MATh.en.JEANS – Tagung für Schülerinnen und Schüler in Potsdam

Aufnahme der Veranstaltung MATh.en.JEANS 2018 am Campus Griebnitzsee.
Prof. Dr. Sylvie Roelly
Foto : Sylvie Roelly
Aufnahme der Veranstaltung MATh.en.JEANS 2018 am Campus Griebnitzsee.
Foto : privat
Prof. Dr. Sylvie Roelly

MATh.en.JEANS bringt Schülerinnen und Schüler an die Uni Potsdam. Die gleichnamige Vereinigung veranstaltet jedes Jahr in französischen Schulen, Collèges und Gymnasien in Europa und in Zusammenarbeit mit Universitäten Workshops zur mathematischen Forschung. Am 5. und 6. April 2022 findet an der Universität Potsdam eine Tagung statt, auf der 179 Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ihrer Forschungsprojekte präsentieren. Organisiert wird die in hybrider Form durchgeführte Veranstaltung von Sylvie Roelly, Professorin für Wahrscheinlichkeitstheorie am Institut für Mathematik, zusammen mit den Lehrenden Magali Leick, Julien Duthil und Jean-Luc Pérotin. Dr. Stefanie Mikulla sprach mit ihr darüber, warum sie sich für das Format engagiert und wie man junge Menschen für die Mathematik begeistern kann.

Frau Roelly, Sie engagieren sich seit vielen Jahren für die Vereinigung Math.en.Jeans, die Partnerschaftsaktionen zwischen Mathematikern und Schulen initiiert, um Jugendliche für die Mathematik zu begeistern. Was ist Ihre Motivation und wie kam die Zusammenarbeit mit dem Französischen Gymnasium in Berlin zustande?

Bereits Kinder probieren, wie man (u.a. ungelöste) mathematische Probleme analysieren kann und teilweise Lösungen dafür findet. Ich bin selbst Französin und drei meiner Kinder besuchten das Französische Gymnasium in Berlin. Ich bewunderte das Engagement der dortigen Lehrerinnen und Lehrer. Als ich realisierte, dass ich als Forscherin durch das Projekt MATh.en.JEANS eine Brücke zwischen Schule und Universität mitaufbauen konnte, habe ich mich bereit erklärt, solche Schülerförderung zu unterstützen und selbst Schülerprojekte vorzuschlagen und zu betreuen.

Warum finden Sie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Universitäten wichtig und wie haben Sie auch Ihre Arbeitsgruppe überzeugt, sich an den Schülerprojekten zu beteiligen?

Die Freude an der Mathematik kann man schon ganz früh wecken. Vor allem, indem man das Fach nicht als fertige Wissenschaft mit festen Rezepten und Formeln darstellt, sondern als lebendiges Wissen, das immer weiter mehr Fragen als Lösungen erzeugt. Auch und gerade Kinder können das erleben und schätzen! Viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler meiner Professur haben sich einmal beteiligt und gemerkt, dass es sie selbst glücklich macht, ihre Leidenschaft und Faszination zur Mathematik mit Jüngeren zu teilen.

Wie muss man sich die Arbeit von Forschenden, Lehrenden und Schülerinnen sowie Schülern an konkreten Projekten vorstellen?

Zunächst schlagen die Forschenden ein Thema vor, das mit dem Alltag zu tun hat und das man sich gut vorstellen kann. Zum Beispiel: Tests zur Gesundheit der Bevölkerung kann man gruppieren, um Zeit und Geld zu sparen. Eine mögliche Fragestellung wäre dann: Wie groß oder klein ist die optimale Größe einer Gruppe? Beispiele für andere Fragestellungen wären: Wie lange muss man im Mittel an der Bushaltestelle warten, bis der nächste Bus kommt? Oder: Wie viele kreisförmige Kekse kann man auf einem rechteckigen Blech verteilen, um sie zu backen? Wie müssen die Kekse auf dem Blech angeordnet werden? Mit den Lehrenden besprechen wir dann verschiedene Aspekte der Fragestellung in Bezug auf Theorie, Anwendung und Simulation. Die Jugendlichen sollen zunächst selbst einige Lösungswege überlegen und ausprobieren. Erst wenn sie nicht weiterkommen, geben wir Hilfestellung, um andere Lösungswege zu finden. Die Betreuungspersonen sollten auf jeden Fall die Autonomie der Schülerinnen und Schüler respektieren und fördern.

Welche Projekte wurden von den Schülerinnen und Schülern im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Wahrscheinlichkeitstheorie bearbeitet?

Wir haben zum Beispiel an folgenden Fragestellungen geforscht:

  1. Wie wahrscheinlich es ist, dass von 15 Personen mindestens drei am selben Tag Geburtstag haben? Es klingt zunächst eher unwahrscheinlich, dieses Ereignis ist jedoch 1990 in einer 15-köpfigen Gruppe am Institut für Mathematik der Universität Dortmund tatsächlich eingetreten!
  2. Inwiefern hilft folgendes Verfahren, die Anzahl der Fische in einem Teich abzuschätzen: Man fängt eine bestimmte Anzahl Fische, markiert sie, und entlässt sie wieder in den Teich. Dann macht man einen zweiten Fang und beobachtet, wie viele davon markiert sind.
  3. Eine Schnecke kriecht rein zufällig auf einem Würfel umher. Wird sie irgendwann auf ihren Freund treffen, der auf der anderen Seite schläft? Wie lange wird sie im Durchschnitt dafür brauchen? Hängt das Ergebnis von ihrer Ausgangsposition ab?

Die Tagung, auf der die Ergebnisse zu ähnlichen Fragen präsentiert werden, findet an der Universität Potsdam am Neuen Palais in hybrider Form statt. Was steht auf dem Programm? Welche Beteiligten können die Veranstaltung in diesem Jahr vor Ort miterleben?

Die Veranstaltung wird zwölf Schulen mit 179 Schülerinnen und Schülern online und vor Ort zusammenbringen. Auf dem Programm stehen 41 Mathematikpräsentationen aus den MATh.en.JEANS-Workshops sowie vier Gastvorträge, unter anderem von Prof. Dr. Matthias Keller, dem Leiter des Instituts für Mathematik an der Universität Potsdam. Die Vorträge sind an das Niveau der Schüler angepasst. Wir können Beteiligte aus Deutschland, Frankreich, Lettland, Italien, Ungarn, den Niederlanden und Rumänien begrüßen, aber nur die Schülergruppen vom Französischen Gymnasium in Berlin werden vor Ort sein. Die anderen Gruppen dürfen in diesem Jahr leider wegen der Covid-Situation noch nicht reisen.

Vielen Dank!

Link zur Vereinigung MATh.enJEANS: https://www.mathenjeans.fr/

Link zur Arbeitsgruppe: https://www.math.uni-potsdam.de/professuren/wahrscheinlichkeitstheorie/aktivitaeten/mathenjeans