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„Gesellschaftliche Relevanz ist uns wichtig“ – Daniel Wetzel gehört zu einer der ersten Alumni-Generationen der Uni Potsdam

Portrait von Daniel Wetzel. Das Foto ist von Karoline Wolf.
Politikwissenschaftler Prof. Dr. Heinz Kleger
Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe (links) und Potsdams damaliger Oberbürgermeister Jann Jakobs (rechts) präsentieren 2016 anlässlich der Ausstellung „Weltethos In Potsdam“ das neue Potsdamer Toleranzedikt
Foto : Karoline Wolf
Daniel Wetzel, Alumnus der Universität Potsdam und Geschäftsführer der Agentur Medienlabor
Foto : Andreas Klaer
Politikwissenschaftler Prof. Dr. Heinz Kleger, von 1993 bis 2018 an der Universität Potsdam, erarbeitete das Neue Potsdamer Toleranzedikt
Foto : Thomas Rosenthal
Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe und Potsdams damaliger Oberbürgermeister Jann Jakobs präsentieren 2016 anlässlich der Ausstellung „Weltethos In Potsdam“ das neue Potsdamer Toleranzedikt

Hätte man Daniel Wetzel Anfang der 2000er Jahre, kurz vor seinem Abschluss in Geschichte, Politik- und Medienwissenschaft gefragt, was er denn mit diesem Studium beruflich anfangen wolle, hätte er wahrscheinlich, wie so viele seiner Generation, geantwortet: „Irgendwas mit Medien“. Was damals so lapidar dahingesagt klang, hatte Daniel Wetzel ernst gemeint und mit Kommilitonen eine Agentur auf die Beine gestellt.

Den Anstoß gaben damals Dr. Hans-Jörg Pöttrich und Prof. Dieter Wagner mit dem Seminar „Gründen im Medienbereich“ und der Möglichkeit, schon während des Studiums erste Erfahrungen mit einer eigenen Lernfirma zu sammeln. Praxis pur, das gefiel Daniel Wetzel. Zusammen mit Jean-Pierre Winter und anderen Studierenden startete er 2005 das Medienlabor. Seine Motivation: mit Blick auf den nahenden Magisterabschluss „professionell experimentieren und konkrete Sachen gestalten“. Das ging im Schutz der Alma Mater besonders gut und ließ sich auch mit dem Studium kombinieren. Zeitlich wie thematisch.

Als dann tatsächlich „erste richtige Aufträge“ reinkamen, nahm das Medienlabor Fahrt auf. Schon bald wurde für das Dutzend Studierende die Gründung eines Unternehmens nötig, weil die rechtliche Konstruktion eines Vereins im geschäftlichen Umfeld nicht mehr ausreichte. Für Daniel Wetzel waren das Praxis-Seminar und das erste Jahr in der Lernfirma besonders lehrreich. Die interdisziplinäre Kooperation, das „Zusammenwürfeln“ von Menschen aus völlig verschiedenen Fachgebieten, das hilft ihm noch heute in der Agentur, „wo wir jeden Tag in einem großen Team arbeiten, Prozesse aufsetzen und optimieren, gemeinsam einen Weg finden und die eigenen Ideen in sinnvolle Produkte umsetzen“.

Förderlich waren für Daniel Wetzel gerade in den ersten Jahren des Agenturlebens seine Kontakte zu den Professorinnen und Professoren der Universität Potsdam. So ging die Erarbeitung des Neuen Potsdamer Toleranzedikts vor allem auf seinen ehemaligen Politikprofessor Heinz Kleger zurück. Kleger übernahm die inhaltliche Ausarbeitung, die junge Agentur war für Kampagne und Medienarbeit zuständig. Gemeinsam mit Dr. Simone Leinkauf vom Potsdamer Wissenschaftsnetzwerk proWissen gelang die breite Einbindung der Wissenschaft. Und nicht zuletzt ebneten die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Jann Jakobs und die Projektkoordinatoren Dieter Jetschmanegg und Wolfgang Hadlich den Weg zum Erfolg.

Die Arbeit für ein neues Potsdamer Toleranzedikt bezeichnet Daniel Wetzel als Querschnittsprojekt, für das er viele Kenntnisse aus seiner Studienzeit nutzen konnte. So hat er zusammen mit Heinz Kleger die Teilhabe der Bevölkerung neu ausgerichtet – in einem Konzept für strukturierte Bürgerbeteiligung, das auch außerhalb der Stadt viel Beachtung fand. Außerdem mussten Interessierte für einen Beteiligungsprozess eingeladen werden. Wie das ging, 2008 im ersten Jahr des Smartphones, wusste Daniel Wetzel aus dem Studium der Medienwissenschaft. Für das Verständnis der Historie rund um Potsdams Toleranzedikt half ihm sein Geschichtsstudium. Und bei der Integration in politische Diskussionen waren Kenntnisse aus dem Studium der Politikwissenschaft von Nutzen. Die Agentur Medienlabor beriet die Stadt und ihren damaligen Oberbürgermeister, sie übernahm den kommunikativen und inhaltlichen Part des Neuen Potsdamer Toleranzedikts und begeisterte Menschen, sich daran zu beteiligen. Das Projekt kam in Fahrt. Und es folgten weitere Aufträge aus Stadt- und Landesverwaltungen.

Flexibel und offen für Neues, das war Daniel Wetzel schon im Studium. Und genauso führt er jetzt die Agentur. Als einer der beiden Geschäftsführer konzentriert er sich neben der typischen Projektarbeit, dem Brot-und-Butter-Geschäft, auf gesellschaftlich relevante Themen. Die Mobilisierung von Erstwählern oder die Kampagne „Stoppt Hass-Propaganda“ gehörten ebenso dazu wie das Online-Hilfeportal HelpTo. In enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung wurden diese Seiten für die Koordination von Helfenden und Hilfsbedürftigen zunächst nur für Potsdam aufgebaut, im Folgejahr dann sukzessive bundesweit ausgerollt.

Das Medienlabor bleibt neben der Arbeit für Ministerien, Verbände und Unternehmen auch seiner Alma Mater verbunden. So hat die Agentur jüngst das Kommunikationskonzept für deren Förderverein, die Universitätsgesellschaft Potsdam e.V., erarbeitet. Hier schließt sich ein Kreis, denn neben Wetzels früherem Professor Dieter Wagner ist auch der einstige Oberbürgermeister Jann Jakobs im Vorstand engagiert.

„Wir machen als Agentur nicht so ganz die typischen Sachen“, sagt Daniel Wetzel, „Schokoriegel sind für uns nicht relevant.“ Produktwerbung interessiere ihn nicht. Vielmehr konzentriert sich die Agentur auf Themen, die spannend und zugleich bedeutsam sind. „Gesellschaftliche Relevanz ist uns wichtig.“

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal Transfer 2021/22 (PDF).