Ein Stunt zwischen Filmset und Hörsaal
Seit ihrem Abschluss 2017 ist eine Menge passiert, doch die Erinnerungen sind noch sehr lebendig: an den wunderschönen Campus Am Neuen Palais, die Stunden der Trainingseinheiten am Luftschiffhafen. Und vor allem an den intensiven Sporttest, den sie bestehen musste, um hier studieren zu können. „Das war verdammt hart“, lacht Mouroum, „aber irgendwie habe ich das dann doch geschafft.“ Während ein Studium für viele der Beginn der Karriereplanung ist, steckte Marie Mouroum bereits mittendrin: Im Alter von 15 Jahren hatte sie den Weltmeistertitel in der indonesischen Kampfkunst Pencak Silat gewonnen und 2007 als Statistin am Set des Films „Ninja Assassin“ den Fuß in die Filmwelt gesetzt. Es folgten viele Projekte, etwa als Double für Halle Berry in „Cloud Atlas“ oder als Schauspielerin in dem Film „Black Panther“, mit dem sie endgültig den Durchbruch schaffte. Mit Queen Latifah hat Mouroum selbst ein großes Vorbild, die beiden stehen sich auch durch die gemeinsame Arbeit in der Serie „The Equalizer“ nah.
Keine Zeit für Alltag
In diese aufstrebende Karriere noch ein Studium „einzubauen“, war vor allem eine Vernunftentscheidung, zu der ihre Mutter ihr geraten hatte. Und die hat sie bis heute nicht bereut – obwohl sie dafür auch große Projekte absagen musste. Ein Balanceakt, denn sowohl die aktive Karriere als auch der erfolgreiche Abschluss lagen der ehemaligen Studentin am Herzen. „Oft bin ich zwischen Vorlesung und Flughafen hin und her getingelt. Das war sehr kräftezehrend.“ Trotzdem profitiert sie von allem, was sie in Potsdam gelernt hat, selbst wenn sie nicht aktiv in dem Bereich arbeitet. Das Studium habe ihr geholfen, das Leben zu strukturieren: wie man sich organisiert, wie man Dinge angeht – und dass vieles einfach Zeit braucht, damit es wirklich gut wird. Etwa das wissenschaftliche Arbeiten mit echter Qualität dahinter. „Das hat mir etwas fürs Leben gebracht! Außerdem hatte ich viele Verletzungen als Stuntfrau und kenne meinen Körper durch das Studium – das Wissen um die Muskulatur, Knochen und Sehnen – einfach besser“, erklärt Marie Mouroum, die als einzige ihres Jahrgangs als Stuntperformerin arbeitet. In dieser Funktion geht es auch darum, sich aktiv in eine Rolle zu begeben und diese gut spielen zu können. Zudem trainiert sie die Schauspielerin intensiv für die entsprechende Szene und nimmt auch am Set eine beratende Rolle ein. Der Weg von der Stuntfrau zur Schauspielerin ist damit nicht unbedingt vorgegeben – Marie Mouroum ging ihn 2024 dennoch und bewies in ihrer ersten Hauptrolle in dem deutschen Netflix-Actionfilm „60 Minuten“ ihr Talent.
Was es im Leben von Marie Mouroum nicht gibt, ist Alltag: Jedes Projekt diktiert ihr einen neuen Rhythmus. Fünf Jahre hat sie in New York gedreht und gelebt, ist danach direkt nach Köln geflogen, um bei der „Let’s Dance“-Staffel 2025 mitzumachen, und kommt gerade wieder „neu“ in der alten Heimat an. Wohin es sie treibt, ist offen. Doch hinter allen Projekten steckt stets eine Zielstrebigkeit, die nicht von Zufällen geleitet ist. Marie Mouroum hat eine Vorstellung von ihrem Leben und bleibt dabei stets offen für Neues und die Vielfalt, die es bereithält. „Vor ‚Let’s Dance‘ wusste ich ja auch nicht, dass ich Tanzen kann“, lacht sie und betont, wie viel Freude ihr auch diese Zeit am Set und die Zusammenarbeit mit den anderen Kandidaten bereitet haben. Wohin soll es also noch gehen? „Ich fühle mich sehr angekommen. Ich habe große und kleine Filme gedreht, das ganze Spektrum mitgenommen. Heute mache ich nur noch Sachen, die mir Spaß machen. Ob es ein Erfolg wird oder nicht, ist dann erst einmal egal. Die größte Freude ist es, sich selbst neu zu entdecken. Das ist das, was das Leben für mich so spannend macht.“
Marie Mouroum studierte Sporttherapie und Prävention an der Universität Potsdam. Heute arbeitet sie als Stuntfrau und Schauspielerin.
Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Zwei 2025 „Demokratie“.

