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Die sorbische Sprache – Zwei Varianten, eine lebendige Kultur

Sorbisch ist eine westslawische Sprache, die in zwei standardisierte Varietäten unterschieden wird: das Obersorbische, welches in der sächsischen Oberlausitz gesprochen wird, sowie das Niedersorbische, welches vorrangig in der brandenburgischen Niederlausitz gesprochen wird. Sorbisch gehört zur slawischen Sprachfamilie wie z.B. Polnisch, Tschechisch oder Slowakisch – und zeigt spannende Besonderheiten wie beispielsweise den Dual, eine eigene grammatische Form für genau zwei Personen oder Dinge (BMI, 2024, S. 17).

Heute sprechen etwa 30.000 Menschen aktiv Sorbisch, wobei das Obersorbische mit bis zu 25.000 Sprecher*innen deutlich verbreiteter ist als das stark gefährdete Niedersorbisch mit nur noch wenigen hundert Menschen, die es fließend beherrschen (BMI, 2024, S. 9, 17–19). Insgesamt identifizieren sich rund 60.000 Menschen in Deutschland als Sorben – viele von ihnen pflegen sowohl die Sprache als auch die Kultur.

In Brandenburg ist Sorbisch nicht nur Teil der kulturellen Identität, sondern auch verfassungsrechtlich geschützt: Artikel 25 der Verfassung garantiert den Sorben (Wenden) das Recht auf Bewahrung und Pflege ihrer Sprache, Kultur sowie Traditionen. Dazu gehört unter anderem zweisprachiger Unterricht, die Nutzung der Sprache in Ämtern und Verwaltung sowie sorbische Beschilderungen im öffentlichen Raum.

Sorbisch ist zwar keine Weltsprache, aber eine der vier anerkannten nationalen Minderheitensprachen in Deutschland. Der Schutz und Erhalt dieser Sprache wird von Bund und Ländern aktiv gefördert – durch Bildungsangebote, Medien, Kulturarbeit und gezielte Revitalisierungsprogramme (BMI, 2024, S. 29–34).

Foto: Sachsen Magazin - Tipps für Urlaub und Freizeit Das Osterfest - Sorbische Traditionen in der Lausitz
Foto: Oberlausitz Katholische Trachten

Sorbisch in Brandenburg


Wer sind die Sorben/Wenden?

In Brandenburg ist die offizielle Bezeichnung für die nationale Minderheit der Sorben „Sorben/Wenden“*. Historisch und kulturell tief in der Region verwurzelt, leben sie vor allem in der Niederlausitz im Südosten des Landes und machen weniger als ein Prozent der brandenburgischen Bevölkerung aus (BLpB). Als Teil des sorbischen Volkes gilt nach dem brandenburgischen Recht, wer sich selbst dazu bekennt – unabhängig von der aktiven Sprachbeherrschung (BMI, 2024, S. 7).

*Wenden gilt als historische Fremdbezeichnung, der auf römische Geschichtsschreiber zurückzuführen ist.

Sprachliche Situation und Sprecherzahlen

Die Zahl der aktiven Sprecherinnen und Sprecher des Niedersorbischen ist sehr gering und nimmt weiter ab, sodass nicht sicher davon ausgegangen werden kann, dass die Sprache auch in Zukunft aktiv gesprochen werden wird (BMI, 2024, S. 48). Nur wenige Menschen, meist der älteren Generation, haben die Sprache in der Familie erlernt. Jüngere Generationen gelangen oft durch schulische oder vorschulische Programme mit der Sprache in Kontakt.  Viele Menschen, die sich kulturell als sorbisch/wendisch identifizieren, haben allerdings oftmals keine ausgeprägten Sprachkenntnisse (Landesregierung Brandenburg, 2024, S. 9).

Es gibt keine wissenschaftlich gesicherten aktuellen Zahlen, doch Schätzungen gehen davon aus, dass nur einige Tausend Menschen in Brandenburg über aktive oder passive Kenntnisse des Sorbischen verfügen (Landesregierung Brandenburg, 2024, S. 9). Eine Studie der Universität Leipzig spricht hingegen von einer noch viel niedrigeren Sprecher*innenzahl. So soll es nur etwa 50 bis 100 kompetente Sprecher*innen des Niedersorbischen geben (Kartschall, 2025). Häufig bestehen bessere mündliche als schriftliche Fähigkeiten. Die UNESCO zählt das Niedersorbische zu den am stärksten bedrohten Sprachen Europas (ebd.).

Sprachräume in Brandenburg

Niedersorbisch wird vor allem in der Niederlausitz gesprochen (BMI, 2024, S. 47), insbesondere in den Landkreisen Spree-Neiße, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und in der kreisfreien Stadt Cottbus/Chóśebuz. Ein zusammenhängendes Sprachgebiet existiert heute jedoch nicht mehr - der Gebrauch der Sprache hängt stark von der konkreten Kommunikationssituation ab (Landesregierung Brandenburg, 2024, S. 9).

Foto: Oberlausitz Wallfahrtsgottesdienst in Rosenthal
Foto: Oberlausitz Wallfahrtsgottesdienst in Rosenthal
Quelle: Sorbisch na klar
Sorbische Sprachräume

Sprachförderung und Bildungsangebote zum Sorbischen

Ein zentraler Baustein der Sprachförderung ist das seit 2001 laufende Programm des WITAJ-Sprachzentrums, das Kinder durch immersiven Sprachkontakt in Kindertagesstätten sowie durch bilingualen Unterricht in Schulen fördert. Durch die Teilnahme an diesen Angeboten erwerben die Schüler*innen gute Kommunikationsfähigkeiten in Niedersorbisch und eine positive Haltung zur Sprache (BMI, 2024, S. 8-9).

Institutionelle Anbindung

Quelle: Sorbischer Kulturtourismus e. V.
Das sorbische Lindenblatt

Für Institutionelle Anbindung des Sorbischen/Wendischen sorgen besonders:

  • Die Domowina (Bund Lausitzer Sorben e.V.), ein Dachverband verschiedener sorbischer Vereinigungen mit Dienststellen in Bautzen/Budyšin (Sachsen) und Cottbus/Chóśebuz (BMI, 2024, S. 43).

  • Die Stiftung für das sorbische Volk, die mithilfe finanzieller Mittel des Bundes und der Bundesländer Brandenburg und Sachsen verschiedene Projekte, Vereine und Institutionen unterstützt, darunter das WITAJ-Sprachzentrum, Das Wendische Museum Cottbus/Chóśebuz, Die Domowina und den Domowina-Verlag, sowie das Sorbische Institut (ebd, S. 44-45).

  • Das Sorbische Institut mit Standorten in Bautzen/Budyšin und Cottbus/Chóśebuz, welches sich der wissenschaftlichen Erforschung der sorbischen Sprache, Geschichte, Kultur und Kunst widmet. Es leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Erhaltung des kulturellen Erbes der sorbischen Minderheit (ebd., S. 46).

  • Das WITAJ-Sprachzentrum, welches Bildungsangebote zur Förderung der Sprachen Niedersorbisch und Obersorbisch koordiniert, insbesondere durch immersive Sprachvermittlung in Kitas und bilingualen Unterricht in Schulen. Es spielt eine zentrale Rolle bei der sprachlichen Revitalisierung und Weitergabe des Niedersorbischen an junge Generationen.

Außerdem gibt es sorbische/wendische Medienangebote des MDR und RBB, des Domowina-Verlags und anderer Anbieter (ebd., S. 47).

Quellen

Diese Seite wurde inhaltlich erstellt von Vivien Angelstein & Hannah Brunner.