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In der Ferne so nah – Lehramtsstudentin Pia Charlotte Erben absolviert ihr Schulpraktikum in Ägypten

Pai Erben gibt Englischunterricht in der 10. Klasse
Haupteingang Rahn Schule
Foto : Elisabeth Luy
Pai Erben gibt Englischunterricht in der 10. Klasse
Foto : Pia Erben
Haupteingang Rahn Schule

„Zukunftskompetenzen“ – ein gewichtiges Wort. Mit Programm! Das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZeLB) hat es 2023 zu seinem Jahresthema erkoren. Dahinter steht die Selbstverpflichtung, angehende Lehrkräfte auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts in einer immer komplexer werdenden Welt vorzubereiten. Neue Lernräume – reale wie virtuelle, universitäre wie schulische – sollen den Studierenden helfen, eben jene Fähigkeiten zu erwerben, die sie in einer von Diversität und Digitalisierung, sozialer Ungleichheit und kultureller Vielfalt geprägten Bildungslandschaft bestehen lassen. Vor dem Hintergrund zunehmender Migration und Mehrsprachigkeit scheint es da mehr als sinnvoll, diese Lernräume auch ins Ausland zu öffnen und die Studierenden international Erfahrung sammeln zu lassen. Das ZeLB hat dafür ein weltweites Netzwerk aufgebaut, dem inzwischen 14 Partnerschulen angehören.

Eine davon steht in Ägypten. Die Rahn-Schulen in Kairo sind eine deutsche Einrichtung in privater Trägerschaft, die von der Primarstufe bis zum internationalen Abitur führt. Dass die Kinder und Jugendlichen dort nach dem brandenburgischen Rahmenlehrplan unterrichtet werden, erleichtert die Zusammenarbeit. Pia Charlotte Erben macht die Probe aufs Exempel und absolviert derzeit als erste Potsdamer Lehramtsstudentin ihr Praxissemester in Kairo. Ganz ins Ungewisse reiste sie nicht. Im vergangenen Sommer hatte sie als wissenschaftliche Hilfskraft eine Projektwoche am Potsdamer Leibniz-Gymnasium mitorganisiert und dabei die digital beteiligte Partnerschule in Ägypten kennengelernt. In der virtuellen Begegnung schien es plötzlich gar nicht mehr so abwegig, selbst dort zu unterrichten. Als sie später bei einer Tagung der Kooperationsschulen den Leiter der Schule sprechen konnte, reifte ihr Entschluss. Ein halbes Jahr lang paukte sie Arabisch, belegte ein Seminar für die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache und versuchte sich mental auf die andere Kultur einzustellen, der sie zuvor nie begegnet war. Auch wenn an der Kairoer Schule ein Drittel des Kollegiums aus Deutschland stammt und sie mit Dozierenden in der Heimat online in Kontakt bleiben wird, sieht sie den Aufenthalt in der Fremde doch als große Herausforderung. „Es ist ja auch meine erste lange Zeit in einer Schule, das erste Mal, dass ich Teil eines Kollegiums bin. Aber ich bin gespannt und freue mich auf mein persönliches Wachstum“, sagte Pia vor ihrer Abreise und ließ keinen Zweifel, dass sie das viermonatige Praktikum bis zum Sommer durchziehen wird. Inzwischen ist sie in Kairo gelandet, hat ihre Wohnung bezogen und ihre ersten Stunden unterrichtet: Deutsch und Englisch in der Sekundarstufe II.

Und Pia, wie läuft es?

„Das Ankommen im Land und in der Stadt war leichter als erwartet. Da ich in einer nicht-touristischen Gegend wohne, habe ich ein ganz authentisches Stadtgefühl. Manchmal werde ich, vielleicht auf Grund meines anderen Aussehens, neugierig angeschaut. Doch die Menschen sind offen und helfen sofort, wenn ich nach dem Weg frage. Meine ersten Wochen in der Schule waren sehr angenehm. Ich bin herzlich ins Kollegium aufgenommen worden und wir sind schnell miteinander ins Gespräch gekommen. Die anderen Lehrkräfte sind, auch spontan, dazu bereit zu hospitieren und nehmen sich danach Zeit, mit mir über die Stunde zu sprechen. Auch die Schülerinnen und Schüler kommen freundlich auf mich zu und fragen, wer ich bin und was ich mache. Die meisten kennen mich inzwischen, weil es in den Stufen sieben bis zwölf nur jeweils eine Klasse mit maximal 20 Kindern gibt. Da sind alle sehr vertraut miteinander. Die Schule ist technisch gut ausgestattet und hat einen beeindruckenden Musikbereich, was an ihrem musischen Profil liegt. Eine weitere Besonderheit ist, dass hier das International Baccalaureate erworben werden kann, anstelle des Abiturs.

Für den Schulweg gibt es Busse, die die Mädchen und Jungen von der Haustür bis zur Schule und wieder zurückbringen. Auch wir im Praktikum dürfen sie nutzen, was den Alltag einfacher macht. So habe ich am Abend und an den Wochenenden Zeit, Kairo zu erkunden. Wegen der Größe der Stadt nutze ich meist Uber. In den einfachen Gesprächen mit dem Fahrer kann ich sogar meine wenigen Arabischkenntnisse anwenden. Ich finde mich inzwischen ganz gut zurecht, da mir Bekannte aus der Schule einzelne Stadtteile gezeigt haben. Super für gemeinsame Ausflüge ist, dass wir im Praktikum an der Schule momentan zu viert sind. Aber auch allein sind Erkundungen recht leicht, abgesehen vom aufregenden Straßenverkehr. Beim Einkaufen laufen manchmal Angestellte mit einer Plastiktüte neben einem her, sodass man die Sachen direkt einpacken kann. Manches ist eben neu und ungewohnt, am meisten jedoch die Sprache. Außerhalb des Unterrichts wird auch an der Schule Arabisch gesprochen, da fällt es schwer, Privatgesprächen zu folgen. Ich komme aber trotzdem gut klar, weil alle Fächer außer Religion und Arabisch auf Englisch oder Deutsch gehalten werden. Ich freue mich also sehr auf die kommende Zeit und die vielen neuen Erfahrungen!“

Wer weiterverfolgen möchte, was Pia an der Schule und im Land erlebt, kann ihrem Blog folgen unter: https://briefeauskairo.blogspot.com

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2023 „Zukunft“ (PDF).