Vor uns steht Haus 3 A-D: Zwei L-förmige Gebäude um einen Innenhof herum. In der Mitte große Rotbuchen. Im linken Gebäude befinden sich 3 A und 3 B, rechts sind C und D. Links in der Ecke von Haus 3 A befindet sich ein Raum mit großen Glaswänden. Die Tür steht offen und an den Fenstern hängt ein Plakat: „WelcomePoint: Schlüsselvergabe hier!“ Ein Weg führt durch den begrünten Innenhof zu einem der beiden Haupteingänge.
Wir betreten das Wohnheim durch den Eingang zwischen Gebäudeteil A & B. Gegenüber der Tür hängt ein großes Display, noch ist es schwarz. Ansonsten sind die Wände kahl. „Das wird alles noch ausgestattet und gestaltet“, sagt Josephine Kujau, Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Internationales des Studentenwerks Potsdam. Die Wände im Korridor sind in dunklem Grün angestrichen. Das Innere sei in den Farben des Waldes gehalten worden, erklärt sie, jeder Gebäudeteil habe unterschiedliche Wandfarben, die den Bewohnern helfen sollen, sich zurechtzufinden.
Im Haus gibt es insgesamt fünf verschiedene Wohnformen: 203 Einzelapartments, zwei rollstuhlgerechte Zwei-Bett-Apartments, 105 Zweier-WGs, eine Dreier-WG und drei Familienapartments. Josephine Kujau schließt uns die Tür zu einem der Einzelapartments auf. Vom Eingang aus kann man durch die schmale Küche mit Küchenzeile bis zum Fenster am anderen Ende des Raumes blicken. Auf der linken Seite befindet sich das Bad: schlicht, aber modern. Rechts eine Toilette, links eine Dusche und in der Mitte ein Waschbecken mit Spiegel. Nicht groß, doch Platz genug für eine Person. Auch im Schlafbereich ist alles einfach und modern gehalten. Links ein Einzelbett, rechts ein Schreibtisch, an den Wänden Stauraum. „Sehr schön“, findet Sarah-Madeleine Aust, Redaktorin für innere Kommunikation der Uni, die mit zum Rundgang gekommen ist, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Jedes der 203 Einzelapartments versammelt auf ca. 17 Quadratmeter Bad, Flur, Küchenzeile sowie ein Zimmer und kostet 415 Euro warm, also inkl. aller Nebenkosten sowie Strom und Internetzugang.
Wir stehen in der Küche von einem der Zwei-Bett-Apartments, die mit 35 Quadratmetern doppelt so groß sind. „Und wieviel kostet dieses Zimmer?“, fragt Sarah-Madeleine Aust. Der Raum ist groß, die Küchenzeile unterfahrbar, sodass Rollstuhlfahrer*innen problemlos bis an die Arbeitsplatte heranfahren können. Auch das Badezimmer ist größer als das des Einzelapartments. Das Schlafzimmer ist in der Mitte geteilt, auf jeder Seite befindet sich ein Schreibtisch, ein Bett, ein Kleiderschrank und auch hier ist viel Stauraum an den Wänden. Diese Apartments seien für Leute mit Beeinträchtigungen vorgesehen, erzählt Josephine Kujau. Durch das geteilte Schlafzimmer könne eine Assistenz mit im Wohnheim leben. „Das Zimmer kostet ebenfalls 415 Euro pro Monat“, sagt sie. Wenn es keine Anfragen für dieses Zimmer gebe, dürften auch Studierende ohne Bedarf einziehen. Dasselbe gelte auch für die Familienapartments.
Das gesamte Wohnheim ist barrierefrei. Je Gebäudeteil gibt es einen Fahrstuhl, im Erdgeschoss zudem einen Waschsalon mit Waschmaschinen und Trocknern. Diese werden über eine App bedient. Jeder Waschgang kostet 3 Euro, die Nutzung des Trockners 2,50 Euro.
Auf dem Weg zum Fahrradkeller kommen wir an zwei der sechs Gemeinschaftsräume vorbei. Noch sind sie leer, doch bald sollen zwei zum Lernen, zwei zum Spielen, einer zum Sport sowie der sechste als Kino genutzt werden. An einer der Türen hängt ein kleines Plakat mit Infos zu den zwei Wohnheimtutor*innen. Josephine Kujau erläutert: „Das sind Bewohner*innen, die beim Ankommen helfen und das Gemeinschaftsleben organisieren. Sie machen das ehrenamtlich und sind sehr motiviert.“ Bis jetzt gibt es zwei Tutor*innen, später sollen es sechs sein.
Im Fahrradkeller finden sich wie erwartet Fahrradständer. Josephine Kujau zeigt auf einige niedrigere sowie länglichere Fahrradständer und erklärt: „Hier kann man auch Lastenräder anschließen. Außerdem gibt es Steckdosen für E-Bikes. Den Strom fürs Wohnheim versuchen wir mithilfe der Solarpaneele auf dem Dach gänzlich selbst zu erzeugen.“
Zum Abschluss besichtigen wir eines der Familienapartments. Auch hier ist der erste Raum die Küche: Rechts die Küchenzeile, die eine deutlich längere Arbeitsplatte hat als in den kleineren Apartments, hinten links ein Esstisch mit Stühlen. Und dazwischen öffnet sich viel freier Platz zum Spielen. Auch das Bad ist groß genug, um sich mit seinem Kind gemeinsam bettfertig zu machen. Neben der Tür zum Bad befindet sich die zum Schlafzimmer. In der Mitte des Raumes steht ein Einzelbett, links daneben ein Kinderbett. „Also nur für Alleinerziehende?“, fragt Sarah-Madeleine Aust überrascht. „Je nach Bedarf lässt sich noch ein Bett dazustellen“, sagt Josephine Kujau.
Die Familienapartments haben eine Wohnfläche von ca. 36 Quadratmetern und werden vorzugsweise an Paare oder Einzelpersonen mit Kind vermietet – für 610 Euro im Monat. Die Mietpreise für alle Wohneinheiten orientieren sich durchschnittlich an der BAföG-Wohnpauschale von aktuell 380 Euro.
Die Lage des neuen Wohnheims direkt auf dem Campus Golm bedeutet kurze Wege für die Studis und somit weniger Stress. Auch die Mensa befindet sich direkt nebenan. Mit den längeren Öffnungszeiten ab dem Start des Wintersemesters ist auch ein abendlicher Besuch bis 18 Uhr kein Problem mehr.
Acht Jahre nach der ersten Idee gibt es in Golm nun 423 erschwingliche Wohnplätze, für die sicher recht bald ebenso viele glückliche Bewohner*innen gefunden haben.