Diese Grundstücksakten sind oftmals ein Sammelsurium aus alltäglichen Banalitäten wie Meldungen über defekte Heizungen und verstopfte Toiletten oder so weltbewegenden Fragen darüber, wer für die Pflege der Bäume und Sträucher auf der Grundstücksgrenze zuständig ist. Daneben enthalten sie immer wieder interessante Dokumente aus dem Alltag der einstigen Bewohner. Von Zeit zu Zeit fallen aber auch Schriftstücke an, die man erstmal nicht erwartet. So etwa ein Vorgang aus dem Studentenwohnheim in der Karl-Marx-Str. 20 in Potsdam-Babelsberg. Im September 1956 erreichte die zuständige Hausverwaltung der Akademie eine Anfrage der DEFA-Spielfilmstudios für eine Drehgenehmigung in dieser Liegenschaft. Auf der Suche nach einer Außenszene für einen Film unter dem Arbeitstitel „Wo wir nicht sind …“, unter der Regie von Gerhard Klein und nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase, war man hier in Babelsberg fündig geworden. Schnell wurde eine Vereinbarung getroffen und die Dreharbeiten waren bis zum Dezember 1956 abgeschlossen.
Für die Akademie war die Angelegenheit damit jedoch noch nicht beendet. In einem Schreiben vom 19. Dezember 1956 an seinen Vorgesetzten sah sich der zuständige Hausmeister verpflichtet, über Schäden im Gebäude zu berichten, die wohl insbesondere durch Komparsen angerichtet worden waren. Seinen Ausführungen zufolge wurden Türen aufgebrochen und Fenster beschädigt. Seminarräume wurden „in einem Zustand zurückgelassen, der jeder Beschreibung spottet“. Selbst der Dachboden wurde „in einer nicht wiederzugebenden Art und Weise verschmutzt“. Auch wurden Studentenzimmer „gewaltsam geöffnet und das Studienmaterial der Studenten beschmutzt“. Penibel berechnete der Hausmeister insgesamt fast 70 Arbeitsstunden für Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten. Zudem waren 14 Aschenbecher (!) und zwei Stühle zu ersetzen sowie eine Firma für Schlosserarbeiten zu beauftragen. Der DEFA wurden Unkosten in Höhe von 142,51 DM in Rechnung gestellt und es wurde um eine Aussprache mit einem verantwortlichen Mitarbeiter gebeten. Aus unseren Unterlagen ist leider nicht ersichtlich, wie die Sache ausging, allerdings waren dies für lange Zeit die letzten Dreharbeiten im Bereich der ASR.
Der Film erschien übrigens im Jahr 1957 unter dem Titel „Berlin – Ecke Schönhauser“ und gilt heute als einer der bedeutendsten deutschen Spielfilme der 1950 und 1960er Jahre.
Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Zwei 2025 „Demokratie“.

