Sie durften einen Tag in der „Mosaik“-Redaktion verbringen. Wie kam es dazu?
Ich bin schon sehr lange „Mosaik“-Abonnent, seit der Wende eigentlich. Ende 2025 fand sich im Heft ein Aufruf, bei dem die Abrafaxe fragten: „Warum liest du Mosaik und was verbindest du damit?“ Als Preis winkte ein Tag in der Redaktion. Also habe ich eine E-Mail geschrieben und u.a. berichtet, dass ich früher selbst gern gezeichnet habe, auch eigene „Mosaik“-Szenen. Einige Zeit später bekam ich eine Nachricht, ich solle doch mal anrufen …
Was genau haben Sie gewonnen?
Ich durfte die Redaktion kennenlernen und hinter die Kulissen schauen. Bei einer Führung habe ich die verschiedenen Bereiche kennengelernt. Ich konnte sehen, wie ein „Mosaik“-Heft entsteht, wer daran arbeitet und wie aus einer Idee schließlich ein fertiges Comic entsteht. Ein besonderes Highlight war aber, dass ich die Chance bekam, selbst eine Seite im Heft zu gestalten.
Wer entwickelt eigentlich die Geschichten für „Mosaik“?
Es gibt einen Autor, der die Handlung entwickelt und erste grobe Skizzen anfertigt. Danach arbeiten der künstlerische Leiter und das Team die Figuren und Szenen weiter aus. Anschließend folgen die verschiedenen Produktionsschritte vom sogenannten Blaudruck bis hin zur Kolorierung und zum fertigen Druck. Am 12. September 2026 ist übrigens Tag der offenen Tür bei den Abrafaxen, dann kann man sich alles selbst mal anschauen.
Wie kamen Sie auf die Idee, auf „Ihrer“ Seite die Lernfabrik der Professur für Wirtschaftsinformatik (LSW) in die Geschichte einzubauen?
Die Handlung im Heft 605 spielt im Prag des frühen 17. Jahrhunderts. Es geht um Wissenschaftler und von einem geheimen Labor ist die Rede. Vor meiner Zeit beim ZIM war ich tatsächlich als Wissenschaftler tätig, und der Aufbau der besagten Lernfabrik, eine Art Labor rund um Themen der Fabrik der Zukunft, war Gegenstand meiner Promotion. Die Lernfabrik ist zwar nicht geheim (https://www.uni-potsdam.de/de/nachrichten/detail/2021-07-07-lernfabrik-eroeffnet-zentrum-industrie-40-potsdam-bezieht-eigenes-gebaeude-bei-de, InTraLab am LSWI), passt aber dennoch prima in das Setting der aktuellen Story. So entstand gemeinsam mit den „Mosaik“-Team die Idee, meine eigene Geschichte einzubauen, ohne die Haupthandlung zu unterbrechen. Außerdem fühlte ich mich als ehemaliger Wissenschaftler im Prag der Abrafaxe in prominenter Gesellschaft: der Astronom Tycho Brahe, Feldherr Wallenstein … und Don Ferrando als „Laborleiter“ … ein echt faszinierendes Gesamtbild.
Wie lief die Arbeit an dieser Seite ab?
Ich hatte zu meinem Besuch eine Mappe mit meinen alten Zeichnungen mitgebracht. Die Redakteure und Zeichner schauten sie sich an und meinten, dass meine Seite als richtiger Comic gestaltet werden sollte. Zunächst entstanden einige Scribbles, also grobe Skizzen, und ein Storyboard. Danach wurde eine Comicfigur entwickelt, eine sogenannte Figurine, die mich darstellen sollte. Anschließend konkretisierte ich die Geschichte, zeichnete die Seiten mit Bleistift vor und arbeitete die Figuren und Hintergründe aus. Später wechselte ich zum digitalen Zeichnen am iPad bzw. Grafiktablett. Danach wurden die Seiten koloriert und schließlich in den Satz übernommen, wo die Sprechblasen und die endgültige Schrift eingefügt wurden.
Hatten Sie bei der Gestaltung freie Hand?
Grundsätzlich schon. Ich konnte vieles selbst entscheiden, bekam aber auch viele nützliche Hinweise von den Zeichnern. Dabei lernte ich, auf Details zu achten, die einem als Leser möglicherweise gar nicht auffallen – zum Beispiel bestimmte Kleidungsstücke, Schuhe oder typische Merkmale des Zeichenstils.
Ist die Arbeit an den Seiten an einem einzigen Tag entstanden?
Nein, letztlich war ich an mehreren Tagen dort. Gezeichnet habe ich teilweise in der Redaktion und teilweise zu Hause. Da ich kein professioneller Zeichner bin, habe ich dafür deutlich mehr Zeit gebraucht als die Mitarbeiter.
Könnten Sie sich vorstellen, das beruflich zu machen?
Prinzipiell schon, aber ganz konkret nein. Viele Hobbys verlieren ihren Reiz, wenn man sie jeden Tag beruflich machen muss. Das kenne ich auch aus der Musik. So zeichne ich, wenn Zeit ist. Beispielsweise möchte ich unbedingt ein eigenes Wimmelbild zeichnen, so, wie es mich schon immer im Mosaik begeistert hat, ganz ohne Zeitdruck und als Ausgleich zum Beruf.
Weitere Informationen zur abgebildeten virtuellen Lernfabrik, dem „Industrial Transformation Lab“:
Weitere Informationen zum Mosaik: