-2011: Zunächst Grund- und Auslands-, dann Promotionsstipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • 2009 erschien Karimis neue und vollständige Übersetzung des Korans mit ästhetischem Schwerpunkt
  • 2010: Gründung des ersten muslimischen Kinderbuchverlages „Salam (Frieden)“ in Freiburg
  • 2012: Promotion im Fach Philosophie mit einer Arbeit über Hegel und Heidegger an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
  • seit Wintersemester 2012/2013 zunächst Vertretungsprofessor und seit Juli 2016 ordentlicher Professor für Kalām, islamische Philosophie und Mystik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.
  • Für sein Werk Hingabe. Grundfragen der systematisch-islamischen Theologie erhielt er den Rumi-Preis für Islamische Studien 2015. Zuletzt erschienen von ihm: Warum es Gott nicht gibt und er doch ist. Freiburg 2018.

Festschrift - erschienen zur Verleihung des Voltaire-Preises 2019 am 16. Januar 2019

Dankesrede von Ahmad Milad Karimi