Zum Hauptinhalt springen

20 Jahre Potsdam Graduate School – „Wir wollen Menschen auf ihrem wissenschaftlichen Weg begleiten“

  • Bettina Buchholz, Geschäftsleitung der Potsdam Graduate School, blickt anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der PoGS auf Erreichtes und Pläne für die Zukunft.
    Foto: Thomas Roese
    Bettina Buchholz, Geschäftsleitung der Potsdam Graduate School, blickt anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der PoGS auf Erreichtes und Pläne für die Zukunft.

Die Potsdam Graduate School (PoGS) begleitet Promovierende, auf ihrem Weg bis zum Abschluss der Doktorarbeit: mit Workshops, Beratung und Gelegenheit, sich mit anderen zu vernetzen. Aber auch Postdocs sowie auch Professor*innen profitieren inzwischen von den Angeboten des Kompetenz- und Beratungszentrums für Forschende in der Qualifizierungsphase. 2026 wird die PoGS 20 Jahre alt und feiert ihr Jubiläum mit einem besonderen Jahresprogramm. Im Interview spricht Leiterin Bettina Buchholz über Erreichtes sowie Ziele und die Frage, warum die PoGS sich in ihrem Auftrag treu bleiben will.

20 Jahre PoGS – Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie?
20 Jahre sind eine lange Zeit. Für uns bedeuten sie viel Engagement für gute Promotionsbedingungen und gutes wissenschaftliches Arbeiten. In dieser Zeit haben wir einen Raum geschaffen, in dem wir Promovierende, Postdocs und Professor*innen überfachlich begleiten können. Gerade in einer Phase, die oft von Unsicherheit und hohem Druck geprägt ist, ist das wichtig. Gleichzeitig ist das Jubiläum ein schöner Anlass, zurückzublicken: Was haben wir erreicht? Wie hat sich das Promovieren verändert? Und wie hat sich die PoGS selbst entwickelt? Und vor allem bedeutet es auch 20 Jahre Arbeit in einem tollen Team mit tollen Kolleg*innen.

Wie fing damals alles an?
Die PoGS wurde 2006 im Zuge einer Neustrukturierung der Ausbildung von Promovierenden an der Universität Potsdam gegründet. Damals gab es große Unterschiede in der Betreuung von Promovierenden, die oft stark von einzelnen Personen abhing, und überfachliche Qualifizierungsangebote waren längst nicht selbstverständlich. Die Gründung der PoGS war Ausdruck eines Kulturwandels: mehr Vernetzung, mehr Begleitung und eine stärkere institutionelle Verankerung der Förderung von Promovierenden.

Was wurde in den vergangenen 20 Jahren erreicht?
Aus einer Anlaufstelle für Promovierende ist eine Einrichtung geworden, die heute auch Postdocs, Tenure-Track- und Juniorprofessor*innen unterstützt. Gleichzeitig haben sich Qualitätsstandards wie Betreuungsvereinbarungen, Beratungsangebote und strukturierte Weiterbildungsprogramme etabliert.
Besonders wichtig ist uns die Vernetzung. Forschende sollen nicht nur in ihren Fachgebieten arbeiten, sondern auch voneinander lernen und verschiedene Karrierewege kennenlernen – innerhalb und außerhalb der Wissenschaft. Eine Promotion ist schließlich nicht nur eine Ausbildung für das Wissenschaftssystem. Viele Promovierte gehen später in andere Bereiche. Deshalb möchten wir Karrierewege innerhalb und außerhalb der Wissenschaft gleichermaßen sichtbar machen. 

Wo sehen Sie weiterhin Herausforderungen?
Wissenschaftliche Karrieren sind nach wie vor von großer Unsicherheit geprägt. Befristete Verträge, hoher Wettbewerbsdruck und die Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft beschäftigen viele promovierende und promovierte Wissenschaftler*innen. Wir können Einzelne unterstützen, die grundlegenden strukturellen Probleme des Wissenschaftssystems können wir jedoch nicht allein lösen.

Wie hat sich die PoGS selbst verändert?
Zunächst sind wir deutlich gewachsen. Aus einem kleinen Team, das einzelne Workshops für Promovierende organisierte, wurde eine zentrale Einrichtung mit einem breiten Portfolio aus Qualifizierungs-, Beratungs-, Vernetzungs- und Förderangeboten. Heute bieten wir unter anderem Coachings, finanzielle Förderungen und Weiterbildungsprogramme an und begleiten verschiedene Zielgruppen entlang ihrer wissenschaftlichen Karriere.
Aber auch die Arbeitsweise hat sich verändert. Neben Präsenzveranstaltungen spielen digitale und hybride Formate inzwischen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig sehen wir, dass persönliche Begegnungen und Vernetzung weiterhin sehr gefragt sind.

Haben sich die Bedürfnisse der Promovierenden verändert?
Ja, deutlich. Wissenschaftliche Qualifizierung wird heute ganzheitlicher gedacht. Neben fachlichen Kompetenzen stehen Themen wie Karriereentwicklung, Führung, mentale Gesundheit, Künstliche Intelligenz, Forschungsdatenmanagement oder Open Science stärker im Fokus.
Außerdem erleben wir eine Generation von Promovierenden und Postdocs, die sich transparente Strukturen und mehr Kooperation wünscht. Auch das Lernverhalten hat sich verändert: Kürzere und flexiblere Formate werden heute oft besser angenommen als klassische Ganztagsworkshops.

In den vergangenen 20 Jahren haben zahlreiche Forschende an Programmen und Workshops der PoGS teilgenommen. Gibt es inzwischen ein großes Netzwerk ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmer?
Ja, auch wenn wir es bislang nicht systematisch erfassen. Viele ehemalige Teilnehmende melden sich später bei uns und berichten, welchen positiven Einfluss bestimmte Programme auf ihren Karriereweg hatten. Einige kehren sogar als Mentor*innen oder Coaches zurück. Darüber freuen wir uns besonders.

Die PoGS feiert ihr Jubiläum das ganze Jahr mit einem eigens gestalteten Programm. Worum geht es dabei?
Vor allem um Sichtbarkeit und Gemeinschaft. Wir stellen oft fest, dass unsere Angebote sehr geschätzt werden, gleichzeitig viele Menschen an der Uni aber gar nicht wissen, dass es sie gibt. Deshalb gehen wir mit unseren Roadshows direkt an die verschiedenen Standorte der Universität und stellen die PoGS vor Ort vor.
Gleichzeitig möchten wir die Community stärken – etwa durch gemeinsame Aktionen wie den Firmenlauf oder das Stadtradeln. Zum Jahresende möchten wir außerdem mit einer großen Abschlussveranstaltungall jenen danken, die die PoGS in den vergangenen 20 Jahren begleitet und geprägt haben.

Welche Schwerpunkte setzen Sie für die Zukunft?
Wir wollen unser Angebot kontinuierlich weiterentwickeln und aktuelle Themen wie Datenkompetenzen, Digitalisierung und Open Science stärker aufgreifen. Gleichzeitig bleibt es wichtig, gute wissenschaftliche Rahmenbedingungen zu fördern. Ein Beispiel dafür ist unser SUPERvisor Award, mit dem wir herausragende Betreuung sichtbar machen möchten. Solche positiven Beispiele können helfen, eine gute Betreuungskultur langfristig zu stärken.

Wenn Sie noch weiter nach vorn blicken: Wie sieht das Promovieren in 20 Jahren aus – und welche Rolle spielt die PoGS dabei?
Wissenschaft wird vermutlich noch internationaler, digitaler und technologischer sein. Umso wichtiger wird es sein, die Menschen hinter der Forschung nicht aus dem Blick zu verlieren. Kompetenzen wie wissenschaftliche Integrität, kritisches Denken und verantwortungsvolles Forschen werden weiterhin zentral bleiben – in einer Zeit, die von schnellem Wandel geprägt ist.
Die PoGS wird diese Entwicklungen begleiten und gleichzeitig ihrem Kernauftrag treu bleiben: Menschen auf ihrem wissenschaftlichen Weg zu unterstützen und gute Bedingungen für Forschung und Qualifizierung zu schaffen.

Weitere Informationen zur PoGS und ihrem Jubiläumsprogramm: https://www.uni-potsdam.de/de/pogs/vernetzen/20-jahre-pogs