Musikunterricht neu denken!? – Kritische Bestandsaufnahme auf Potsdamer Tagung

Mit seiner Denkschrift „Musikerziehung und Musikpflege“ hatte der Pianist und Pädagoge Leo Kestenberg vor einhundert Jahren eine fundamentale Neubestimmung des Musikunterrichts eingeleitet, die das Fach- und Berufsverständnis entscheidend prägte. Wie aber wirken sich die veränderten gesellschaftlichen und bildungspolitischen Bedingungen auf den heutigen Musikunterricht aus? Dieser Frage widmet sich eine Tagung des Bundesverbandes Musikunterricht (BMU), die am 29. und 30. Oktober an der Universität Potsdam stattfindet. Vor dem Hintergrund der Kestenberg‘schen Konzeption soll eine kritische Bestandsaufnahme erfolgen, um aktuelle Herausforderungen erörtern und mit Blick auf ihre Realisierbarkeit diskutieren zu können. Im Rahmen der Tagung wird die Leo-Kestenberg-Medaille für besondere Verdienste um die Förderung der musikalischen Bildung verliehen. Sie geht in diesem Jahr an den von Daniel Barenboim initiierten „Musikkindergarten Berlin“.  

Zu den großen Leistungen Kestenbergs gehörte die Vision eines Gesamtgebäudes musikalischer Bildung vom Kindergarten bis zur Universität. Die Tagung wird sich daher mit den institutionellen Rahmen und der inhaltlichen Ausgestaltung eines solchen Gesamtkonzepts im 21. Jahrhundert befassen. Wie lässt sich der Musikunterricht fächerübergreifend in das schulische Lernen und Lehren integrieren? Das diskutieren die Teilnehmenden in einem Workshop, in dem die Einheit von Kunst und Wissenschaft sowie das Zusammenspiel musikgeschichtlicher, musiktheoretischer, kultureller und überfachlicher Aspekte neu auszuloten sind. Zudem wird nach dem Stellenwert des Musizierens im Unterricht gefragt. Wie lassen sich musikalische Situationen initiieren, die das Künstlerische und das Elementare miteinander verbinden?

Auch die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte soll thematisiert werden. Ziel ist es, wissenschaftliche, künstlerische und pädagogische Ebenen stärker miteinander zu vernetzen, sowohl in den Lehramtsstudiengängen als auch in der Qualifizierung von Quer- und Seiteneinsteigern.

Nicht zuletzt geht es um die Bedeutung des Musikunterrichts für die Stärkung des Individuums in einer Schule, die nicht nur Lern- sondern auch Lebensraum ist. Die scheinbar unauflöslichen Widersprüche zwischen der Heterogenität der Lernenden, fachlichen Ansprüchen und sinnlichen Erfahrungen sollen ohne die hier oft mitschwingenden Polarisierungen diskutiert werden.


Zeit: 29.10., ab 16 Uhr, Festakt: 18:30 Uhr; 30. Oktober, 9 bis 17 Uhr
Ort: Campus Am Neuen Palais, 14469 Potsdam, Häuser 8 und 9
Kontakt: 
Prof. Dr. Isolde Malmberg, Professorin für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Universität Potsdam
Tel.: 0331 977-2134
E-Mail: malmberguni-potsdamde

Dorothee Pflugfelder, Bundesverband Musikunterricht e.V.
Tel.: 06131 / 23 40 49
E-Mail: dorothee.pflugfelderbmu-musikde

Internet: https://www.bmu-musik.de/projekte/fachtagung-potsdam-2021/

Medieninformation 20-10-2021 / Nr. 096