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Unbekannte Wege – erstes BioMove-Symposium an der Schnittstelle von Biodiversitätsforschung und Bewegungsökologie

Foto vom Wildhasen. Foto: Carolin Scholz

Foto: Besenderter Hase. Foto: Carolin Scholz

Wie bewegen sich Tiere, wenn sich in ihrem Lebensraum nicht nur Wald und Wiesen, sondern auch Felder und Wege befinden? Wählen sie andere Wege, wenn viele kleine Gewässer und Hecken in ihrem Streifgebiet vorkommen? Und transportieren Tiere auf ihren Streifzügen durch die Agrarlandschaft Pflanzensamen und Kleinstlebewesen, z.B. die Eier von Wasserflöhen? Welche Arten in welchem Lebensraum zusammenleben, wie sie dorthin kommen und wodurch ihre Verbreitung beeinflusst wird, untersuchen die Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen des Forschungsverbunds „BioMove – Integrating Biodiversity research with Movement Ecology“ – und zwar vor Ort, in der Uckermark nordöstlich von Berlin. Vom 26. bis 28. September 2018 findet in Potsdam-Golm das erste BioMove-Symposium statt, auf dem die aktuelle Forschung an der Schnittstelle der beiden Wissenschaftsdisziplinen „Biodiversitätsforschung“ und „Bewegungsökologie“ präsentiert wird. Dabei geht es um eine große Bandbreite von Lebewesen – von Mikroorganismen über Pflanzen bis hin zu Vögeln und Säugetieren –, ihre Bewegungsmuster und den damit verbundenen Einfluss auf die Artenvielfalt. Zu der von BioMove-Nachwuchsforschenden selbst organisierten Veranstaltung im Fraunhofer Konferenzzentrum werden 135 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt erwartet.

„Wir können alle sehr stolz auf den bisherigen Erfolg des Graduiertenkollegs ‚BioMove‘ sein“, sagt der Sprecher des Forschungsverbundes, Prof. Florian Jeltsch von der Universität Potsdam. „Mit mehr als 50 Beiträgen in Fachjournalen und an internationalen Tagungen haben wir eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zu dem bisher noch wenig beachteten Forschungsbereich an der Schnittstelle Biodiversitätsforschung und Bewegungsökologie geschaffen. Wir freuen uns nun auf unsere zweite Doktorandenkohorte, die ab Oktober 2018 weiter in der Uckermark forschen und somit wichtige Erkenntnisse für die zukünftige, nachhaltige Entwicklung der Region sammeln wird.“
Auf dem Symposium stellen unter anderem die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ihre Forschungsarbeiten vor. Dazu zählt etwa BioMove-Doktorand Manuel Röleke, der die Bewegungen des Großen Abendseglers über dem Prenzlauer Himmel untersuchte und dafür die sekundengenauen Aufnahmen der Flugpfade akribisch analysierte: „Manche Abendsegler legen in zwei Stunden über 40 Kilometer zurück, in Höhen von bis zu 250 Metern und mit Spitzengeschwindigkeiten um die 40 Kilometern pro Stunde“, so Röleke. Diese genauen Daten helfen den Wissenschaftlern, den Arten- und Klimaschutz und den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Uckermark in Einklang zu bringen.
BioMove-Doktorandin Wiebke Ullmann wiederum hat für ihr Projekt die Streifgebiete von 70 Feldhasen in der Agrarlandschaft Brandenburg und Bayerns verglichen. Dabei zeigte sich, dass die brandenburgischen Hasen mehr als doppelt so große Streifgebiete haben als ihre bayrischen Artgenossen. Eine Erklärung bietet die Landnutzung: Offensichtlich fällt es den Hasen in der Uckermark schwerer Futter zu finden, da hier die offene Agrarlandschaft weniger „Hasen-Supermärkte“ bereithält als die kleinteilige Landschaft Bayerns.
Merlin Schäfer vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) schaute sich für ihr BioMove-Projekt die Verhaltensstrategien verschiedener einheimischer Vögel genauer an. Diese übernehmen auch in der Uckermark häufig vielfältige „Aufgaben“, so vertilgen sie Schädlingsinsekten oder sorgen für die Ausbreitung von Samen. Doch viele Vogelbestände nehmen ab, besonders bedroht sind Zugvögel. Wie sich das Zug- und Brutverhalten von Vögeln durch den Klimawandel ändert und wie sich die Tiere in ihrem Verhalten anpassen müssten, damit die Bestände stabil bleiben, versucht Schäfer mit ihrem Computermodell zum Zugvogelverhalten in Brandenburg zu beantworten. Verschiedene Szenarien zeigen, dass zwar individuelle Anpassungen notwendig sind aber zwei Faktoren besonders entscheidend für stabile Zugvogelpopulationen sind: ein früheres Zurückkommen zu uns und somit ein früherer Brutbeginn sowie gute Bedingungen im Überwinterungsgebiet mit ausreichend Nahrung.
„Integrating Biodiversity Research with Movement Ecology in dynamic agricultural landscapes“, kurz „BioMove“, ist ein gemeinsam von der Universität Potsdam, der Freien Universität Berlin, dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) sowie dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. Müncheberg initiiertes Graduiertenkolleg. Es verknüpft bislang getrennt verfolgte Forschungsansätze aus der Biodiversitätsforschung und der Bewegungsökologie miteinander. Damit werden zum einen die Vorhersagemöglichkeiten in der Biodiversitätsforschung durch ein mechanistisches Verständnis von individuellen Bewegungsmustern verbessert. Zum anderen wird das Potenzial der Bewegungsökologie erhöht, vom räumlichen Verhalten von Organismen auf Konsequenzen für höhere Organisationsstufen zu schließen. Alle Projekte werden in einer gemeinsamen Forschungsregion durchgeführt (Forschungsplattform AgroScapeLab-Quillow), einer bereits gut untersuchten Agrarlandschaft im Nordosten Brandenburgs. Im Kolleg, dessen erste Phase von 2015 bis 2020 läuft, forschen zwei Kohorten mit je zwölf Doktorandinnen und Doktoranden und zwei PostDocs.

Interessierte Journalisten melden sich bitte bei Dr. Madlen Ziege (madlen.nomorespam.ziege@uni-potsdam) an.


Zeit: 26.–28.09.2018, Beginn: 26.09.2018, 10 Uhr
Ort: Fraunhofer Konferenz-Zentrum, Am Mühlenberg 12, 14476 Potsdam
Kontakt:
Prof. Dr. Florian Jeltsch, Institut für Biochemie und Biologie
Telefon: 0331 977-1954
E-Mail: florian.jeltsch@uni-potsdam.nomorespam.de
Internet: http://www.Biomove.orge.org und http://www.biomove2018.org
Foto: Besenderter Hase. Foto: Carolin Scholz

Medieninformation 24-09-2018 / Nr. 140
Matthias Zimmermann

Universität Potsdam
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Online gestellt: Sarah Marie Krüger
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