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Wirtschaftswissen in Kinderbüchern – Thomas Siedler will mehr Ökonomie vermitteln

Innovative Lehrprojekte 2025

Abschreibungen, Jahresabschluss, Zahlungsbilanz: Ökonomie ist nicht für jedermann und schon gar nichts für Kinder. Stimmt nicht, findet Thomas Siedler. Der Professor für Volkswirtschaftslehre, Insbesondere Wirtschaftspolitik versucht deshalb, mit seinen Studierenden in einem Seminar Ideen zu entwickeln, wie Wirtschaftswissen – in Form von Sachbüchern – kindgerecht vermittelt werden kann. Matthias Zimmermann sprach mit ihm über sein Seminar „Entdecke die Welt der Ökonomie: Spannende Geschichten rund um ökonomische Probleme im Kinderbuchformat“, das vom Zentrum für Qualitätsentwicklung (ZfQ) als innovatives Lehrprojekt gefördert wurde.

Worum geht es in Ihrer Lehrveranstaltung?
Die Studierenden beschäftigen sich in meiner Lehrveranstaltung mit ökonomischen Konzepten – mit dem Ziel, sie so zu präsentieren, dass sie bereits Kindern im Alter von zehn Jahren zugänglich sind. Zunächst konnten sie sich frei ein Thema wählen und in ihrer Seminararbeit so gut wie möglich verständlich aufbereiten. Hierbei hatten sie viel Freiraum, um Themen zu wählen, mit denen Kinder etwas anfangen können, wie etwa Ungleichheit in Deutschland, Diskriminierung im Alltag oder auf dem Wohnungsmarkt, Wasserknappheit, die Bedeutung von Inflation, der internationale Handel, Umweltverschmutzung, Arbeitsteilung und Kinderarmut. Richtig spannend wurde es dann im zweiten Teil: Die Studierenden haben zu zweit im Team und zu „ihren Themen“ ein Konzept für ein Kindersachbuch erarbeitet. Dank unserer Förderung für innovative Lehre konnten wir dafür Gabi Neumayer, eine erfahrene Kindersachbuchautorin, einladen, die den Studierenden erklärt hat, worauf beim Schreiben und Gestalten eines Kinderbuchs geachtet werden sollte. Sie hat über kindgerechte Sprache und einen guten Aufbau im Großen und im Kleinen gesprochen – und beispielsweise gezeigt, dass die Seiten in einem Sachbuch jeweils etwa zur Hälfte Text und Illustrationen enthalten sollten. Wir haben außerdem die Grafikerin Tiiu Kitsik eingeladen, die uns wichtigen Input für die Gestaltung von Kinderbüchern mit Grafiken und Illustrationen gegeben hat. Zusätzlich haben wir uns mit Lea Giesecke von der Fachhochschule Potsdam ausgetauscht, die ein ähnliches Seminar von der Designseite aus betreut. Die Studierenden haben ihre Themen zuerst kurz als Vorschläge präsentiert und anschließend einen Vortrag über die wissenschaftlichen Konzepte ausgearbeitet. Dazu gab es dann Feedback im Seminar und auch von der Kinderbuchautorin, bevor die Teams an ihren Projekten weitergearbeitet haben. Zum Abschluss haben alle Gruppen die finalen Kinderbuchentwürfe noch einmal vorgestellt. Alle Bücher bestanden aus zwölf Doppelseiten, wobei auf jeder eine Frage als geschlossenes Unterthema beantwortet wird. Drei Doppelseiten haben die Teams jeweils weitgehend ausgearbeitet, die übrigen geplant.

Was macht die Lehrveranstaltung innovativ?
Die Idee, Kindersachbücher im Bereich der Ökonomie zu erstellen, ist einzigartig und originell. Ich persönlich bin ein großer Fan von Kinderbüchern und verbringe regelmäßig Zeit mit meiner Tochter in Bibliotheken. Dabei ist mir aufgefallen, dass es nur wenige Bücher gibt, die ökonomische Themen für Kinder behandeln. Ich wollte das ändern und mehr Transfer ermöglichen. Mein Ansatz ist ergebnisoffen: Sollte eine Buchidee von Studierenden Potenzial haben, ziehen wir in Betracht, es weiterzuentwickeln und sogar einen Verlag dafür zu suchen. Diese Herangehensweise fördert bei den Studierenden ein ganz anderes Denken und eröffnet neue Perspektiven abseits der herkömmlichen Seminararbeiten.

Wie entstand die Idee für das Projekt?
Mich inspirieren besonders solche Sachbücher für Kinder, an denen sie Spaß haben und gleichzeitig etwas lernen. Vor allem die Reihe „Little People, Big Dreams“, die das Leben berühmter Persönlichkeiten wie Einstein, Mandela und Picasso in einfachen, kurzen Sätzen auf Tatsachen beruhend erzählt, hat mir sehr gefallen. Am Ende der Geschichten findet sich stets eine Zusammenfassung für Erwachsene, die ebenfalls lehrreich ist. Diese Art der Darstellung wollte ich auch für ökonomische Konzepte umsetzen, weil es viele wichtige Themen gibt, die in der Schule oft nicht behandelt werden. Ökonomie ist selten ein eigenes Fach, und es gibt entsprechend wenig Literatur zu diesem Thema für Kinder.

Was erhoffen Sie sich von der Lehrveranstaltung?
Für die Studierenden der Ökonomie ist dies eine großartige Gelegenheit, anders zu denken und kreativ zu sein. Diese Lehrveranstaltung ergänzt die traditionelle Seminararbeit und fördert den analytischen wie den kreativen Denkprozess.

Gibt es erstes Feedback der Studierenden?
Die Studierenden waren sehr fleißig und engagiert dabei. Und auch ihr Feedback ist durchweg positiv. Es entstand ein besonderer Teamgeist innerhalb der Gruppe, weil ich ihnen offen gesagt habe, dass wir hier etwas Neues ausprobieren, ohne zu wissen, wie es letztlich funktionieren wird. Vom Ergebnis bin auch ich begeistert und freue mich darauf, sie erneut anzubieten.


Zur Übersicht der geförderten „Innovativen Lehrprojekte 2025“: https://www.uni-potsdam.de/de/zfq/innovative-lehrprojekte/projektuebersicht-2025