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„Besonders gut hat mir der Praxisbezug gefallen“ – Verhandeln lernen: Verena Fezer hat den berufsbegleitenden MBA Studiengang Negotiation Management absolviert

Portrait von Verena Fezer.
Foto : HZB/M. Setzpfand
Verena Fezer hat den berufsbegleitenden MBA Studiengang Negotiation Management absolviert.

Frau Fezer, beim Start ihres Studiums waren sie bereits erfolgreiche Führungskraft bei der Landeshauptstadt Potsdam. Warum entschieden Sie sich 2018 nochmal für ein Studium?

Ich hatte einfach schon lange den Wunsch, etwas Neues zu lernen. Als mein kleiner Sohn vier wurde, dachte ich: „Jetzt geht das!“ Und nach 13 Jahren Berufserfahrung als Personalerin wollte ich mich fachlich weiterentwickeln. Eigentlich bin ich Wirtschaftsjuristin mit einem Fachhochschulabschluss. Damit konnte ich einige Aufgaben in meinem damaligen Job nicht wahrnehmen und das hat mir gar nicht gefallen. Ich wusste, dass ich an der Situation etwas ändern musste.

Aus welchen Gründen haben Sie sich für den MBA-Studiengang Verhandlungsmanagement entschieden?

Der MBA sollte zu mir passen. Zum einen auf fachlicher Ebene: Ich bin von Herzen Personalerin, wollte das Personalmanagement dennoch nicht weiter vertiefen. Auf dem Gebiet war ich ja schon Expertin. Aber fundierte Kenntnisse zu Verhandlungen sind einfach eine super Ergänzung, weil man als Führungskraft ständig auf verschiedenen Ebenen verhandelt, sei es mit Teammitgliedern, dem Betriebsrat oder eben mit anderen Führungskräften.

Und zum anderen?

Als zweites überlegte ich mir, wie ich das Studium gut bewerkstelligen kann, welche Lernmethoden mir liegen. Ich wusste, dass ein reiner Fernstudiengang nicht zu mir passt. Also habe ich mich bewusst für das Angebot der Uni Potsdam entschieden, die einen berufsbegleitenden Studiengang im Programm hatte, der sich an Präsenz orientierte. Ich wollte einen fixen Termin, festgelegte Zeitfenster, persönliche Ansprechpartner und auch mit Kommilitonen im Austausch sein.

Inzwischen sind Sie Abteilungsleiterin für Personal & Soziales im Helmholtz- Zentrum Berlin für Materialien und Energie. Welchen Einfluss hat die Qualifizierung auf Ihre berufliche Karriere genommen?

Der Studiengang war schon wichtig. Einmal für mich selbst, denn die Herausforderung in meinem neuen Job als Abteilungsleiterin im Helmholtz- Zentrum musste ich mir auch erst einmal zutrauen: in einer sehr offenen und sehr freien Kultur wie der Wissenschaft die Verantwortung für das Personalmanagement eines ganzen Hauses zu übernehmen. Zudem war es auch eine Anforderung meines neuen Arbeitgebers, dass die Personalleitung einen wissenschaftlichen Blick aus eigener Erfahrung in ihrem Lebenslauf vorweisen kann.

Was war für Sie die größte Herausforderung während des Studiums?

Mit wenig Freizeit auch persönlich über weite Strecken glücklich zu sein.

Wie konnten Sie das in Einklang bringen?

Ich habe versucht, den Studiengang nicht als Arbeit zu sehen, sondern als persönliche Bereicherung. Und wenn ich die Zeit mal aus der Perspektive der Privatperson betrachte, dann gab mir der MBA auch die Möglichkeit dazu. Die Kinder hatten mir und meinem Mann zu dem Zeitpunkt wieder etwas mehr Luft gelassen und das Studium war etwas, das ich für mich getan habe, für meine Entwicklung. Freitags und samstags habe ich auch ein bisschen egoistisch die Tür hinter mir zugezogen und die Tage an der Uni als sehr erfüllend wahrgenommen.

Geht die Universität in der berufsbegleitenden Qualifizierung auf persönliche Bedürfnisse der Studierenden ein?

Ja, man kann den Studiengang relativ frei gestalten. Die Regelstudienzeit beträgt eigentlich zwei Jahre, aber man kann diese Periode auch in die Länge ziehen und nicht alles auf einmal machen. Das war zwar nicht mein Modell, weil ich eher ein Mensch bin, der Sachen abhakt. Aber es wäre möglich gewesen. Außerdem gibt es eine Komponente beim Transferservice der Uni Potsdam, die mir sehr gefallen hat: Auf Situationen, in denen die Vereinbarkeit von Job, Studium und Familie eine Rolle spielt, ist man dort sehr menschlich eingegangen. Die Gespräche mit den Mitarbeitern von UP Transfer waren eine echte Unterstützung. Und ich bekam einen realistischen Einblick, der mir vermittelte, dass das Pensum zu schaffen ist.

Was hat Sie an der Ausbildung am meisten beeindruckt?

Besonders gut hat mir der Praxisbezug gefallen. Ich bin aus vielen Seminaren gegangen und konnte die Themen direkt in meinen Berufsalltag integrieren. Ich habe das als sehr unmittelbar wahrgenommen. Selbst bei Hausarbeiten hatten wir die Möglichkeit, aktuelle berufliche Situationen zu berücksichtigen. Das finde ich sehr anwendungsorientiert.

Ist Ihnen von der Ausbildung etwas besonders im Gedächtnis geblieben?

Einmal haben wir die Verhandlungen der Potsdamer Konferenz der Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg nachvollzogen. Wir sind in die Ausstellung im Schloss Cecilienhof gegangen, haben uns dort in den Verhandlungsraum gestellt und gesagt: „Okay, jetzt schauen wir mal, wie die Herren Churchill, Truman und Stalin gesessen haben. Wer hatte wo seinen Stuhl, wer kam von wo in den Raum, wie war alles aufgeteilt?“ An diesen Punkten fängt eine Verhandlung ja bereits an. Und so haben wir das gesamte Zusammentreffen vor Ort durchgenommen. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung. Nicht nur wegen der theoretischen Erkenntnisse, die wir dort gewonnen haben, sondern auch wegen des eigenen Erlebens.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal Transfer 2021/22 (PDF).